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Notenbanken im Währungskrieg: Wer am Geldhahn dreht

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Währungen Industriestaaten sagen Abwertungswettlauf den Kampf an

Die wichtigsten Industriestaaten wenden sich gegen einen Abwertungswettlauf. Nachdem der Euro zuletzt kräftig gegenüber Yen und Dollar aufwertete, üben Notenbanken und Politik nun den Schulterschluss: Wechselkurse sollen auch künftig durch den Markt bestimmt werden.

Frankfurt/London - Deutschland und die anderen führenden Industrienationen sind Ängsten vor einem Währungskrieg entgegengetreten. Die Finanzminister und Notenbankchefs der sieben wichtigsten Industriestaaten (G7) stellten am Dienstag in einer gemeinsamen Stellungnahme klar, dass sie ihre Geld- und Fiskalpolitik weiterhin an der Binnenwirtschaft orientieren und nicht auf die Wechselkurse abzielen werden: "Wir bestätigen unser Bekenntnis zu Wechselkursen, die der Markt bestimmt."

Die G7 wollen sich auch künftig bei Währungsfragen eng abstimmen. Zu der Gruppe gehören neben Deutschland die USA, Kanada, Japan, Italien, Frankreich und Großbritannien.

Nach Veröffentlichung des Statements legte der Eurokurs um über einen halben Cent zu. Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble erwartet, dass die Gruppe der wichtigsten Industrie- und Schwellenstaaten (G20) die Erklärung der G7 übernimmt.

Zuletzt war eine Diskussion um einen "Währungskrieg" entbrannt, weil der Euro seit Sommer 2012 gegenüber anderen Währungen wie dem japanischen Yen, dem US-Dollar oder dem britischen Pfund stark zulegte. Das hatte an den Märkten für Nervosität gesorgt. Zudem wuchs im Euroraum die Sorge, der erhoffte Konjunkturaufschwung könnte erstickt werden, wenn Waren aus dem Euroraum im außereuropäischen Ausland wegen des Wechselkurses teurer werden. Daraufhin hatte sich Frankreichs Staatspräsident François Hollande für eine aktive Wechselkurspolitik ausgesprochen. Deutschland und andere Euroländer lehnen das ab.

Extrem lockere Geldpolitik in Japan und den USA

Als ein Grund für die Aufwertung gilt die lockere Geldpolitik der Notenbanken von Japan bis in die USA. Ihnen wird vorgeworfen, ihre Währungen künstlich billig zu halten, um die heimische Wirtschaft zu unterstützen. Vor allem die japanische Regierung hatte zuletzt Druck auf ihre Notenbank ausgeübt, um die Geldpolitik weiter zu lockern und so auch den Yen-Kurs zu schwächen.

Das Statement der G7 zeige nun aber, dass die Staaten kooperieren, statt in einen Abwertungswettlauf der Währungen zu gehen, sagte Ökonom Christian Schulz von der Berenberg Bank: "Es gibt keine Anzeichen für einen Währungskrieg."

Allerdings bekräftigten die G7, dass sich extreme Schwankungen und ungeordnete Bewegungen der Wechselkurse nachteilig auf die Stabilität der Wirtschaft und der Finanzmärkte auswirken könnten. "Die Hürde für Interventionen scheint allerdings sehr hoch zu hängen", sagte Schulz: Schließlich habe die 25-prozentige Aufwertung des Euro gegenüber dem Yen seit Juli 2012 keinen Eingriff bewirkt.

Der Präsident der Europäischen Zentralbank (EZB), Mario Draghi, hatte die Aufwertung des Euro als "Zeichen der Rückkehr des Vertrauens" in die europäische Gemeinschaftswährung bezeichnet. Langfristig bewege sich die Gemeinschaftswährung in der Nähe ihres Durchschnittswerts. Allerdings habe die Notenbank die Aufwertung als potenzielles Risiko für Konjunktur und Geldwertstabilität im Blick. EZB-Vizepräsident Vitor Constancio betonte am Dienstag jedoch, dass sich die Inflations- und Wachstumsaussichten wohl nicht stark geändert haben.

Die deutsche Wirtschaft schätzt das Risiko eines "Währungskriegs" ohnehin als gering ein. "Eine direkte Gefahr für deutsche Exporte sehen wir momentan nicht", sagte der Chefvolkswirt des Deutschen Industrie- und Handelskammertages (DIHK), Alexander Schumann, in Berlin. Knapp unter 40 Prozent der deutschen Ausfuhren gingen in die Euro-Zone. "Da interessiert der Wechselkurs erst einmal nicht." Ein starker Euro entlaste die Unternehmen beim Einkauf von Rohstoffen und Teilen aus dem Ausland: "Währungsmanipulation geht ja immer nur auf Kosten anderer."

Notenbanken: Wer am Geldhahn dreht

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