Allianz Von Schieflage keine Spur

Die Allianz steuert stabil durch die europäische Krise. Vor allem eine starke Vermögensverwaltung beschert Europas größtem Versicherer ein gutes Quartal. Analysten und Investoren zeigen sich positiv überrascht, sie sehen aber auch Gefahren - und die könnten noch größer werden.
Der Blick täuscht: Die Allianz kann im zweiten Quartal Analysten überzeugen

Der Blick täuscht: Die Allianz kann im zweiten Quartal Analysten überzeugen

Foto: ddp

Hamburg - Trotz Staatsschuldenkrise und eines widrigen Börsenumfeldes ist die Allianz gut durch das zweite Quartal gekommen. Der operative Gewinn kletterte um 2,8 Prozent auf 2,36 Milliarden Euro, unter dem Strich blieben 1,32 (Vorjahr 1,07) Milliarden hängen, wie Europas größter Versicherer mitteilte.

Analysten zeigten sich am Freitag positiv überrascht. Sie hatten im Schnitt nur mit einem Überschuss von 1,19 Milliarden Euro gerechnet. "Die Zahlen haben unsere Erwartungen übertroffen", sagte Analyst Konrad Becker von Merck Finck gegenüber manager magazin online. Die Allianz habe ein "starkes Quartal" abgeliefert, befand auch Thorsten Wenzel von der DZ-Bank, der seine Kaufempfehlung für das Papier erneuerte. Aktien der Allianz  gewannen gegen Mittag rund 4 Prozent hinzu und zählten damit zu den besten Werten im Dax.

Im Vorjahr hatten noch Abschreibungen auf griechische Staatsanleihen die Bilanz der Allianz verhagelt. Unter derlei Belastungen hatte der Versicherer dieses Mal nicht zu leiden. Griechische Staatsbonds finden sich kaum noch im Portfolio, so Becker. Außerdem profitierte der Konzern von höheren Wertpapierverkäufen und geringeren Wertkorrekturen auf Aktien.

"Unser operatives Geschäft ist stabil und bleibt auf Kurs", sagte Konzernchef Michael Diekmann. Die Prognose, im Gesamtjahr 2012 operativ 7,7 bis 8,7 Milliarden Euro verdienen zu wollen, bekräftigte der Manager.

Nach Einschätzung von Analysten dürfte die Allianz dieses Ziel auch erreichen. Der Konzern habe nach sechs Monaten bereits 4,7 Milliarden Euro verdient. "Die Chancen sind gut, dass das Ergebnis am oberen Ende der Prognose liegen oder die Allianz es sogar übertreffen wird", sagte Analyst Becker. Auch Silvia-Quandt-Analyst Christian Muschick erwartet, dass der Versicherer zum Jahresende das obere Ende der Spanne erreichen wird.

Vermögenssparte bleibt eine "echte Erfolgsgeschichte"

Getragen wurde das operative Ergebnis von steigenden Gewinnen in der Lebens- und Krankenversicherung, wo die Ergebnisse jeweils um rund 20 Prozent anzogen. Dazu trugen insbesondere das versicherungstechnische Ergebnis und das Kostenergebnis bei.

Die Vermögensverwaltung der Allianz bleibt für Becker eine "echte Erfolgsgeschichte". Sowohl das Volumen des verwalteten Vermögens als auch das operative Ergebnis legten deutlich zu. Dabei beruht der Erfolg dieser Sparte zum großen Teil auf dem Wachstum der US-Tochter Pimco, wie der Experte bemerkt.

Das operative Ergebnis im Asset-Management zog um mehr als 20 Prozent auf 635 Millionen Euro an. Bereinigt um Wechselkurs- und Konsolidierungseffekte betrug das Wachstum noch mehr als 7 Prozent. Die Vermögenden tragen auch wieder deutlich mehr Geld zur Allianz: Die verwalteten Anlagen erhöhten sich bis Ende Juni um 15,9 Prozent auf 1,7 Billionen Euro. Vorstandsmitglied Oliver Bäte zeigte sich dann auch "mehr als zufrieden" mit dem Asset-Management-Geschäft. Die Ergebnisse seien in den letzten Jahren trotz der Krise "immer hervorragend" gewesen.

Schaden- und Unfallsparte bereitet Sorgen

Das Schaden- und Unfallgeschäft der Allianz schnitt dagegen deutlich schlechter ab. Zwar kletterten die Beitragseinnahmen nach Preiserhöhungen um 5 Prozent, das Ergebnis fiel aber um 16 Prozent gegenüber dem Vorjahresmonat zurück. Hier drückten vor allem hohe Belastungen von 174 Millionen Euro aus Naturkatastrophen das Ergebnis.

Die größten Einzelschäden verursachten das Erdbeben im norditalienischen Emilia-Romagna, Hagel-Unwetter in Deutschland und ein Tornado in den USA. Kostspielig könnten auch die Überschwemmungen in Thailand werden: Dafür hat die Allianz zusätzlich rund 120 Millionen Euro zurückgestellt im zweiten Quartal.

Und die Schäden reißen nicht ab: Jüngste Unwetter in Deutschland, der Schweiz, Russland und China dürften die Allianz im dritten Quartal zusammen mindestens mit 100 Millionen Euro belasten. Nicht zuletzt wird der Versicherer für Ernteausfälle angesichts der anhaltenden Dürre in den USA zumindest teilweise geradestehen müssen. Die Höhe der Schäden sei aber noch nicht zu beziffern, so die Allianz.

"Hohe Schadenaufwendungen sind ein Schwachpunkt"

"Auch wenn die Kostenquote stabil geblieben ist, sind die relativ hohen Schadensaufwendungen ein Schwachpunkt", kommentierte Analyst Becker das Spartenergebnis. Die gute Entwicklung in der Lebens- und Krankenversicherung sowie in der Vermögensverwaltung habe den Ertragsrückgang in der Sachversicherung zwar kompensieren können. Doch sieht Becker auch erste Warnzeichen: "Das leicht rückläufige Neugeschäft in der Lebensversicherung zeigt, dass die Kunden wegen der von der Eurokrise geschürte Unsicherheit vorsichtiger werden."

Unter dem Strich aber sieht der Analyst die Allianz "sehr solide" aufgestellt. Nicht zuletzt auch deshalb, weil das Eigenkapital mit rund 48 Milliarden Euro gegenüber dem Vormonat stabil geblieben ist - obwohl die Allianz im Mai mehr als zwei Milliarden Euro an die Aktionäre ausgeschüttet hat, wie Becker anfügt.

Auch mit Blick auf das Anlageportfolio bestünde aktuell wenig Grund zur Sorge: Von Bonds aus den Krisenstaaten Griechenland, Irland und Portugal hat sich die Allianz mittlerweile weitgehend verabschiedet. Mit rund 34,9 Milliarden Euro war der Konzern zur Jahresmitte noch in Staatsanleihen der Euro-Schuldenstaaten investiert. Rund 31 Milliarden Euro entfielen allein auf Italien.

Über ihre italienische Tochter ist die Allianz stark in italienischen Staatspapieren engagiert - und sieht sich damit auf der sicheren Seite. "Für unsere Italien-Anleihen sehen wird gar keinen Abschreibungsbedarf", erklärte Vorstandschef Diekmann.

mit Material von rtr
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