Verhageltes Vorjahresende Deutsche Bank von Milliardenverlust erschüttert

Deutschlands wichtigstes Geldhaus ist Opfer eigener Skandale geworden. Die Deutsche Bank ist im letzten Quartal 2012 durch einen Verlust von 2,15 Milliarden Euro erschüttert worden - weil Milliarden für Rechtsstreitigkeiten ausgegeben werden mussten. Die Dividende soll dennoch konstant bleiben.
Deutsche Bank in Frankfurt am Main: Milliardenverlust erschüttert das Hauptquartier

Deutsche Bank in Frankfurt am Main: Milliardenverlust erschüttert das Hauptquartier

Foto: Boris Roessler/ picture alliance / dpa

Frankfurt am Main - Die Deutsche Bank ist zum Jahresende wegen des Konzernumbaus, des Skandals um manipulierte Referenzzinsen und der vielen offenen juristischen Baustellen tief ins Minus gerutscht. Unter dem Strich sei im vierten Quartal ein Verlust von 2,15 Milliarden Euro angefallen, teilte die größte deutsche Bank mit. Im Vorjahr hatte das Institut im vierten Quartal noch einen Gewinn nach Steuern von 200 Millionen Euro verbucht.

Experten hatten zwar mit einem Minus gerechnet, die Höhe ist aber überraschend - und wirft kein gutes Licht auf die Deutschen Bank. Mehrere Sonderbelastungen wie Wertminderungen auf Geschäfts- oder Firmenwerte sowie Aufwendungen für Rechtsstreitigkeiten summierten sich auf happige 2,9 Milliarden Euro. Davon machten offene Rechtsstreitigkeiten offenbar rund eine Milliarde Euro aus. So hatte die Bank im Dezember den Schadenersatzprozess gegen die Erben des früheren Medienmanagers Leo Kirch verloren.

Außerdem belastete die Integration der Postbank weiter. Bereinigt um diese Sondereffekte steigerte die Bank ihren Vorsteuergewinn auf 4,9 Milliarden Euro. Die Erträge legten 2012 gegenüber dem Vorjahr leicht um 500 Millionen auf 33,7 Milliarden Euro zu.

Um die Aktionäre bei Laune zu halten, will die Bank für das vergangene Jahr eine unveränderte Dividende von 75 Cent je Aktie ausschütten. Den Aktienkurs der Bank  hat das heute offenbar stabilisiert: Am Morgen legte der Kurs der Deutsche-Bank-Anteilsscheinen um 0,65 Prozent auf etwa 37,40 Euro zu.

Offener Brief an die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter

Zuletzt war die Bank in die Schlagzeilen geraten, weil die deutsche Finanzaufsicht Bafin den Deutsch-Bankern - wie auch praktisch allen anderen Geldhäusern hierzulande - Sonderprüfer ins Haus schickte, die Zinsmanipulationen mit dem europäischen Referenzzins Euriobor unter die Lupe nehmen soll.

Davor war bekannt geworden, dass auch noch die LBBW die größte deutsche Bank in New York vor Gericht zerrt. Die baden-württembergische Landesbank wirft dem Frankfurter Institut Betrug und Falschberatung im Zusammenhang mit faulen Hypothekenpapieren vor. "Wir werden alles daran setzen, die Vergangenheit aufzuarbeiten", versprachen die Co-Vorsitzenden Jürgen Fitschen und Anshu Jain unlängst den rechtschaffenden Mitarbeitern der Deutschen Bank in einem offenen Brief.

Die beiden Vorstandsvorsitzenden Jürgen Fitschen und Anshu Jain sprachen von der "umfassendsten Umgestaltung der Deutschen Bank in der jüngeren Zeit". So will die Bank bis 2015 die jährlichen Kosten um 4,5 Milliarden Euro reduzieren. Vor allem im Investmentbanking werden zahlreiche Arbeitsplätze gestrichen.

"Mit der Initiierung der Strategie '2015+' im September haben wir einen wohlüberlegten, aber manchmal unbequemen Wandel auf den Weg gebracht, um langfristig und nachhaltig erfolgreich zu sein", sagten Fitschen und Jain. "Gleichzeitig haben wir einen grundlegenden kulturellen Wandel in der Bank eingeleitet. Diese Aufgabe wird uns nicht nur die nächsten Monate, sondern über Jahre hinweg beschäftigen."

Die ersten Ergebnisse des Konzernumbaus bezeichneten die beiden "als ermutigend". Die Kernkapitalquote sei deutlich erhöht worden. Außerdem hätten die Geschäftsbereiche "starke operative Ergebnisse" erzielt.

Wegen des Gewinneinbruchs müssen die Mitarbeiter mit deutlich niedrigeren Bonuszahlungen als in der Vergangenheit rechnen. Die variable Vergütung für das Gesamtjahr verringerte sich im Verhältnis zu den Erträgen auf neun Prozent und fiel damit auf den tiefsten Stand seit langem, wie die Bank mitteilte.

kst/apd/rtr
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