Dienstag, 23. Juli 2019

Neustart in Holland Alles Ziggo für René Obermann

Blick zurück nach vorn: Obermann will wieder "näher am Maschinenraum" arbeiten

René Obermann macht jetzt in - was? Der niederländische Kabelbetreiber Ziggo hat sich in der Deutschland AG noch keinen Namen gemacht. Trotzdem bleibt der Telekom-Chef im angestammten Geschäft - und könnte dem Bonner Konzern noch öfter geschäftlich begegnen.

Hamburg - Carlos Slim wird aufmerksam registrieren, wie sich René Obermann in seinem neuen Job macht. Aus der Perspektive des reichsten Manns der Welt stellt der Wechsel des 50-Jährigen von der Deutschen Telekom zu Ziggo weniger den Rückzug eines amtsmüden Topmanagers in eine obskure Nische dar als vielmehr den nächsten Angriff eines der aggressivsten Konkurrenten.

Denn Slims Firma América Móvil hat seit dem Sommer vier Milliarden Euro in den niederländischen Telekomkonzern KPN Börsen-Chart zeigen investiert - mehr, als das ganze Unternehmen heute noch an der Börse wert ist. Im Heimatmarkt kämpft der einstige Monopolist vor allem mit den Kabelnetzbetreibern, die neben Fernseh- über ihre existierenden Netze auch billige Telefon- und Internetdienste anbieten, das so genannte Triple Play - in erster Linie mit Ziggo Börsen-Chart zeigen.

"Es ist gut, dass Obermann Erfahrung in Festnetz- und mobilen Diensten hat, da Ziggo ein Mobilprodukt plant, das einer seiner wichtigsten Wachstumstreiber werden könnte", begrüßt Analyst Emmanuel Carlier von der an Ziggo beteiligten Großbank ING die Personalie. So kann man das auch sehen - frag nicht, was Ziggo für Obermann tun kann; frag, was Obermann für Ziggo tun kann.

In Deutschland wird der Wechsel bisher vor allem unter dem Gesichtspunkt der persönlichen Karriereplanung betrachtet. Zwei Tage nach Obermanns 50. Geburtstag wird das Geheimnis gelüftet, wohin es ihn nach sieben Jahren an der Spitze eines der größten deutschen Konzerne zieht.

Ziggo verbucht 44 Prozent Kursplus in einem Jahr seit dem Börsengang

"Ich werde mehr Zeit für das operative Geschäft haben, als das heute als Chef eines solch großen Konzerns wie der Telekom Börsen-Chart zeigen für mich möglich ist. Das war mein Ziel", schrieb Obermann am Donnerstag im internen Firmennetzwerk. Von Bonn zum neuen Firmensitz in Utrecht sei es zwar nicht weit, "aber doch ein großer Schritt - ein anderes Land, andere Herausforderungen und eine andere Arbeitsweise".

"Näher am Maschinenraum" wolle er arbeiten, hatte Obermann zuvor bereits seinen Rückzug begründet. Dass Obermann künftig nur 3000 Beschäftigte dirigiert statt (inzwischen nur noch) 230.000, wäre demnach ein Vorteil. Mehr noch dürfte ihn locken, dass die niederländische Firma mit 1,5 Milliarden Euro Umsatz auf stetiges Wachstum in ihrer nur fünfjährigen Geschichte zurückblickt, während Obermann im jüngsten Geschäftsbericht des 58-Milliarden-Konzerns Telekom schon mit Stolz vermelden musste, dass sich "der organische Umsatzrückgang reduzierte".

Ärger mit Aufsichtsbehörden, aufwändige Sparpakete, milliardenschwere Altlasten - all das würde der Vergangenheit angehören.

An den Börsenkursen lässt sich der Kontrast besonders stark ablesen. Seit die Finanzinvestoren Warburg Pincus und Cinven den aus verschiedenen lokalen Kabelbetreibern zusammengelöteten Betrieb vor einem knappen Jahr aufs Parkett brachten, stieg der Kurs um 44 Prozent. Ähnlich stark ging es mit Kabel Deutschland Börsen-Chart zeigen aufwärts, ebenso wie mit dem weltgrößten Kabelanbieter Liberty Global Börsen-Chart zeigen, dessen Europazentrale in den Niederlanden sitzt, wo die Tochter UPC die Nummer zwei hinter Ziggo darstellt - dank abgegrenzter Marktgebiete nahezu ohne direkte Konkurrenz.

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