Samstag, 20. April 2019

Boomende Spielzeugbranche Hardselling mit den Kindheitsträumen der Eltern

Spielzeugboom: Mit Euro-Siegerin Lena und Ninja Turtels
AlexSchelbert.de / Spielwarenmesse

2. Teil: Scheidungen von Vorteil für Spielzeugbranche

In den Spielwarenläden folgen die neuesten Trends inzwischen fast so schnell aufeinander wie die Kollektionen bei den Mode-Massenvertrieben Zara und H&M. 70.000 Neuheiten präsentieren die Hersteller allein in diesem Jahr auf der Nürnberger Messe. Waren im vergangenen Jahr vor allem pink-glitzernde Mädchenprodukte á la Prinzessin Lillifee gefragt, stehen dieses Jahr bei vielen Herstellern mit Star-Wars-Revival und smartphonegesteuerten Bau- und Modellfahrzeugen Jungs und ihre Väter im Mittelpunkt.

"Die Händler liefern sich ein Kopf-an-Kopf-Rennen um die neuesten Trends, die Sortimente wechseln immer schneller", sagt Willy Fischel, Geschäftsführer beim Bundesverband des Spielwaren-Einzelhandels (BVS). Jeder Fachhändler biete im Schnitt 25.000 Produkte an. "Deutschland ist ein schwieriger Markt, die Konsumenten sind anspruchsvoll und preisbewusst. Der Druck auf die Erträge steigt, auch durch den zunehmenden Onlinehandel", sagt Fischel.

Die deutschen Hersteller kämpfen mit steigenden Produktionskosten und der Billigkonkurrenz aus Asien und Osteuropa. Die Spielzeughändler können Preissteigerungen jedoch kaum an ihre Kunden weitergeben. "Das Geschäft ist in den vergangenen Jahren nicht gerade einfacher geworden." Dennoch sei die Branche vorsichtig optimistisch, sagt Fischel. Im Jahr 2012 stieg der Umsatz in Deutschland um rund 3 Prozent auf mehr als 2,7 Milliarden Euro.

Die Spielzeugbranche profitiert von Scheidungen

Auch 2013 werde wieder ein Wachstumsjahr für den Spielzeughandel, sagt der Branchenvertreter voraus. Dass in Deutschland immer weniger Kinder geboren werden, bereitet ihm dabei wenig Sorge: "Die Zuwanderung gleicht das zum Teil aus. Außerdem haben die vergangenen Jahre gezeigt: Wir haben zwar weniger Kinder. Aber mehr Schenker." Pro Kind werde mehr Geld für Spielwaren ausgegeben als früher.

Der demographische Wandel lässt zwar die Zahl der Kinder schrumpfen. Allerdings gibt es dafür umso mehr zahlungskräftige Rentner, die ihren Enkeln mit Geschenken eine Freude machen wollen. Auch Bekannte und Verwandte verwöhnen die wenigen Kinder in ihrem Umfeld gerne mit den neuesten Spielwaren. "Für die Spielzeugbranche ist es auch von Vorteil, dass es immer mehr Scheidungen gibt", sagt Industrieverbandschef Brobeil. "Eltern und Großeltern wetteifern um die Zuneigung der Kinder in Patchwork-Familien - oft auch mit dem neuesten Spielzeug."

Um die Kauflust von Stiefvätern, Tanten, Bekannten und Eltern weiter anzuheizen, entwickeln sich Spielwarenhändler zu Event-Managern: Sie bieten zum Beispiel Gesamtpakete für den Kindergeburtstag oder Bastelworkshops für den Vater-Sohn-Tag an. Und die Hersteller versuchen, Kinder schon früh zu markenbewussten Konsumenten zu erziehen: Sie arbeiten mit Film- und TV-Produzenten zusammen und vermarkten dann die passenden Spielfiguren zum Kinofilm oder zur Serie im Kinderkanal. "Die Kinder wissen spätestens ab dem vierten oder fünften Lebensjahr sehr genau, was sie wollen", sagt Axel Dammler vom Marktforschungsinstitut Iconkids. Mit Spielzeug aus der Vorjahreskollektion können Eltern und Großeltern bei ihren Kindern dann kaum noch punkten.

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