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Allianz-Analyse: Die größten Risiken für Unternehmen 2013

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Katastrophen und Explosionen Die größten Risiken für Unternehmen

Global vernetzte Konzerne sind verwundbar. Die Unterbrechung von Lieferketten etwa legt schlimmstenfalls den ganzen Betrieb lahm, und die Risiken für Unternehmen werden immer vielfältiger. Doch eines fürchten sie besonders.

Hamburg - Es ist nur ein Teil von Hunderttausenden. Doch seitdem der Brand einer Batterie einen Dreamliner von Boeing zur Notlandung zwang, bleiben die Prestige-Flieger am Boden - weltweit und auf unbestimmte Zeit. Dem Startverbot rund um den Globus war eine ganze Pannenserie vorausgegangen. Erste Fluggesellschaften prüfen jetzt Schadenersatz.

Welchen Schaden der schärfste Airbus-Wettbewerber davonträgt, ist noch unklar. Doch der Ruf von Boeing ist angekratzt, sagen Beobachter. Und Boeing  ist kein Einzelfall, auch viele deutsche Unternehmen sind betroffen: Schon mehrfach beispielsweise musste Siemens  die Auslieferung von neuen ICE-Zügen verschieben. Das belastet mittlerweile nicht nur die Bilanz, sondern auch das Image des Weltkonzerns als zuverlässiger Partner.

Reputationsrisiken sind nur eines von vielen, denen Unternehmen ausgesetzt sind. Doch in Zeiten von Twitter und Facebook verbreiten sich schlechte Nachrichten in Windeseile. Empörungswellen im Internet, sogenannte "Shitstorms" können den Ruf eines Unternehmens schwer belasten und seine "wirtschaftliche Substanz langfristig schwächen", sagt Allianz-Manager Joachim Albers.

Reputations- und Markenwertverluste zählen weltweit mittlerweile zu den zehn größten Unternehmensrisiken (siehe Bildergalerie), wie eine Umfrage unter Allianz-Experten in 28 Ländern ergeben hat. Die Risikoingenieure und Schadenexperten des Konzerns legten ihren Fokus auf große Industrieunternehmen und mittelständische Firmen.

Neue Versicherungen für den PR-Krisenfall

Insofern überrascht es nicht, dass die Assekuranz seit geraumer Zeit Deckungen gegen mögliche Reputationsschäden anbietet. Bei der Allianz soll so eine Spezialpolice im Krisenfall die Kosten für Kommunikationsprofis abdecken. Munich Re  und Zurich  bieten ihren Kunden im gleichen Kontext Versicherungsschutz gegen Gewinn- und Bilanzschäden an. Das Geschäftsfeld ist noch jung, das Potential offenbar schwer einzuschätzen und die Produkte eher als Zusatzangebot gedacht.

Weltweit eint Unternehmen aber eine Sorge: Dass ihr Betrieb aufgrund von höherer Gewalt stillsteht. Die Unterbrechung von Lieferketten, die schlimmstenfalls den ganzen Betrieb lahmlegt, Naturkatastrophen und Explosionen zählen laut Allianz daher zu den bedrohlichsten Geschäftsrisiken für die Wirtschaft.

Global aufgestellte Konzerne halten ihre Lieferketten aus Kostengründen sehr schlank, verzichten auf große Lager und Ersatzlieferanten. Das Erdbeben in Japan und die wenige Monate später folgende Jahrhundertflut in Thailand zeigten im Jahr 2011, wie verwundbar diese Strategie macht.

Wichtige Bauteile für die Auto- und Elektronikindustrie erreichten ihre Abnehmer weltweit nicht oder nur mit enormer Verspätung, da zentrale Zulieferer ausgefallen waren. Tausende Kilometer von der Katastrophe entfernt mussten Unternehmen ihre Produktion drosseln. Computerhersteller zum Beispiel, weil in Folge der thailändischen Fluten die weltweite Produktion von Festplatten um rund ein Drittel eingebrochen war.

"Dieselbe Flexibilität, die die Kostenvorteile moderner Lieferketten begründet, macht diese auch anfällig für Störungen", sagt Paul Carter, Global Head of Risk Consulting beim Allianz-Industrieversicherer AGCS.

Wenn der "Bandabriss" Millionen kostet

Stehen die Bänder still, können die Schäden schnell in die Millionen gehen. "Hersteller aus der Konsumelektronikbranche meldeten uns nach der Flut in Thailand Schäden aus indirekt durch Lieferantenausfälle verursachte Betriebsunterbrechungen in Höhe von 10 bis 80 Millionen Euro", berichtet Andreas Shell, weltweit verantwortlich für die Bearbeitung von Sachschäden bei AGCS. Mittlerweile gehen in der Industrieversicherung zwischen 50 bis 70 Prozent von Katastrophenschäden auf direkte oder indirekt verursachte Betriebsunterbrechungen zurück, berichtet die Allianz.

Die Unternehmen scheinen dazuzulernen. So beobachtet Carter, dass die Firmen den Zielkonflikt zwischen niedrigen Kosten und Sicherheitspuffern in Lieferketten neu austarierten. Die Firmen wendeten sich von der weit verbreiteten Konzentration auf einige wenige oder nur einen einzigen Lieferanten ab, auch wenn dies zusätzliche Kosten mit sich bringe. Konkret empfiehlt AGCS den Unternehmen, ausfallkritische Lieferanten zu identifizieren und Notfallpläne zu entwerfen, damit der gefürchtete "Bandabriss" mit empfindlichen Produktionsausfällen erst gar nicht eintritt.

Versicherer bieten Policen gegen die Folgen von Betriebsunterbrechungen an, auch ohne dass ein konkreter Sachschaden vorliegt. Die Offerten scheinen aber nur bedingt die Kundenbedürfnisse zu treffen. Die Versicherungssummen seien für Großkonzerne viel zu gering und die Bedingungen nicht akzeptabel, kritisierte Hans Martin Schindewolf vom Autobauer Daimler unlängst noch in der "FTD". Das Problem: Die Versicherer verlangten detaillierte Informationen über jeden Schritt in der Liefer- und Produktionskette. Das sei unpraktikabel. Sobald sich in diesem Ablauf etwas ändere, verlöre das Unternehmen die Deckung. Für kleinere Unternehmen wiederum seien die Policen oft zu teuer.

Spezialpolicen treffen nicht immer den Geschmack der Industrie

Überrascht zeigt sich die Allianz in ihrem "Risk Barometer 2013", dass Feuer und Explosionen weltweit wieder als größere Bedrohung wahrgenommen werden. 2012 identifizierten die Experten dieses Risiko noch als zehntgrößtes für Unternehmen, nun liegt es an dritter Stelle. Mittelgroße Firmen scheinen dabei Brandrisiken noch mehr Bedeutung zuzumessen als Großkonzerne, die zumeist über bessere Brandschutzvorrichtungen verfügten.

Brände seien zwar eher selten, könnten aber vor allem im produzierenden Gewerbe erhebliche Schäden anrichten. So wurden von sieben industriellen Großschäden über zehn Millionen Euro, für die AGCS 2012 geradestehen musste, sechs von Feuer verursacht, heißt es.

Betriebsunterbrechungen, Naturkatastrophen und Feuer gelten weltweit als die größten Risiken für Unternehmen. Dahinter differenzieren sich die Gefahren in den einzelnen Regionen und Industrien auf dem Erdball unterschiedlich. So werden im asiatisch-pazifischen Raum Marktschwankungen und Rohstoffpreise direkt nach den drei Top-Risiken genannt. Das ist wohl der Befürchtung geschuldet, dass höhere Rohstoffpreise die starke Konjunktur in China und Indien abwürgen könnten.

Made in Germany: Deutsche Firmen fürchten vor allem Qualitätsmängel

In Amerika wiederum nähmen die Unternehmen den verschärften Wettbewerb insbesondere mit den Schwellenländern als viertgrößtes Geschäftsrisiko wahr, berichtet die Allianz.

Bemerkenswert: Konkret für Deutschland benennt die Allianz Qualitätsmängel und Serienfehler als drittgrößtes Risiko für ihre Unternehmenskunden. "Made in Germany" gilt nach wie vor als ein wichtiges Qualitätssiegel in Branchen wie dem Auto-, Maschinen- oder Anlagenbau. "Daher stellen Qualitätsprobleme und Baufehler, die große Produktionsserien betreffen, für viele deutsche Unternehmen ein gravierendes Risiko dar", sagt AGCS-Manager Thomas Meschede.

Eng verknüpft ist damit die Angst vor Reputationsschäden. Sie rangiert ebenfalls unter den zehn wichtigsten Geschäftsrisiken für deutsche Großunternehmen.

Überblick: Die größten Risiken für Unternehmen

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