Starökonomen Schelte für die Zentralbanken

Sie sind die Feuerwehr in der Krise: Doch Zentralbanken warten zu lange ab, bevor sie reagieren. Sie nutzen ihre Freiheiten nicht ausreichend - und sollten sich besser untereinander abstimmen. Zu diesem Urteil kommt eine Studie des Global Economic Symposiums, die manager magazin online vorliegt.
Von Arne Gottschalck
Umbauarbeiten: Wie sollten Zentralbanken arbeiten?

Umbauarbeiten: Wie sollten Zentralbanken arbeiten?

Foto: Fredrik von Erichsen/ dpa

Kiel - Zentralbanken haben eine herausgehobene Stellung. Sie können die Leitzinsen anpassen, sie können Anleihen aufkaufen - alles, um die Krise zu bremsen. Doch sie nutzen diese Freiheiten nicht ausreichend. Zu diesem Urteil kommen die Denker des Global Economic Symposiums (GES). Antizyklisch müsse Geldpolitik sein - und global koordiniert.

Das erfordert ein Umdenken. Vor allem bedeutet es, dass "es besonders wichtig sei, dass die Zentralbanken handeln und nicht abwarten", so die Studie. Allerdings dürfe dieses Handeln nicht an strenge und unumstößliche Regeln gebunden sein. Denn das liefe auf eine "Zwangsjacke" hinaus und sei in der Realität auch nicht anwendbar. Keine Verpflichtung zum Handeln also, wohl aber die Verpflichtung, das eigene Handeln zu erklären - wenn sie denn nicht antizyklisch handeln. "Comply or explain", nennen das die GES-Experten in ihren Lösungsvorschlägen.

Außerdem sollten Zentralbanken global koordinierter handeln, so der Rat der Wissenschaftler. Früher sei das nicht nötig gewesen, sagt der Stanford-Ökonom John Taylor. "Analysen der frühen 80er Jahre zeigen, dass Gewinne aus der Koordination von Geldpolitik quantitativ recht klein im Vergleich zu jenen waren, wenn man die heimische Politik richtig hinbekam", schreibt er.

"Weltweite Geldstabilität nur durch Zusammenarbeit"

Eine Einschätzung, die bis zuletzt hielt. Doch nun passt sie nicht mehr in die Welt. "Nur durch multilaterale Zusammenarbeit", schreibt das GES selbst, "könne auch eine weltweite Geldstabilität vorangetrieben werden. Helfen könne dabei eine Institution, die es schon lange gibt.

Die Bank für Internationalen Zahlungsausgleich (BIZ), so die Experten, könnte zu einer weltweiten geldpolitischen Autorität ausgebaut werden, "die wichtige Entscheidungen koordiniert und unkonventionelle Maßnahmen begleitet." Damit wären auch die aufstrebenden Wirtschaften wie die Bric-Länder Brasilien, Russland, Indien und China in der Pflicht.

Und auch wenn die Zentralbanken weiterhin als "Feuerwehr" agieren dürfen und beispielsweise mit "quantitative Easing", dem Anleihenkauf, die Wirtschaft stabilisieren können - Preisststabilität sollte das vordringlichste Ziel der Zentralbanken sein. Dennis Snower, Präsident des Instituts für Weltwirtschaft (IfW) und geistiger Vater des GES, umschreibt es so: "Zentralbanken haben eine schwierige Aufgabe: Langfristig müssen sie Preisstabilität gewährleisten, aber kurzfristig müssen sie den Wirtschaftszyklus ausgleichen. Aus diesem Grund ist es wichtig, dass die Geldpolitik sich zukünftig explizit antizyklische Ziele aneignet und Zentralbanken ihre Aktivitäten über Ländergrenzen hinweg koordinieren."

Besonders das mit der Preisstabilität wird man Deutschland aufmerksam verfolgen.