US-Tochter Adidas kappt Umsatzprognose für Reebok

Bei Adidas läuft eigentlich alles rund - bis auf die Tochter Reebok. Von Beginn her bereitete das US-Unternehmen Probleme, heute stutzte Adidas-Chef Hainer die Umsatzprognose massiv zusammen. Ein Verkauf kommt jedoch offenbar nicht in Frage.
Hollywood-Star und Werbepartnerin Eva Mendes: Auch prominente Hilfe hat Reebok bislang nicht geholfen

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Foto: Getty Images for Reebok

München - Adidas bekommt die Probleme bei der Tochter Reebok nicht in den Griff. Vorstandschef Herbert Hainer dampfte die Umsatzprognose für die US-Marke am Freitag um ein Drittel ein. Damit dürfte Reebok in den nächsten Jahren nicht vom Fleck kommen, während Adidas sonst in vielen anderen Bereichen wie Fußball und Golf von Rekord zu Rekord eilt.

Hainer will die Tochter als Fitness-Spezialisten positionieren und zumindest profitabler machen. Einen Verkauf halten selbst Analysten momentan nicht für den richtigen Weg.

Die Reebok-Probleme verderben Anlegern an der Börse aber die Stimmung: Adidas-Aktien  fielen zum Wochenschluss um 1,5 Prozent auf 64,61 Euro und waren damit größter Verlierer im Leitindex Dax . Hainer sagte bei einem Investorentag in Kalifornien, das ursprüngliche Umsatzziel von Reebok von drei Milliarden Euro bis 2015 sei nicht mehr zu schaffen. Er peilt jetzt nur noch zwei Milliarden Euro an - soviel, wie bereits 2011 fast erreicht.

Als Grund nannte Adidas vor allem den Wegfall von Erlösen aus dem American-Football-Geschäft. Hier hat sich Branchenprimus Nike den Ausrüstervertrag für die Profi-Liga NFL gesichert. Außerdem muss Adidas in Reebok investieren, um die verstaubte Marke neu aufzustellen. Fitness- und Retro-Produkte sollen für Schwung sorgen.

"Wir können nicht für uns in Anspruch nehmen, schon auf dem Weg zu nachhaltigem globalen Erfolg zu sein", kommentierte Hainer die Reebok-Leistung. Der Fokus werde künftig auf Märkten mit höheren Margen liegen, nicht auf Größe in Indien oder Lateinamerika, wo es weniger Geld pro Schuh oder Shirt gebe. Bis 2015 soll die Rohertragsmarge über 40 Prozent liegen. Das wäre eine Verbesserung von mindestens fünf Punkten.

Analysten raten von Notverkauf ab

Adidas hat Reebok 2006 für gut drei Milliarden Euro übernommen, um den Abstand zum Erzrivalen Nike  zu verringern, der vor allem in den USA dominiert. Doch wirklich aufgegangen ist der Plan nicht. Umsatzrückgänge der Tochter waren zuletzt an der Tagesordnung, auch rote Zahlen sind in der Vergangenheit keine Seltenheit gewesen.

In Indien, wo Reebok Marktführer ist, musste nach einem Betrugsfall das Management gehen. In den USA musste das Unternehmen wegen irreführender Werbeversprechen eine Strafe zahlen. Analysten lobten Adidas für die jüngsten Umsatz- und Gewinnzuwächse. Nur Reebok wurde zum Beispiel von Equinet-Experte Ingbert Faust als enttäuschend bezeichnet.

"Reebok ist dieses Jahr sicherlich nicht im Rahmen der Erwartungen", sagte auch Volker Bosse von der Baader Bank. Ein Verkauf sei zwar grundsätzlich eine Option, aber momentan nicht anzustreben. "Es jetzt loszuwerden, wäre ein Notverkauf", sagt Bosse. "Es gibt schon die Möglichkeit, die Marken komplementär aufzustellen: Adidas eher maskulin geprägt und mit einem Fokus auf Leistungssport, Reebok eher feminin und mit einem Fitness-Schwerpunkt."

Auch der langjährige und erfolgsverwöhnte Adidas-Chef Hainer will die Ehe nicht aufkündigen, wie er immer wieder beteuert hat. Allerdings ist die Bilanz größerer Übernahmen nicht gut. Schon der Kauf der französischen Outdoor-Marke Salomon wurde kein Erfolg und letztlich wieder abgetrennt.

Abgesehen von Reebok läuft es gut für den Dax-Konzern aus Herzogenaurach. Der Umsatz soll bis 2015 auf 17 Milliarden Euro gehievt werden, wie Hainer bekräftigte. Analysten zufolge hätte der Zielwert ohne die Reebok-Probleme schon jetzt angehoben werden können. 2012 dürften es - auf Basis der aktuellen Prognose - rund 14,5 Milliarden Euro werden. Zuletzt sei es rund um die Fußball-Europameisterschaft und die Olympischen Spiele stark um Umsatzwachstum gegangen.

Neben Fußball und Golf gibt es hohe Zuwächse in den Sparten Basketball und Running sowie mit der neuen Mode-Marke Neo. Geografisch wird künftig vor allem in Russland, China und den USA mit der größten Dynamik gerechnet. "Wir wollen uns nun verstärkt auf die Verbesserung der Profitabilität des Konzerns konzentrieren", kündigte Hainer an. Die operative Marge solle ab 2013 jährlich um etwa einen Prozentpunkt steigen. Als Ziel haben die Franken 11 Prozent bis 2015 ausgegeben.

cr/rtr
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