Mittwoch, 29. Januar 2020

Profiteur der Schuldenkrise Schöne Aussicht am Bau

Hausbau: Die Zahl der Neubauten steigt kräftig
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Hausbau: Die Zahl der Neubauten steigt kräftig

Angeschoben vom Immobilienboom und der Dämm-Wut der Deutschen hat sich die Bauwirtschaft zu einer wichtigen Konjunkturstütze entwickelt. Die Aussichten bewertet die Branche so rosig wie seit der Wiedervereinigung nicht mehr. Mancherorts werden die Handwerker knapp.

Hamburg - Wenn der Frühling kommt und das Quecksilber die Null-Grad-Marke hinter sich lässt, gibt es unter freiem Himmel so einige Phänomene zu beobachten. Klar, da sind die Frühjahrsblüher, die grau-braune Matschwiesen zu bunter Pracht verhelfen. Bäume ergrünen, Vögel trällern um die Wette. So weit, so schön.

Da ist aber noch etwas: Viel schneller als Krokusse sprießen Baugerüste an Häuserwänden empor. Es wird wieder fleißig gemauert, ausgebessert, verputzt und gedämmt. Ganze Straßenzüge werden in Styroporplatten eingepackt. Am Himmel drehen sich Baukräne. In vielen Metropolen weichen die letzten freien Flächen schicken Appartementblocks.

Deutschland ist im Immobilienfieber. Es ist das alte Lied: Extrem niedrige Zinsen, mit denen die Europäische Zentralbank die Wirtschaft in Südeuropa ankurbeln will, kommen in Deutschland in Form von historisch günstigen Darlehen an. Zugleich werfen Sparkonten kaum noch etwas ab. Anderen, vermeintlich risikoreicheren Geldanlagen wird spätestens seit der Finanzkrise ohnehin nicht mehr über den Weg getraut. Also rein in die Immobilie. Geld ist vorhanden: Die Wirtschaft schlägt sich wacker, der Arbeitsmarkt ist robust. Die Gründe sind nicht neu, gelten aber nach wie vor.

Die Folgen: Die Kauf- und Mietpreise besonders in Metropolregionen ziehen an. Das Thema Wohnen hat es längst auf die Wahlkampfagenda geschafft. Die SPD will die Mieten begrenzen, Bauminister Peter Ramsauer (CSU) hat Ende Februar ein Konzept präsentiert. Er will den Wohnungsbau nach der Bundestagswahl mit Maßnahmen wie einer abgespeckte Variante der Eigenheimzulage und Steuervorteilen ankurbeln. Bereits vorher sollen die Fördermittel der KfW noch einmal aufgestockt werden.

Trendwende beim Hausbau

Die Zahl der Neubauten steigt schon jetzt. Es ist eine Trendwende. Jahrelang wurde nur sehr wenig in neue Häuser und Wohnungen investiert. Im Jahr 2009 entstanden pro 1000 Einwohner bundesweit gerade einmal 1,7 Wohnungen. In diesem Jahr steigt die Quote immerhin auf 2,5 und nähert sich dem Durchschnitt der 27 EU-Länder an, der laut dem Forschungsnetzwerk Euroconstruct bei 2,9 liegt. Zwischen 2011 und 2015 wird die Zahl der fertiggestellten Wohnungen laut Euroconstruct-Prognose um ganze 46 Prozent auf 235.000 Einheiten nach oben schnellen.

Der Immobilienboom versetzt die deutsche Bauwirtschaft in Jubelstimmung. Sie gilt als eine der wenigen Krisengewinner. Auch das ist eine Trendwende: Jahrzehntelang kamen aus der Branche nur schlechte Nachrichten, dem Boom der Wendezeit folgte die Ernüchterung. Doch 2011 meldeten die Verbände ein Rekordwachstum. Im vergangenen Jahr stiegen die Auftragseingänge bei stabilen Umsätzen noch einmal um 4,6 Prozent. Nun weisen alle Vorzeichen daraufhin, dass der Sektor in diesem Jahr neue Rekorde aufstellt.

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