Comeback Sparkurs zahlt sich für Lufthansa aus

Deutschlands größte Fluggesellschaft ist wieder profitabel. Sparmaßnahmen und gute Geschäfte ihrer Servicegesellschaften haben der Lufthansa im zweiten Quartal zu einem überraschend deutlichen Zuwachs des operativen Gewinns verholfen.
Lufthansa-Jet auf dem Flughafen Frankfurt am Main: Bessere Geschäfte im zweiten Quartal

Lufthansa-Jet auf dem Flughafen Frankfurt am Main: Bessere Geschäfte im zweiten Quartal

Foto: DPA

Frankfurt am Main - Die Lufthansa stemmt sich mit einem harten Sparkurs gegen hohe Treibstoffkosten und den schärferen Wettbewerb. Dank des Umbaus der Tochter Austrian Airlines und guter Geschäfte der Servicesparten konnte Konzernchef Christoph Franz im zweiten Quartal bereits erste Früchte der Sanierung ernten.

Der operative Gewinn legte im Zeitraum April bis Juni überraschend deutlich zu, zugleich bekräftigte Deutschlands größte Fluggesellschaft am Donnerstag ihre Jahresziele. "Wir alle wissen, dass Airlines durch Turbulenzen fliegen, Lufthansa ist da keine Ausnahme", räumte Finanzchefin Simone Menne in einer Telefonkonferenz zum Zwischenbericht ein.

Die Entwicklungen blieben unter anderem in Europa unsicher. Den Investitionsstopp für nicht unbedingt notwendige Projekte verlängerte die Lufthansa um ein halbes Jahr. Außerdem soll im Passagiergeschäft das Sitzplatzangebot im Gesamtjahr jetzt nur noch um 0,5 Prozent wachsen. Zuletzt wurde ein Prozent in Aussicht gestellt. "Im Winterflugplan 2012/13 werden wir das Angebot sogar um 2,5 Prozent gegenüber dem Vorjahr reduzieren", kündigte die Finanzchefin an.

Investoren hoffen, dass striktes Kapazitätsmanagement der Lufthansa helfen wird, die Profitabilität zu sichern. An der Börse zählte die Aktie der Kranich-Linie mit einem Kursplus von drei Prozent zeitweise zu den größten Dax-Gewinnern.

Operativer Gewinn im zweiten Quartal kräftig gestiegen

Im zweiten Jahresviertel erwirtschaftete die Lufthansa einen operativen Gewinn von 361 Millionen Euro - das sind 27,6 Prozent mehr als vor Jahresfrist. Analysten hatten deutlich weniger erwartet. Den herben operativen Verlust aus dem ersten Quartal, als hohe Treibstoffkosten die Airline ausbremsten, konnte der Konzern damit fast wettmachen.

Starke Geschäfte der Techniksparte und Einmalerträge im Zuge des Umbaus der Austrian Airlines, durch den unter anderem Pensionszahlungen bei der Tochter sinken, kurbelten das Ergebnis an. Der operative Gewinn im Passagiergeschäft legte um gut zwanzig Prozent auf 266 Millionen Euro zu. Der Lufthansa-Konzern setzte von April bis Juni insgesamt 7,89 Milliarden Euro um - das sind 6,4 Prozent mehr als vor Jahresfrist.

Der Konzern beförderte im zweiten Quartal 27,5 Millionen Passagiere - das ist ein Anstieg um 3,1 Prozent. Das Cargo-Geschäft entwickelte sich aber angesichts der Konjunktureintrübung schwach und der Konzerngewinn schrumpfte im Quartal um 23,9 Prozent auf 229 Millionen Euro. Die Konjunktursorgen spiegeln sich auch in den jüngsten Zahlen des Weltluftfahrtverbandes IATA wider. So lag das Wachstum im globalen Luftfrachtverkehr im Juni lediglich bei 1,1 Prozent. Die gobalen Passagierzahlen nahmen zwar um 7,4 Prozent zu, im Februar und März war das Plus aber noch stärker gewesen.

Airline bestätigt ihren Ausblick

An ihrem Geschäftsausblick hielt die Lufthansa dennoch fest: Vorstandschef Franz strebt 2012 an, den Konzernumsatz zu erhöhen und einen operativen Gewinn im mittleren dreistelligen Millionen-Bereich zu erzielen. Das wäre immer noch ein erheblicher Rückgang verglichen mit den 820 Millionen Euro im Jahr 2011. Kosten für das laufende große Sparprogramm sind darin noch nicht enthalten, Finanzchefin Menne bezifferte sie für 2012 auf 100 bis 200 Millionen Euro.

Zwar liefen die Vorausbuchungen im Passagiergeschäft gut und Lufthansa rechne mit einer positiven Entwicklung der Nachfrage. Nach wie vor sei aber der Kostendruck durch die Treibstoffpreise hoch. Daher strenge sich der Konzern an, noch intensiver zu sparen. Aktuell geht der Konzern für dieses Jahr von Flugspritkosten von 7,4 Milliarden Euro nach 6,3 Milliarden Euro im Jahr zuvor aus.

Lufthansa  hatte ein umfangreiches Sparprogramm aufgelegt, um im Wettbewerb mit Billigfliegern wie Ryanair  und schnell wachsenden Rivalen wie Emirates nicht ins Hintertreffen zu geraten. Zudem versucht die Airline damit, den drückenden Ausgaben für Flugzeugsprit gegenzusteuern. Konzernweit soll der operative Gewinn bis 2014 um mindestens 1,5 Milliarden Euro gesteigert werden. Eine Reduzierung der Personalkosten ist ein Grundpfeiler des Riesen-Sparplans. So sollen in den nächsten Jahren in Deutschland 2500 Verwaltungsjobs wegfallen, weltweit sollen 3500 der knapp 17.000 Stellen in dem Bereich gestrichen werden. Aktuell hat der Konzern rund 117.000 Beschäftigte.

Als große Belastungen bezeichnete der Konzern den scharfen Wettbewerb, die hohen Treibstoffkosten, die Luftverkehrssteuer in Deutschland und Österreich sowie die Entgelte für europäische Emissionshandelszertifikate; einen ausführlichen Bericht über Probleme der Lufthansa lesen Sie in der aktuellen Ausgabe der Print-Ausgabe des manager magazins.

kst/afp/dpa-afx/rtr
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