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Deutschland vor Spanien und Italien: Die spannendsten Fußball-Ligen

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Fußball-Bundesliga "Die erfolgreichste Liga in Europa"

Die Bundesliga könnte zur erfolgreichsten Liga in Europa werden, sagt Björn Bloching. Der Fußball- und Marketingexperte erklärt, warum umkämpfte Spiele der Schlüssel zum Erfolg sind, warum der FC Bayern auch mit Pep Guardiola nicht zu überlegen werden darf - und warum ein Ausschluss von Chelsea oder Real Madrid von der Champions League wünschenswert wäre.

mm: Herr Bloching, für die Fußball-Bundesliga brechen goldene Zeiten an.

Bloching: Da schießen sie übers Ziel hinaus. So weit ist es noch nicht,...

mm: ...hört man zum Beispiel Uli Hoeneß zu, dem Präsidenten des FC Bayern München, bekommt man schon bisweilen den Eindruck. Und auch die Studie, die Sie gemeinsam mit Tim Pawlowski von der Universität Tübingen erarbeitet haben, lässt eine positive Entwicklung erwarten.

Bloching: Richtig, tendenziell wird die Bundesliga stärker werden. Dieser Aufstieg, der ja laut Uefa-Ranking auch schon begonnen hat, wird sich allerdings über viele Jahre hinziehen. Langfristig könnte die Bundesliga dann wirklich die größte und erfolgreichste Liga in Europa werden.

mm: Was stimmt Sie so positiv?

Bloching: Wir haben analysiert, wie spannend die fünf europäischen Top-Ligen sind. Wie ausgeglichen sind die Spiele, wie umkämpft und wie lange offen sind Meisterschaft und Plätze für europäische Wettbewerbe. Da schneidet die Bundesliga im Vergleich etwa zu Spanien, England und Italien sehr gut ab.

mm: Obwohl Bayern München die Liga seit Jahrzehnten dominiert?

Bloching: Spannend war es trotzdem fast immer. Denken Sie an die Meisterschaften für den VfB Stuttgart, den VfL Wolfsburg und zuletzt Borussia Dortmund ...

mm: ... kurzfristige Episoden. Wolfsburg spielt schon drei Jahre später gegen den Abstieg.

Bloching: Die Bayern-Rivalen werden aufholen. Aber eins stimmt in der Tat nachdenklich: Die höchste Spielklasse ist zwar nur in Frankreich spannender als in Deutschland. Die Wettbewerbsintensität hat in der Bundesliga trotzdem abgenommen; allerdings nicht so stark wie zum Beispiel in Spanien oder England.

mm: Man könnte Ihre Ergebnisse auch so deuten, dass die Ausgeglichenheit der Bundesliga einen gar nicht so angenehmen Grund hat: dass die große Masse der Clubs international nicht über Mittelmaß hinaus kommt.

Bloching: Für die breite Masse gilt das auch noch. Aber langfristig dürfte sich das ändern. Die hohe Spannung erhält das Interesse der Fans, die Stadien sind voll, das Fernsehen berichtet ausführlich, und zwar die öffentlich-rechtlichen Sender ARD und ZDF, und nicht wie in Spanien und England Pay-TV-Sender. Das Fernsehen zieht Sponsoren an, die Clubs können starke Mannschaften finanzieren, ohne sich gleich wirtschaftlich zu übernehmen. In anderen europäischen Ligen sind die Voraussetzungen längst nicht so gut.

mm: Aber die europäischen Clubwettbewerbe gewinnen regelmäßig die anderen.

Bloching: Noch. Spätestens wenn die Uefa ihr Financial Fair Play umsetzt, wenn die Europäische Fußball-Union also ähnlich wie die Bundesliga wirtschaftliche Solidität einfordert, werden sich die Kräfteverhältnisse auch an der absoluten Spitze ändern. Und vergessen Sie nicht: Bayern München hat in den vergangenen drei Jahren zweimal das Endspiel der Champions League erreicht, und Borussia Dortmund ist gerade erst Gruppensieger geworden - vor Real Madrid.

"ManU, Real und Bayern werden profitieren"

mm: Trotzdem: Die Multimillionen-Gehälter, die Clubs wie Paris Saint-Germain, Manchester City oder Chelsea dank ihrer milliardenschweren Gönner noch immer bezahlen, lassen schwarze Zahlen eher unrealistisch erscheinen. Das Financial Fair Play scheint nicht zu wirken.

Bloching: Und wo unterschreibt Barcelonas langjähriger Star-Trainer Pep Guardiola jetzt, und das trotz weit höherer Angebote? Bei Bayern München. Aber Ihr Einwand ist berechtigt. Die Uefa muss die neuen Regeln konsequent durchsetzen. Am besten, indem sie frühzeitig einen der renommierten Clubs von der Champions League ausschließt, falls er gegen die Auflagen verstößt. Keine Angst vor großen Namen!

mm: Ein Veto für Chelsea oder Real Madrid? Halten Sie das wirklich für durchsetzbar?

Bloching: Ich weiß es nicht. Es wäre zumindest wünschenswert. Wenn die Uefa in Zukunft auch nur eine halbwegs gesunde Finanzstruktur der europäischen Spitzenclubs möchte, dann muss sie auch dementsprechend handeln. Und immerhin muss bereits der erste Club zuschauen: der FC Malaga. Das lässt hoffen, vor allem für die Bundesliga.

mm: Welche Folgen erwarten Sie, mal abgesehen von besseren Aussichten für Bayern, Dortmund und Co?

Bloching: Die Teilnahme an europäischen Club-Wettbewerben - vor allem an der Champions League - wird natürlich finanziell extrem wichtig bleiben. Das wird weiterhin manche Clubs zu finanziellen Drahtseilakten verleiten. Aber generell gilt: Wenn sich etwa Chelsea oder Paris nicht mehr auf die Sponsoren ihrer russischen beziehungsweise arabischen Finanziers verlassen können, werden sie abfallen. Profitieren werden dagegen Clubs wie Manchester United, Real Madrid und Bayern München, also diejenigen mit starken Marken und hohen Erlösen aus dem Fußballgeschäft.

mm: Die Traditionsclubs bleiben also an der Spitze?

Bloching: Tendenziell ja. Aber die Liga-Chefs müssen dafür sorgen, dass diese Fußball-Unternehmen nicht allzu überlegen werden. Die Studie zeigt doch eins klar: Der langfristige Erfolg einer Liga profitiert nicht gerade von zwei alles dominierenden Clubs wie Barcelona oder Real. Ganz im Gegenteil: Solche Mannschaften, für sich betrachtet jeder höchst attraktiv, können den sportlichen Erfolg einer Liga sogar verringern. Wie aber sorge ich für mehr Ausgeglichenheit? Zum Beispiel durch die Zentralvermarktung der Fernsehrechte.

mm: Uli Hoeneß und Karl-Heinz Rummenigge haben lange dagegen gekämpft.

Bloching: Ich denke, sie haben inzwischen eingesehen, dass sie von der solidarischen Verteilung profitieren. Selbst die Chefs der italienischen Serie A haben das ja begriffen. Und vor kurzem die Zentralvermarktung eingeführt.

Fußball: Die spannendsten Ligen in Europa

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