Donnerstag, 17. Oktober 2019

Deutsche Annington Neuer Chef soll deutschen Wohnungsriesen an die Börse führen

Mietwohnungen in Berlin: Die Deutsche Annington verwaltet insgesamt rund 210.000 Wohnungen

Rolf Buch, bis Ende 2012 Chef der Bertelsmann-Dienstleistungstochter Arvato, übernimmt zum 1. April den Vorstandsvorsitz des Wohnungriesen Deutsche Annington. Es soll das größte private Immobilienunternehmen Deutschlands im Laufe dieses Jahres an die Börse bringen.

Hamburg - Die in Bochum ansässige Annington-Gruppe verwaltet eigenen Angaben zufolge 210.000 Immobilien und ist mit Erlösen von knapp 1,1 Milliarden Euro und einem EBITDA von 510 Millionen Euro (jeweils 2011) das größte private Immobilienunternehmen Deutschlands.

Unter der Holding sind sieben Dienstleistungsfirmen angesiedelt, von der Vertriebs über die Consulting bis zur Informationssysteme GmbH. Knapp 1300 Mitarbeiter werden beschäftigt. Hervorgegangen ist Deutsche Annington aus der Eon-Immobilientochter Viterra, die 2004 für 7 Milliarden Euro an die britische Annington-Gruppe verkauft worden war. Sie befindet sich ihrerseits im Besitz der Londoner Beteiligungsgesellschaft Terra Firma Capital.

Für den Börsengang des Unternehmens wurden die Bankhäuser Morgan Stanley und JP Morgan als Konsortialführer mandatiert. Unbestätigten Meldungen zufolge ist das Going Public für den 4. Juli vorgesehen. Nach einem Bericht der Nachrichtenagentur Bloomberg will Deutsche Annington darüber hinaus ein mit Gewerbehypotheken unterlegtes Wertpapier (Commercial Mortgage-Backed Security) ausgeben, um noch vor dem Börsengang einen Teil der Verbindlichkeiten zu refinanzieren

Kandidat für den MDax

In Anbetracht der zu erwartetenden Marktkapitalisierung, des Börsenumsatzes und einer Bilanzsumme von 10,7 Milliarden Euro (2011) gehen Börsenkreise davon aus, dass die Deutsche Annington mit Sicherheit ein Kandidat für den MDax Börsen-Chart zeigen ist.

Rolf Buch war über 20 Jahre lang für Bertelsmann tätig gewesen. Als Assistent der Geschäftsleitung in Gütersloh 1991 gestartet, hatte er 2008 als Nachfolger des zum Bertelsmann-Chef aufgerückten Hartmut Ostrowski die Führung von Arvato übernommen.

Im Annington-Vorstand trifft Buch auf einen früheren Kollegen: Klaus Freiberg, bis 2010 Geschäftsführer bei Arvato Services, ist Chief Operating Officer. Buch ersetzt bei Annington den Ende September überraschend ausgeschiedenen CEO Wijnand Donkers (49), der angegeben hatte, "neue Herausforderungen zu verfolgen". Worum es sich dabei handelt, hat sich bislang nicht aufgeklärt. Die Immobilienbranche ist, zumal für die führenden Marktteilnehmer, ein schwieriges und sensibles Terrain und aufgrund seiner sozialen Bedeutung immer Politik-nah.

Allein in Dortmund besitzt die Deutsche Annington rund 18.000 Wohnungen: Unzufriedenheiten bei Mietern sind dann sehr schnell ein Thema für den Oberbürgermeister.

Buch gilt als exzellent vernetzt und umso geeigneter für die neue Aufgabe, als Arvato einen großen Teil seines Geschäfts mit öffentlichen Institutionen und Ministerien, Behörden und Verwaltungen gemacht hat als auch mit internationalen Konzernen wie Microsoft oder Google.

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