Sonntag, 31. Mai 2020

Giftige Kabinenluft Lufthansa ließ A380-Triebwerke auswechseln

Ein Airbus A380 der Lufthansa in Frankfurt am Main: "Wir befassen uns seit mehr als einem Jahr mit dem Problem"

Nach dem Beinah-Absturz eines Germanwings-Airbus hat der Mutterkonzern Lufthansa Probleme mit kontaminierter Kabinenluft in seinem Riesenflieger A380 eingeräumt. Mit einem eigens entwickelten Analysegerät will der Konzern künftig auf Nummer sicher gehen.

Frankfurt am Main - Mehrmals musste die Fluggesellschaft Triebwerke wechseln, weil es zu Geruchs-Vorfällen in Cockpit oder Kabine gekommen war, wie Lufthansa-Sprecher Michael Lamberty der "Welt am Sonntag" sagte. Gleichzeitig wies er darauf hin, dass dies "in der überwiegenden Mehrzahl" aufgrund der routinemäßigen Wartung geschehen sei.

"Speziell auf den Airbus A380 bezogen befassen wir uns seit mehr als einem Jahr damit", erklärte Lamberty. So habe beispielsweise der Motorenhersteller Rolls-Royce auf Lufthansa-Initiative für das Triebwerk eine Modifikation entwickelt, die bereits bei einer ganzen Reihe von Triebwerken eingebaut worden sei. Lufthansa Börsen-Chart zeigen nehme das Problem "sehr ernst".

Lamberty sagte dem SPIEGEL, Techniker prüften in kurzem Abstand, ob etwa Öl zu finden sei und entfernten geringste Mengen. Lufthansa beauftragte dem Magazin zufolge ein Fraunhofer-Institut, ein Analysegerät zu entwickeln, um genauere Messwerte über mögliche Schadstoffe in der Kabine zu erhalten.

Zudem wurden in Antriebsaggregaten von Triebwerken gemeinsam mit dem Hersteller Rolls-Royce bereits spezielle Bleche eingezogen. Sie sollen verhindern, dass austretendes Öl über Ansaugstutzen in die Kabinenluft gelangt. Bis alle Maschinen damit ausgestattet sind, kontrollieren den Angaben zufolge Techniker, ob Öl ausgetreten ist und reinigen das Ganze gegebenenfalls manuell.

Nach Angaben des Sprechers soll nach dem Willen der Lufthansa künftig zudem sicherheitshalber beim Anlassen der Triebwerke vorübergehend keine sogenannte Zapfluft aus dem Triebwerk entnommen werden. Auch dies solle dazu beitragen, dass möglicherweise auftretende Ölreste nicht in die Kabine gelangten. Hier warte das Unternehmen noch auf grünes Licht vom Luftfahrt-Bundesamt und dem Hersteller.

Germanwings weist Vorwürfe zurück

Germanwings wies erneut Vorwürfe zurück, sie habe den Zwischenfall verharmlost. "Das stimmt definitiv nicht", sagte der Sprecher der Fluggesellschaft, Heinz Joachim Schöttes, dem Nachrichtenmagazin "Focus". Noch am Abend des Vorfalls im Jahr 2010 seien die Bundesstelle für Flugunfalluntersuchungen (BFU) und das Luftfahrtbundesamt umfassend informiert worden. Weshalb die BFU damals weder Voice-Rekorder noch Datenschreiber sicherstellte und erst sehr viel später eine genaue Untersuchung veranlasste, entziehe sich seiner Kenntnis, sagte Schöttes.

Die Pilotenvereinigung Cockpit hatte Germanwings Verharmlosung vorgeworfen. Abgesehen von den Piloten, die vorübergehend ins Krankenhaus mussten, kam im Dezember 2010 niemand zu Schaden. 2008 musste eine Maschine kurz nach dem Start in Dublin umkehren, weil der Crew übel geworden war.

mahi/dpa/dapd

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