Sonntag, 21. April 2019

Börse IT-Neustart nach dem Fusionsdebakel

Deutsche Börse: Am ersten Arbeitstag der neuen IT-Chefin Hauke Stars wird die Terminbörse Eurex ein neues Handelssystem einführen

2. Teil: Anforderungen für den CIO-Posten sehr hoch - nicht nur fachlich

"Mit Frau Stars könnte die Börse einen guten Fang gemacht haben", sagt Analyst Becker. "Eine mit Mitte Vierzig vergleichsweise junge Kandidatin, die als HP-Managerin sehr nah dran ist an den aktuellen technologischen Entwicklungen und die nötige Führungserfahrung mitbringt", lobt auch Sörge Drosten von der Personalberatung Kienbaum. Dass der Posten mit einer weiblichen Kandidatin besetzt werde, sei angesichts der aktuellen Debatte um die Frauenquote ein weiterer Vorteil.

Doch es war wohl nicht die Suche nach der passenden Quoten-Frau, die die Neuaufstellung des Vorstands in die Länge gezogen hat. Nach dem monatelangen Posten-Geschacher im Zuge der Fusion seien interne Nachfolge-Kandidaten verschlissen gewesen, vermutet ein Branchenkenner. Bevor die EU-Kommission das Projekt Fusion stoppte, war bereits durchgesickert: Wesentliche Posten der geplanten Mega-Börse wären mit Amerikanern besetzt worden. Sparpakete und Umstrukturierungen hätten angestanden, der Betriebsrat warnte immer wieder, dass ein Stellenabbau in Frankfurt drohe.

Das habe mancher Francioni nicht verziehen; viele Mitarbeiter wollten, dass er geht, hieß es nach der Absage der Fusion aus dem Betriebsrat. Das galt wohl auch für das strategisch so wichtige IT-Ressort. Ein schwieriger Posten also, der da neu zu besetzen war. "Nicht nur die fachlichen Anforderungen für den CIO-Posten sind sehr hoch. Sich in den bestehenden Machtstrukturen in der Führung mit einem Francioni und einem Preuss durchzusetzen ist sicherlich kein leichtes Unterfangen", sagt Christian Muschick, Analyst bei Silvia Quandt Research.

Eurex beginnt mit neuem Handelssystem

Zwei sehr unterschiedliche Führungspersönlichkeiten, die da die Geschicke der Frankfurter Börse leiten, sagt auch ein anderer Branchenkenner: Der Schweizer Francioni gelte als gemütlich und gut vernetzt, der zackige Preuß als harter Hund. Wer den beiden nicht passt, ist schnell wieder weg vom Fenster - das musste zumindest Ex-Finanzvorstand Thomas Eichelmann erfahren, der nach nicht einmal zwei Jahren den Vorstandsposten wieder räumen musste.

Die neue IT-Chefin bekommt in diesem Führungsgefüge allerdings etwas mehr Macht als ihr Vorgänger: Ihr Vorstandsressort wird neu strukturiert, die Bereiche Informationstechnologie, Market Data & Analytics sowie ausgewählte externe IT-Dienstleistungen werden unter ihrer Führung zusammengelegt.

Ein wichtiges IT-Projekt wird allerdings noch ohne die neue Chefin starten: Die Terminbörse Eurex führt ein komplett neues Handelssystem ein, und zwar just am ersten offiziellen Arbeitstag der neuen IT-Chefin, dem dritten Dezember. Die ersten Simulationen und Tests des neuen Systems laufen bereits, viel Einfluss kann Stars nicht mehr nehmen. Sie wird sich also bis auf weiteres erst einmal mit der Umsetzung der Projekte befassen müssen, die noch ohne ihre Mitwirkung beschlossen wurden.

Und sie muss für bessere Stimmung bei den IT-Teams der Börse sorgen: "Stars wird für den Job nicht nur technisches Know-How brauchen, sondern auch eine gute Portion Feingefühl für die Situation, in der sich das Unternehmen gerade befindet", sagt ein Branchenkenner. Der gescheiterte Fusionsprozess sei bei vielen Mitarbeitern mit Frustrationen verbunden gewesen. "Viele Mitarbeiter müssen sich damit abfinden, dass aus den Plänen nichts geworden ist. Sie warten auf einen Neuanfang, sind aber auch skeptisch."

Stars, die neu ist im Börsen-Geschäft, werde ein Gespür dafür entwickeln müssen, wie sie die Mitarbeiter für eine Neuausrichtung gewinnen könne - ohne dabei ihren mächtigen Vorstandskollegen in die Quere zu kommen.

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