Donnerstag, 14. November 2019

Lufthansa-Pläne Germanwings und die fliegende Currywurst

Alles oder nichts: In einer neuen Billigeinheit der Lufthansa bekommt die Konzerntochter Germanwings eine letzte Chance

2. Teil: Schönefeld-Fiasko belastet Air Berlin stärker als die Lufthansa

Die Zwischenbilanz des Unterfangen fällt positiv aus. "Wir liegen mit unserem neuen Angebot bisher genau im Plan", sagt ein Lufthansa-Sprecher gegenüber manager magazin online. Schwarze Zahlen dürfte das indes noch nicht bedeuten. Die Kranichairline müsse froh sein, wenn sie mit dem Konzept in diesem Segment in einigen Jahren die Gewinnschwelle erreicht, sagt Analyst Sebastian Hein vom Bankhaus Lampe.

"Für die Lufthansa ist das ein Testballon", sagt Hein. "Wenn das Konzept nicht aufgeht, muss man sich fragen, ob weitere Änderungen an der Struktur des Passagiergeschäfts notwendig werden." Das könnte beispielsweise den Abschied von jeglichen Billigambitionen bedeuten.

Einem Ziel kommt die Lufthansa aber schon ein wenig näher: Der ohnehin angeschlagene Hauptkonkurrent Air Berlin Börsen-Chart zeigen spürt den frischen Wind am Heimatairport. Im Juli flogen 5,9 Prozent weniger Passagiere mit der zweitgrößten deutschen Gesellschaft, obwohl das Unternehmen das Sitzplatzangebot nur um 5,1 Prozent senkte.

Als Grund führte die Airline unter anderem die Luftverkehrsabgabe an, doch die gab es schon im vergangenen Jahr. Tatsächlich dürfte neben dem Desaster um den Hauptstadtflughafen der verschärfte Wettbewerb in Berlin eine wichtige Rolle spielen.

Wie die Lufthansa noch einen drauf setzen könnte

"Für Air Berlin sind die Probleme größer", sagt Analyst Hein mit Blick auf das Chaos um den neuen Flughafen. "Die Lufthansa kann die Probleme geduldig abwarten." Bisher reklamiert Air Berlin mit 33 Prozent Marktanteil den Posten des Platzhirschen in Berlin für sich. Die Lufthansa kommt Branchenkreisen zufolge auf 25 Prozent, Easyjet Börsen-Chart zeigen auf 15.

Bei ihrem Aufholversuch in der Hauptstadt könnte die deutsche Nummer Eins noch einen drauf setzen. Berlin ist weiterhin als Hauptsitz der neuen Billigeinheit im Gespräch. Das könnte der Hauptstadt einige Hundert Arbeitsplätze bescheren. Das Nachsehen hätte Köln, wo Germanwings bisher residiert. Platzprobleme hätte die Lufthansa in Berlin jedenfalls nicht - die Airline hat im Umfeld des neuen Flughafens nach Informationen von manager magazin bereits große Flächen für Bürogebäude gesichert.

Bis Ende August, wie in Medien kolportiert, werde es zwar keine Entscheidung zu einem möglichen Umzug geben, sagte der Lufthansa-Sprecher. Dies habe jedoch nichts mit dem BER-Fiasko zu tun. Angebote und mögliche Fördergelder würden noch geprüft.

Zieht die neue Tochter tatsächlich an die Spree, wäre dies wohl so etwas wie die endgültige Versöhnung zwischen Lufthansa und Berlin. Die Rolle der Currywurst in diesem Prozess bleibt indes umstritten. Manche Branchenkenner finden die Catering-Idee nicht besonders originell - zumal Air Berlin die Imbissspezialität über den Wolken schon seit vielen Jahren serviert.

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