Pharmaindustrie Generika-Konkurrenz belastet Pfizer

Nachahmermedikamente machen dem weltgrößten Pharmakonzern Pfizer zu schaffen. Der Umsatz des Bayer-Konkurrenten fällt deutlich. Neue zentrale Erlösbringer sind nicht in Sicht. Einsparungen verhelfen dem Konzern aber zu einem Gewinnanstieg.
Neue Blockbuster-Medikamente, die einen Milliardenumsatz versprechen, hat Pfizer trotz hoher Forschungsinvestitionen nicht hervorgebracht

Neue Blockbuster-Medikamente, die einen Milliardenumsatz versprechen, hat Pfizer trotz hoher Forschungsinvestitionen nicht hervorgebracht

Foto: TIMOTHY A. CLARY/ AFP

New York - Dem weltgrößten Pharmakonzern Pfizer macht die Konkurrenz billigerer Nachahmermedikamente für seinen bisher wichtigsten Umsatzbringer deutlich zu schaffen. Von April bis Juni fiel der Umsatz um 9 Prozent auf 15,1 Milliarden Dollar (rund 12,3 Milliarden Euro), wie der Konkurrent von Bayer mitteilte. Bayer erhöhte nach einem starken zweiten Quartal die Prognose für das Gesamtjahr.

Vor allem der Umsatz des Blutfettsenkers Lipitor, dem immer noch wichtigsten Medikament von Pfizer  , brach um mehr als 50 Prozent ein.

Deutlich geringere Kosten für Restrukturierung und Abschreibungen sowie Einsparungen bei Forschung und Entwicklung (F&E) trieben den Gewinn des Viagra-Herstellers dagegen um ein Viertel auf 3,3 Milliarden Dollar oder 0,43 Dollar pro Aktie. Vor Sonderposten wies das Management um Konzernchef Ian Read ein Ergebnis je Aktie von 0,62 US-Dollar nach 0,59 Dollar im Vorjahr aus und übertraf bei dieser Kennzahl ebenso wie beim Umsatz die Erwartungen des Marktes.

Aktien von Pfizer  legten zu Beginn des Handels an der Wall Street am Dienstag um 1,56 Prozent auf 24,08 Dollar zu.

Read ist seit Ende 2010 im Amt und arbeitet daran, Pfizer neu aufzustellen. Der Manager will sich auf das Geschäft mit Medikamenten konzentrieren und die Präsenz in den Schwellenländern erhöhen. Zudem hatte Read ein Sparprogramm mit dem Abbau tausender Stellen aufgelegt sowie Forschungsausgaben reduziert.

Aktienrückkäufe in Milliardenhöhe soll Investoren versöhnen

Die Investoren versucht das Management, mit einem Aktienrückkaufprogramm bei der Stange zu halten, wodurch der auf die einzelne Aktie entfallende Gewinn steigt. Bis Ende 2012 will der US-Konzern fünf Milliarden Dollar in den Rückkauf eigener Aktien stecken.

Beim geplanten Börsengang seines Tiergesundheitsgeschäfts komme die Gesellschaft gut voran, so Read. Das Geschäft soll unter dem Namen Zoetis an die Börse gehen. Geplant ist die Abgabe eines Minderheitsanteils von rund 20 Prozent. Im Frühjahr hatte Pfizer seine Babynahrungssparte bereits an Nestle für 11,8 Milliarden US-Dollar verkauft.

Im November hatte Lipitor, das bisher umsatzstärkste Medikament weltweit, seinen lukrativen Patentschutz verloren. 2011 steuerte das Medikament noch fast 10 Milliarden Dollar zum Umsatz bei. Im zweiten Quartal hätten Patentverluste den Konzern einen Umsatz von rund 1,8 Milliarden Dollar gekostet, erklärte der Firmenchef.

Die Entwicklung eines neuen Medikaments dauert nach Aussagen von Branchenverbänden und Ratingagenturen wie Standard & Poor's etwa zehn Jahre und kostet rund eine Milliarde Dollar. Fast zehn Milliarden Dollar hat Pfizer in den vergangenen Jahren jährlich in die Forschung gesteckt. Ohne erkennbaren Erfolg, denn das Wachstum beruht schon seit Jahren praktisch ausschließlich auf Zukäufen.

Gewinn und Umsatz werden 2012 fallen

2012 werden Umsatz und Gewinn im Vergleich zu 2011 rückläufig sein. Konzernchef Read bekräftigte den jüngst in Zusammenhang mit dem Verkauf seiner Babynahrungssparte gesenkten Ausblick für 2012. Der Konzern rechnet mit einem Umsatzrückgang auf 58 bis 60 Milliarden Dollar. Der bereinigte Gewinn soll bei 2,14 bis 2,24 Dollar liegen.

Im Vorjahr hatte Pfizer noch einen Erlös von 67,4 Milliarden Dollar und einen Gewinn von 2,31 Dollar je Aktie in den Büchern stehen.

Wegfallender Patentschutz für wichtige Arzneien ist eines der zentralen Probleme der Pharmabranche. Laut Branchendienst IMS Health verlieren bis 2013 Medikamente mit einem Umsatz von rund 135 Milliarden Dollar weltweit ihren lukrativen Patentschutz. Das ist mehr als je zuvor. Insgesamt ist der Weltpharmamarkt fast 900 Milliarden Dollar schwer.

In den vergangenen Tagen hatten bereits Konkurrenten wie Sanofi  oder auch GlaxoSmithKline  und Merck  Co ihre Zahlen für das zweite Quartal vorgelegt. Die Franzosen hatten im zweiten Quartal dank der Nachfrage nach Diabetesmitteln und dem Wachstum in den Schwellenländern mehr verdient als im Vorjahr. Ein prozentual zweistelliges Umsatzplus beim Diabetesmittel Lantus sowie die starke Nachfrage aus den Schwellenländern hatten den Umsatzausfall durch billigere Nachahmermittel für den Blutverdünner Plavix ausgeglichen.

rei/dpa