Leichtes Plus Beiersdorf macht Boden in Übersee gut

Beiersdorf hat trotz düsterer Vorzeichen der Weltwirtschaft den Umsatz im ersten Halbjahr um 5,5 Prozent gesteigert. Der Gewinn des Unternehmens mit Marken wie Nivea und Eucerin lag dagegen knapp unter dem Vorjahreswert. Verbessert hat sich Beiersdrof vor allem in den Schwellenländern.
Abgeblätterter Stolz: Beiersdorf von Konkurrenten überflügelt

Abgeblätterter Stolz: Beiersdorf von Konkurrenten überflügelt

Foto: Beiersdorf AG

Hamburg - Beiersdorf kommt dank Zuwächsen in Amerika und den Schwellenländern immer besser in Fahrt und setzt sich ehrgeizigere Ziele. Der um Kosten für die Neuausrichtung der Kosmetiksparte bereinigte Betriebsgewinn kletterte im zweiten Quartal binnen Jahresfrist um 5 Prozent auf 192 Millionen Euro, wie der Hersteller von Marken wie Nivea, Labello und Eucerin am Donnerstag mitteilte. Darin spiegele sich erste Erfolge der Neuausrichtung, sagte Vorstandschef Stefan Heidenreich, der den Dax-Konzern seit April führt.

Während Beiersdorf  den Umsatz in Südamerika seit Jahresbeginn um mehr als 14 Prozent und in der Region Afrika, Asien und Australien um knapp 10 Prozent steigern konnte, sackten die Erlöse auf dem wichtigen westeuropäischen Markt wegen der Kaufzurückhaltung der Verbraucher um 4 Prozent ab. In Deutschland schrumpften die Erlöse um 2 Prozent. Insgesamt legte der Konzernumsatz zur Jahresmitte wechselkursbereinigt um 2,6 Prozent auf etwas mehr als drei Milliarden Euro zu.

An der Börse sank der Beiersdorf-Kurs in einem kaum veränderten Gesamtmarkt um 3 Prozent auf 51,60 Euro ab und zählten im Dax  damit zu den größten Verlierern. Der Ausblick für das Umsatzwachstum liege sowohl für die Kosmetik- als auch die Tesa-Sparte unter den Konsensschätzungen und könnten einige Revisionen der Schätzungen nach sich ziehen, schrieb DZ-Bank-Analyst Thomas Maul in einem Kurzkommentar. Angesichts der hohen Bewertung von Beiersdorf seien Gewinnmitnahmen nicht überraschend, fügte er hinzu. Beiersdorf haben seit Jahresbeginn rund 20 Prozent zugelegt, der Dax über 14 Prozent.

Mit den Zuwächsen in Übersee im Rücken schöpft der von Analysten lange als träge kritisierte Konzern nun mehr Zuversicht: Der Vorstand konkretisierte die Prognose für die Rendite (Ebit-Marge). Statt einer bisher in Aussicht gestellten Spanne zwischen 11 und 12 Prozent legt sich das Management für das Gesamtjahr nun auf 12 Prozent vom Umsatz fest. Im Vorjahr hatte die Marge bei 11,5 Prozent gelegen.

Ein Fünftel der Produkte aus den Regalen genommen

Damit liegt Beiersdorf jedoch weiter hinter dem Konkurrenten Henkel , der die bereinigte Umsatzrendite auf 14 Prozent steigern will; sie lag im Halbjahr bereits bei 14,1 Prozent. Der Konsumgüterkonzern hatte Umsatz und Gewinn im zweiten Quartal kräftig gesteigert und sich für 2012 ein ehrgeizigeres Gewinnziel gesetzt. Zulegen konnte Henkel vor allem in Schwellenländern und musste trotz der Schuldenkrise in Europa keine Federn lassen.

In der Branche liegen Licht und Schatten derzeit eng beieinander: Der Mischkonzern Procter & Gamble  etwa hatte vor Kurzem zum zweiten Mal innerhalb weniger Monate seine Prognose gestutzt. Bereits Ende April hatte der US-Konzern seine Ziele wegen eines umfangreichen Konzernumbaus sowie höherer Kosten für Rohstoffe herabgesetzt.

Der weltgrößte Kosmetikhersteller L'Oreal hält dagegen trotz eines schwächeren Wachstums im abgelaufenen Vierteljahr an seinen Geschäftszielen für das Gesamtjahr fest und will der Konkurrenz Marktanteil abjagen. Dabei stützt sich das französische Unternehmen auf die Erholung in Nordamerika, um die Stagnation in Europa auszugleichen.

Beiersdorf hatte seine Kosmetiksparte im vergangenen Jahr umgebaut und in Europa ein Fünftel der Produkte aus den Regalen genommen, die nicht so gut liefen. Um schneller auf die Konkurrenz reagieren zu können, führt Beiersdorf das Kerngeschäft künftig stärker regional. In der Hamburger Zentrale wurde Personal abgebaut. Davor hatte sich der Kosmetikhersteller von Randbereichen und weniger ertragreichen Marken getrennt. Die Kosten für den Umbau belasten die Bilanz auch in diesem Jahr.

kst/dapd&rtr
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