Dienstag, 26. Mai 2020

Pannenbau Air Berlin verklagt Berliner Flughafen

Flugzeuge von Air Berlin: Die Fluggesellschaft will den neuen Berliner Airport als Heimatflughafen nutzen

Weil die Eröffnung des neuen Berliner Flughafens verschoben wurde, sind Air Berlin eigenen Angaben zufolge schon Kosten in zweistelliger Millionenhöhe entstanden. Um das Geld zurückzubekommen, verklagt die Airline jetzt die Flughafengesellschaft.

Berlin - Air Berlin klagt wegen der verschobenen Eröffnung des Großflughafens Berlin Brandenburg (BER) auf Schadenersatz. Die Fluggesellschaft habe beim Landgericht Potsdam eine Feststellungsklage gegen die Flughafen Berlin Brandenburg GmbH eingereicht, teilte Deutschlands zweitgrößte Fluggesellschaft am Dienstag mit.

Versuche einer außergerichtlichen Einigung seien in den vergangenen Monaten gescheitert, sagte Air-Berlin-Chef Hartmut Mehdorn. "Wir haben entschieden, unseren Anspruch auf Schadensersatz auf dem Rechtsweg geltend zu machen."

Durch die wiederholte Verschiebung des Eröffnungstermins seien bereits geschätzte Mehrkosten und sonstige Schäden in zweistelliger Millionenhöhe entstanden, weitere Lasten könnten hinzukommen. Im Einzelnen könnten die Schäden noch nicht vollständig beziffert werden, erklärte der Lufthansa-Konkurrent. Der Gesamtschaden hänge unter anderem vom Winterbetrieb auf dem alten Flughafen Tegel ab.

Der zugesicherte Eröffnungstermin am 3. Juni war nicht eingehalten und inzwischen mehrfach verschoben worden. Jetzt ist der 27. Oktober 2013 geplant.

Flughafengesellschaft weist Ansprüche zurück

Hintergrund: Für Air Berlin soll der neue Flughafen in Berlin-Schönefeld von besonderer Bedeutung sein. Airline-Chef Mehdorn hatte schon vor längerem festgestellt, Schönefeld solle Heimatflughafen seiner Gesellschaft werden. Allerdings hänge der wirtschaftliche Erfolg von Air Berlin auch eng mit dem neuen Flughafen zusammen, so Mehdorn im Frühjahr 2012 auf einer Veranstaltung. "Die Frage ist, ob es uns gelingt, aus dem neuen Flughafen einen Hub zu machen", sagte Mehdorn. Ein Drehkreuz also.

Die Betreibergesellschaft der Berliner Flughäfen hat indes einen Schadenersatzanspruch von Air Berlin wegen der verschobenen Flughafeneröffnung bestritten. Mit der Airline sei "vertraglich kein fixer Eröffnungstermin für den Flughafen Berlin Brandenburg vereinbart" worden, sagte der Sprecher der Geschäftsführung der Flughafen Berlin Brandenburg GmbH (FBB), Rainer Schwarz, zur Begründung.

Man habe mit der Klage gerechnet, erklärte Schwarz. Die Gespräche mit der Fluggesellschaft hätten gezeigt, dass "wir in der Schadenersatzfrage weit auseinanderliegen". Man könne nur zahlen, "wenn dies rechtlich zwingend geboten ist", sagte Schwarz. Andererseits setze die FBB alles daran, den derzeitigen Flugbetrieb in Tegel so reibungslos wie möglich zu gestalten. Zur Verbesserung der dortigen Betriebsabläufe "nehmen wir jetzt noch einmal knapp zwei Millionen Euro in die Hand".

cr/rtr/dpa/dapd

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