Montag, 19. August 2019

Erstmals seit 15 Jahren Post darf Briefporto erhöhen

Standardbrief: 58 Cent kostet der Versand ab 2013. Die Preise für Maxibriefe und Express-Sendungen steigen ebenfalls

Die Deutsche Post darf für Inlands- und Auslandsbriefe künftig mehr Porto verlangen. Auch für Express-Sendungen müssen die Kunden mehr bezahlen. Die Regulierungsbehörde segnete die Preiserhöhung jetzt ab.

Düsseldorf - Die Deutsche Post darf die Verbraucher erstmals seit 15 Jahren beim klassischen Briefporto stärker zur Kasse bitten. Die Bundesnetzagentur gab dem Bonner Konzern grünes Licht, den Preis für den Standardbrief bis 20 Gramm von derzeit 55 Cent auf dann 58 Cent zu erhöhen.

Für den Maxibrief mit einem Gewicht bis 1000 Gramm müssen die Post-Kunden vom 1. Januar an 2,40 Euro statt wie bislang 2,20 Euro zahlen. Auch für Sendungen ins Ausland steigen die Preise.

Aber nicht nur für die Verbraucher wird es teurer - auch bei den hauptsächlich von Firmenkunden genutzten Express-Sendungen dreht die Post 2013 ebenso wie internationale Wettbewerber an der Preisschraube.

Die zuletzt immer auf ein Jahr befristete Briefpreiserhöhung treffe den privaten Briefschreiber mit durchschnittlich unter zehn Cent im Monat, teilte die Regulierungsbehörde mit. "Wir halten diese moderate Preiserhöhung gegenüber dem Endkunden für vertretbar", betonte der Chef der Bundesnetzagentur, Jochen Homann. Er muss die Briefpreise des ehemaligen Staatsmonopolisten überprüfen - soll seine Behörde doch für Wettbewerb im Briefmarkt sorgen.

Die Deutsche Post Börsen-Chart zeigen ist in Deutschland das einzige Unternehmen, das die flächendeckende Versorgung der Verbraucher mit Briefen sicherstellt. Wettbewerber wie TNT Post konzentrieren sich dagegen auf die Verteilung von margenstärkeren Massensendungen in Ballungsräumen.

Die Drei-Cent-Marke kommt - auch Express-Sendungen teurer

Schicken die Verbraucher im kommenden Jahr Briefe ins Ausland, werden diese im Fall eines Kompaktbriefs bis 50 Gramm teurer - sie kosten dann 1,50 statt 1,45 Euro. Die Preise für Briefe bis 20 Gramm bleiben indes stabil, ebenso werden Postkarten nicht teurer. Briefmarken mit den neuen Werten - also etwa eine 58-Cent-Marke - liegen ab Dezember bereit. Die Kunden werden auch Ergänzungsmarken kaufen können - etwa Drei-Cent-Marken, damit bereits erstandene Marken nicht verfallen.

Die Post hatte mehrfach auch von der Politik mehr Spielraum für Preiserhöhungen im klassischen Briefgeschäft verlangt. Der Konzern kämpft seit Jahren in seiner Briefsparte mit der wachsenden Konkurrenz durch die E-Mail. Immer mehr Bundesbürger erledigen ihre Korrespondenz im Internet, immer weniger greifen zum klassischen Brief.

Spürbare Preiserhöhungen konnte Post-Chef Frank Appel indes über Jahre nicht durchdrücken. Dabei kämpft Appel auch mit steigenden Kosten - die 130.000 Tarifbeschäftigten der Post erhalten seit April 4 Prozent mehr Lohn. Insgesamt soll die Briefsparte 2012 einen operativen Gewinn von einer bis 1,1 Milliarde Euro einfahren. Auch mittelfristig soll sie nach Appels Plänen trotz der Konkurrenz durch die E-Mail operativ im Jahr mindestens eine Milliarde Euro verdienen. Helfen soll dabei auch das Internet: Durch den boomenden Online-Handel wächst auch das Paket-Geschäft des Konzerns, das in Deutschland Teil der Briefsparte ist.

Die Post will im kommenden Jahr indes nicht nur die Briefpreise erhöhen. Auch im Wachstumsfeld der Express-Sendungen dreht der Konzern an der Preisschraube, hatte er Ende September angekündigt. In Deutschland will der Konzern dabei für das Verschicken von eiligen Dokumenten oder eiligen Paket-Sendungen im Schnitt 4,9 Prozent mehr Geld verlangen. Weltweit würden die Preise im Schnitt um 5 Prozent angehoben. Auch der US-Konzern FedEx hatte angekündigt, von den Kunden weltweit ebenfalls mehr Geld zu verlangen - hier sollen die Preise im Mittel um 5,9 Prozent zulegen.

rei/rtr

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