Samstag, 24. August 2019

Neustart in Holland Alles Ziggo für René Obermann

Blick zurück nach vorn: Obermann will wieder "näher am Maschinenraum" arbeiten

2. Teil: Warum Deutsche Telekom und Ziggo zusammenpassen

Während die alteingesessenen Telekomkonzerne fast ausnahmslos von Schwindsucht befallen sind, rollen die Kabelbetreiber den Triple-Play-Markt auf. Liberty Global hat sich mit Milliarden in den Benelux-Staaten, den Alpenländern, Osteuropa und auch in Deutschland (mit den Kabelbetreibern in Baden-Württemberg, Hessen und Nordrhein-Westfalen) eingekauft. Im Februar kündigte der US-Konzern mit einem 23,3-Milliarden-Dollar-Gebot für Virgin Media den ganz großen Sprung an - zum größten Breitbandanbieter der Welt. Für die Telekoms wie Vodafone Börsen-Chart zeigen sind Kabelbetreiber wie Kabel Deutschland eine Verlockung. Auch Ziggo wird als Übernahmekandidat gehandelt - womit für Obermann künftig eine Prämie herausspringen könnte.

Das liegt auch an der Kostenstruktur: Mit Fernsehkabeln, die bereits weitgehend abgeschrieben unter der Erde liegen, lassen sich billig auch schnelle Verbindungen für Internet und Telefon anbieten. So kommen Ebitda-Margen wie 57 Prozent bei Ziggo zustande. Deutsche Telekom und Co. dagegen müssen nach Jahren, in denen sie ihre Kunden an sinkende Preise und ihre Aktionäre an stabile Dividenden gewöhnt haben, plötzlich Milliardenbeträge in neue Technik wie Glasfaser- oder LTE-Netze investieren.

Ein Spaziergang wird Obermanns Job in Utrecht allerdings nicht. "Das Erlösmomentum hat in den vergangenen Quartalen enttäuscht", registrieren die Analysten von JP Morgan - der Bank, die Ziggos Börsengang federführend begleitete. Nach regelmäßigen Wachstumsraten von 6 bis 10 Prozent ging es in der zweiten Jahreshälfte 2012 nur noch mit 1 Prozent voran. Der Schwund von Fernsehkunden beschleunigte sich, der Zuwachs an Telefonkunden ließ nach.

KPN wirbt mit Service statt mit dem Preis

Die Experten erklären das vor allem mit schärferem Wettbewerb von KPN, das sein stark gewachsenes Glasfaserangebot aggressiv vermarktet. Die Analyse spricht von "rationalem Marktverhalten, indem KPN mit Service und Innovation wirbt statt mit dem Preis". Die JP-Morgan-Leute zeigen sich jedoch überzeugt, dass Ziggo den Trend in diesem Jahr wieder wenden werde. Das Management könne mit klaren Maßnahmen antworten oder habe das bereits getan - unter anderem mit zwei Tariferhöhungen im Oktober und im Februar.

Für die Zukunft aber wichtiger: "Ziggo hat noch kein Mobilfunkprodukt." Im Dezember stieg das Konsortium aus Ziggo und dem anderen großen Kabelbetreiber UPC aus der 3,8 Milliarden Euro teuren Versteigerung niederländischer Funklizenzen aus - zu teuer. Am Ball blieben dagegen KPN, Vodafone, die schwedische Tele 2 und T-Mobile.

Eigentlich heißt die Vorgabe aus Bonn, die Deutsche Telekom wolle sich aus europäischen Märkten zurückziehen, in denen sie nur Mobilfunk und nicht auch Festnetz anbietet. In der vergangenen Woche weichte Europachefin Claudia Nemat auf der Branchenmesse in Barcelona diese Linie jedoch auf: Man sei offen für Kooperationen mit Festnetzanbietern in diesen Märkten.

Vielleicht ja mit René Obermanns Ziggo? Er bleibe "mit Haut und Haaren Telekomer", schrieb der Chef den Mitarbeitern am Donnerstag. Und "ganz ehrlich - ich werde meine Verbundenheit mit dem Unternehmen nie ablegen."

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