Dienstag, 16. Juli 2019

Bertelsmann Österreicherin soll Finanzchefin werden

Bertelsmann in Gütersloh: Spitzenposten im Management neu besetzt
dapd/ Bertelsmann
Bertelsmann in Gütersloh: Spitzenposten im Management neu besetzt

Bertelsmann hat einen neuen Finanzvorstand. Nach Informationen von manager magazin online übernimmt die Österreicherin Judith Hartmann den Job, den Konzernchef Thomas Rabe derzeit noch nebenbei inne hat.

Hamburg - Die monatelange Suche der Bertelsmann AG nach einem neuen Finanzvorstand ist beendet: Bertelsmann hat jetzt eine Meldung von manager magazin online bestätigt, wonach sich der Aufsichtsrat des Medienunternehmens (Umsatz: 15,3 Milliarden Euro, unter anderem RTL, Gruner+Jahr) auf Judith Hartmann (43) verständigt hat. Sie ist zur Zeit noch als Finanzchefin bei General Electric Germany tätig.

Die gebürtige Österreicherin soll das Amt noch vor Jahresende übernehmen, das Konzernchef Thomas Rabe (46) bis zu seiner Beförderung im Januar selbst bekleidet hatte und seither in Personalunion ausübt.

Mit der Besetzung des Spitzenpostens hatte Bertelsmann ungewöhnlich viel Schwierigkeiten. Normalerweise halten sich die Westfalen einiges darauf zugute, ihre Führungsaufgaben schneller zu verteilen, als man einen Amtseid sprechen kann. Die Kader verbreiteten zwar wohlgemut und frohgestimmt, dass bei der Suche nach einem Finanzvorstand überhaupt keine Eile herrsche, ja, dass man sich, im Gegenteil, lieber ein paar Wochen mehr Zeit nehme, um keinen Fehlgriff zu riskieren, und dass Rabe und seine Leute eingespielt seien und die Aufgaben mit Leichtigkeit nebenher bewältigten.

Doch weltweit operierenden Konzernen steht es schlecht an, wenn sich die Suche nach einem Finanzchef über Gebühr ausdehnt, und die Grenze war nach einem halben Jahr durchaus erreicht - erst recht, nachdem Rabe bereits im März angekündigt hatte, die Betriebe künftig als SE & Co. KGaA zu organisieren, um einen Börsengang beziehungsweise die Aufnahme von Investoren in den Gesellschafterkreis vorzubereiten.

Anderen Kandidat bereits kontaktiert

Die Fahndung nach dem neuen Finanzvorstand zog sich aber nicht nur aus Sorgfältigkeitserwägungen so lange hin, sondern auch deshalb, weil man sich in der Konzernzentrale lange Zeit nicht recht darüber im Klaren war, wen man eigentlich suchte. Rabe, ein Streiter des "diversity managements", hatte immer eine Frau für den Posten favorisiert, was seine Auswahlmöglichkeiten freilich stark eingrenzte. Anfang des Jahres war er sich bereits mit einer Kandidatin einig: Er wollte Dorothee Blessing (44), Partnerin bei Goldman Sachs Börsen-Chart zeigen und Ehefrau des Commerzbank-Chefs Martin Blessing, mit der Aufsicht über die Bertelsmann-Kassen betrauen (manager magazin 3/2012), was für Raunen im Fachpublikum sorgte.

Doch die Bertelsmann-Gremien machten ihrem neuen Vorstandsvorsitzenden in letzter Minute einen Strich durch die Rechnung: Man scheute sich, neben den Finanzjongleur Rabe auch noch eine Investmentbankerin in der Konzernspitze zu platzieren. Dies erschien vielen Würdenträgern denn doch zu riskant: Man suche nun lieber jemanden, hieß es im Aufsichtsrat, der die Angriffslust und den Veränderungswillen des neuen Vorstandschef gegebenenfalls zügele statt sie zu entfachen. Ob eine Frau dafür der beste Mann sei - das wisse man nicht.

Als im Frühjahr die neue RTL-Chefin Anke Schäferkordt in den Bertelsmann-Vorstand berufen wurde, war dies nicht nur für alle "Diversity Manager" bei Bertelsmann eine gute Nachricht: Entfiel damit doch die Notwendigkeit, auch die Leitung des Finanzressorts zwingend mit einer Frau zu besetzen. Denn für Vielfalt und Fächerung war ja nun gesorgt!

Der Kreis der Kandidaten konnte wieder größer gezogen werden. Und so standen am Ende zwei Männer und zwei Frauen im Gütersloher Auswahlfinale. Bertelsmanns neue Finanzchefin ist, was man ein unbeschriebenes Blatt nennt.

Hartmann hat an der Wirtschaftsuniversität in Wien promoviert und verfügt über langjährige Auslandserfahrungen. Sie hat in den USA, Frankreich, Kanada und Belgien gearbeitet. Sie war unter anderem CFO Latin America von General Electric Healthcare mit Sitz in Sao Paulo.

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