Klinikkonzern Rhön-Vorstände werfen das Handtuch

Nach der gescheiterten Fusion mit Helios verlassen Vorstandschef Wolfgang Pföhler und Finanzvorstand Erik Hamann Rhön-Klinikum. Gründer Eugen Münch zieht die Zügel an und setzt auf eigene Zukäufe. Neuer Vorstand wird der als Boni-Kläger bekannte Ex-Dresdner-Banker Jens-Peter Neumann.
Eigene Zukäufe statt Fusion: Rhön-Klinikum in Bad Neustadt an der Saale

Eigene Zukäufe statt Fusion: Rhön-Klinikum in Bad Neustadt an der Saale

Foto: DPA

Bad Neustadt an der Saale - Der Krankenhauskonzern Rhön-Klinikum kommt nach der gescheiterten Übernahme durch den Medizinkonzern Fresenius nicht zur Ruhe. Vorstandschef Wolfgang Pföhler und Finanzvorstand Erik Hamann werden den MDax-Konzern verlassen, teilte die Rhön-Klinikum AG am Donnerstag mit. Der Aufsichtsrat habe damit vor dem Hintergrund der künftigen strategischen Neuausrichtung wichtige personelle Entscheidungen getroffen.

Rhön-Gründer und Aufsichtsratschef Eugen Münch - der mit 12,5 Prozent auch größter Einzelaktionär ist - habe den Vorstand wieder etwas enger an sich binden und Handlungsfähigkeit demonstrieren wollen, verlautete am Freitag aus mit den Vorgängen vertrauten Kreisen. Die gescheiterte Übernahme und die darauf folgenden Veränderungen im Aktionärskreis haben nach Aussagen von Insidern in den vergangenen Wochen und Monaten zu erheblichen Verstimmungen zwischen Mitgliedern des Vorstandes und des Aufsichtsrates geführt.

Rhön-Klinikum  will nun wieder selbst zukaufen. Dabei nimmt Deutschlands zweitgrößter Krankenhausbetreiber bei der Konsolidierung des milliardenschweren Klinikmarktes Übernahmeziele ins Visier. "Wir befinden uns derzeit mit einer guten Handvoll Krankenhausträgern in Gesprächen", sagte Vorstandsmitglied Volker Feldkamp am Freitag.

Es liefen in verschiedenen Bundesländern Gespräche über Verkäufe von Krankenhäusern, die unterschiedlich weit gediehen seien. Die Mittel für Zukäufe seien vorhanden. Die Integration der im Frühjahr für 300 Millionen Euro zu 49 Prozent gekauften Wiesbadener Horst Schmidt Kliniken mache Fortschritte, berichteten die Geschäftsführer André Eydt und Parwis Fotuhi. Im Sommer 2013 solle die Gewinnschwelle erreicht werden, fünf bis sechs Jahre später eine zweistellige operative Marge (vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen).

Bonus-Kläger Jens-Peter Neumann wird Finanzvorstand

Pföhler geht laut der Mitteilung auf eigenen Wunsch zum Jahreswechsel. Sein Vertrag wäre im April 2014 ohnehin ausgelaufen. Aus Kreisen hieß es, er habe signalisiert, nicht verlängern zu wollen. Zwischen Pföhler und Hamann auf der einen und dem Aufsichtsratschef Eugen Münch auf der anderen Seite hätten die Spannungen seit Anfang September zugenommen, berichteten langjährige Kenner des Unternehmens.

Pföhler und vor allem Hamann hätten nach dem Scheitern der Offerte von Fresenius  Anfang September ein Zusammengehen mit dem Münchener Wettbewerber Sana Kliniken favorisiert, verlautete aus Kreisen. Dies wollte Münch zum jetzigen Zeitpunkt offenbar nicht, obwohl er noch vor den Gesprächen mit Fresenius-Chef Ulf Schneider im vergangenen Jahr mit Sana-Chef Michael Philippi über einen Zusammenschluss gesprochen hat.

Finanzvorstand Hamann verlässt den Vorstand zum 30. September. Der Aufsichtsrat schickt aus den eigenen Reihen Jens-Peter Neumann, um Hamann zu ersetzen. Wie es in einer Pressemitteilung weiter heißt, wird das Aufsichtsratsmitglied Neumann zum 1. November in den Vorstand wechseln und sein Aufsichtsratsmandat ruhen lassen.

Im Vorstand soll Neumann künftig für Finanzen, Rechnungswesen, Investor Relations und Controlling verantwortlich sein. Neumann hatte vor einigen Jahren als "Global Head of Capital Markets" bei der damaligen Investmentbank Dresdner Kleinwort für Schlagzeilen gesorgt. Vor Gericht hatte er sich 4,5 Millionen Euro Bonus und Abfindung erstritten, nachdem seine Abteilung zuvor einen Jahresverlust durch riskante Geschäfte in Höhe von 5,7 Milliarden Euro auswies.

Im Sommer war Fresenius mit einer Übernahme von Rhön gescheitert. Der Eigentümer des konkurrierenden Krankenhauskonzerns Asklepios, Bernard Broermann, hatte sich einen Rhön-Anteil von mehr als 5 Prozent gesichert und damit die Komplettübernahme torpediert. Nach monatelangem Pokern strich Fresenius Anfang September schließlich die Segel.

"Die Rücktritte sind nicht wirklich überraschend", erklärte Commerzbank-Analyst Volker Braun. Es sei offensichtlich, dass das Management Autorität eingebüßt habe. Möglicherweise werde Münch für eine Weile selbst Verantwortung übernehmen. Weil die "Führungskrise gelöst" sei, empfahl Braun den Kauf von Rhön-Aktien mit Kursziel 18 Euro.

ak/dpa-afx
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