Multiaufsichtsrat Wenning "Klassischer Fall von Überregulierung"

Werner Wenning spricht Klartext. Im neuen manager magazin kritisiert der Multiaufsichtsrat, der demnächst auch das Kontrollgremium von Bayer leiten wird, die deutsche Corporate Governance. Zudem erteilt er einer gesetzlichen Frauenquote eine Absage.
Werner Wenning: Der künftige Bayer-Aufsichtsrat ist Gegner der gesetzlichen Frauenquote

Werner Wenning: Der künftige Bayer-Aufsichtsrat ist Gegner der gesetzlichen Frauenquote

Foto: Oliver Berg/ picture-alliance/ dpa

Hamburg - Multiaufsichtsrat Werner Wenning hält die deutsche Unternehmenskontrolle für überreglementiert. Er möchte bei seiner Aufsichtsratsarbeit die "größtmögliche Flexibilität", erklärte der 65-Jährige Im Gespräch mit dem manager magazin, dessen neue Ausgabe ab Freitag (21. September) im Handel ist. "Ich laufe nicht mit dem Aktiengesetz oder Corporate-Governance-Kodex unter dem Arm herum", so Wenning.

Der ehemalige Bayer-Chef sitzt ab Oktober an der Aufsichtsratsspitze des Chemie- und Pharmakonzerns. Zudem kontrolliert er die Dax-Unternehmen Eon , Deutsche Bank , Henkel  sowie den Versicherer HDI/Talanx und die Freudenberg-Gruppe.

Massiv kritisiert Wenning die sogenannte Cooling-off-Klausel. Danach müssen Ex-Vorstände zwei Jahre warten, bis sie in den Aufsichtsrat des Unternehmens rücken dürfen. Diese Regelung sei "ein klassischer Fall von Überregulierung", so Wenning gegenüber mm. Man solle "über eine Korrektur nachdenken".

Auf die Frage, ob die deutsche Wirtschaft eine gesetzliche Frauenquote brauche, sagte Wenning: "Klare Antwort: Nein." Aus seiner Sicht liege es schon allein aufgrund der demografischen Entwicklung im Eigeninteresse jedes Unternehmens, mehr Frauen in Führungspositionen zu bringen. "Wir sind ja selbst daran interessiert, den Pool von Frauen weiter zu vergrößern", so Wenning.

Aber diese Breite an Kandidatinnen müsse sich in einem Unternehmen erst entwickeln, und das dauere seine Zeit. Bayer  habe sich verpflichtet, bis 2015 den Frauenanteil in Führungspositionen "in Richtung 30 Prozent" zu steigern: "Mehr", so Wenning, "lässt sich intern gar nicht realisieren."

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