Montag, 16. September 2019

Katastrophen und Explosionen Die größten Risiken für Unternehmen

Allianz-Analyse: Die größten Risiken für Unternehmen 2013
Corbis

2. Teil: Wenn der "Bandabriss" Millionen kostet

Stehen die Bänder still, können die Schäden schnell in die Millionen gehen. "Hersteller aus der Konsumelektronikbranche meldeten uns nach der Flut in Thailand Schäden aus indirekt durch Lieferantenausfälle verursachte Betriebsunterbrechungen in Höhe von 10 bis 80 Millionen Euro", berichtet Andreas Shell, weltweit verantwortlich für die Bearbeitung von Sachschäden bei AGCS. Mittlerweile gehen in der Industrieversicherung zwischen 50 bis 70 Prozent von Katastrophenschäden auf direkte oder indirekt verursachte Betriebsunterbrechungen zurück, berichtet die Allianz.

Die Unternehmen scheinen dazuzulernen. So beobachtet Carter, dass die Firmen den Zielkonflikt zwischen niedrigen Kosten und Sicherheitspuffern in Lieferketten neu austarierten. Die Firmen wendeten sich von der weit verbreiteten Konzentration auf einige wenige oder nur einen einzigen Lieferanten ab, auch wenn dies zusätzliche Kosten mit sich bringe. Konkret empfiehlt AGCS den Unternehmen, ausfallkritische Lieferanten zu identifizieren und Notfallpläne zu entwerfen, damit der gefürchtete "Bandabriss" mit empfindlichen Produktionsausfällen erst gar nicht eintritt.

Versicherer bieten Policen gegen die Folgen von Betriebsunterbrechungen an, auch ohne dass ein konkreter Sachschaden vorliegt. Die Offerten scheinen aber nur bedingt die Kundenbedürfnisse zu treffen. Die Versicherungssummen seien für Großkonzerne viel zu gering und die Bedingungen nicht akzeptabel, kritisierte Hans Martin Schindewolf vom Autobauer Daimler unlängst noch in der "FTD". Das Problem: Die Versicherer verlangten detaillierte Informationen über jeden Schritt in der Liefer- und Produktionskette. Das sei unpraktikabel. Sobald sich in diesem Ablauf etwas ändere, verlöre das Unternehmen die Deckung. Für kleinere Unternehmen wiederum seien die Policen oft zu teuer.

Spezialpolicen treffen nicht immer den Geschmack der Industrie

Überrascht zeigt sich die Allianz in ihrem "Risk Barometer 2013", dass Feuer und Explosionen weltweit wieder als größere Bedrohung wahrgenommen werden. 2012 identifizierten die Experten dieses Risiko noch als zehntgrößtes für Unternehmen, nun liegt es an dritter Stelle. Mittelgroße Firmen scheinen dabei Brandrisiken noch mehr Bedeutung zuzumessen als Großkonzerne, die zumeist über bessere Brandschutzvorrichtungen verfügten.

Brände seien zwar eher selten, könnten aber vor allem im produzierenden Gewerbe erhebliche Schäden anrichten. So wurden von sieben industriellen Großschäden über zehn Millionen Euro, für die AGCS 2012 geradestehen musste, sechs von Feuer verursacht, heißt es.

Betriebsunterbrechungen, Naturkatastrophen und Feuer gelten weltweit als die größten Risiken für Unternehmen. Dahinter differenzieren sich die Gefahren in den einzelnen Regionen und Industrien auf dem Erdball unterschiedlich. So werden im asiatisch-pazifischen Raum Marktschwankungen und Rohstoffpreise direkt nach den drei Top-Risiken genannt. Das ist wohl der Befürchtung geschuldet, dass höhere Rohstoffpreise die starke Konjunktur in China und Indien abwürgen könnten.

Made in Germany: Deutsche Firmen fürchten vor allem Qualitätsmängel

In Amerika wiederum nähmen die Unternehmen den verschärften Wettbewerb insbesondere mit den Schwellenländern als viertgrößtes Geschäftsrisiko wahr, berichtet die Allianz.

Bemerkenswert: Konkret für Deutschland benennt die Allianz Qualitätsmängel und Serienfehler als drittgrößtes Risiko für ihre Unternehmenskunden. "Made in Germany" gilt nach wie vor als ein wichtiges Qualitätssiegel in Branchen wie dem Auto-, Maschinen- oder Anlagenbau. "Daher stellen Qualitätsprobleme und Baufehler, die große Produktionsserien betreffen, für viele deutsche Unternehmen ein gravierendes Risiko dar", sagt AGCS-Manager Thomas Meschede.

Eng verknüpft ist damit die Angst vor Reputationsschäden. Sie rangiert ebenfalls unter den zehn wichtigsten Geschäftsrisiken für deutsche Großunternehmen.

Überblick: Die größten Risiken für Unternehmen

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