Glencore/Xstrata Katar fordert Milliardennachschlag für sich

Der Golfstaat Katar trumpft auf: In letzter Sekunde fordern die Araber einen gehörigen Nachschlag für sich, wenn der geplanten Zusammenschluss der Rohstoffgiganten Glencore und Xstrata im Volumen von 26 Milliarden Dollar über die Bühne gehen soll. Schon findet Katar Verbündete.
Bergbaufusion zwischen Glencore und Xstrata: Ursprünglich geplante Konditionen torpediert

Bergbaufusion zwischen Glencore und Xstrata: Ursprünglich geplante Konditionen torpediert

Foto: AFP/BHP Billiton

Hamburg - Der Golfstaat Katar überrascht Monate nach der Deal-ankündigung mit einer Preisnachforderung für den Zusammenschluss der Rohstoffgiganten Glencore und Xstrata. Der Golfstaat erklärte in der Nacht zum Mittwoch, Glencore müsse 3,25 eigene Aktien für jeden Xstrata-Anteilsschein bezahlen und nicht wie bislang geplant 2,8. Damit könnte es für den weltgrößten Rohstoffhändler schwer werden, den in der Schweiz ansässigen Bergbaukonzern Xstrata zu schlucken. Der Deal würde erheblich teurer werden als die bisher avisierten 26 Milliarden Dollar.

Glencore müsse sein Angebot dann entweder bis Donnerstagabend aufstocken oder für Mitte Juli angesetzte Aktionärsversammlungen verschieben, hieß es. Katar ist nach Glencore der zweitgrößte Aktionär von Xstrata und spielt daher bei dem Zusammenschluss eine wichtige Rolle.

Seit Bekanntwerden des Übernahmeangebots im Februar stockte Katar seinen Anteil an Xstrata  kräftig auf mehr als 10 Prozent auf. Zusammen mit den britischen Vermögensverwaltern Standard Life und Schroders, die das bisherige Angebot ebenfalls als zu niedrig ablehnen, kommen die Gegner inzwischen auf mindestens 13,3 Prozent der Xstrata-Papiere. Damit wäre der Anteil bereits gefährlich nahe an der Schwelle von 16,48 Prozent, ab der die Übernahme auf einem Xstrata-Aktionärstreffen am 12. Juli blockiert werden könnte. Glencore ist zwar bereits mit 34 Prozent größter Anteilseigner von Xstrata, aber nicht stimmberechtigt.

Analysten erwarteten nun, dass Glencore die im Februar vereinbarten Konditionen für den Zusammenschluss aufstocken wird. "Wir glauben, dass wohl eine Erhöhung notwendig ist, um Katar und andere Xstrata-Aktionäre zu gewinnen - vermutlich von 2,8 auf 3,0 Glencore Aktien pro Xstrata Papier", teilten die Analysten von Jefferies mit. Eine Aufstockung bis auf 3,25 eigene Aktien hielten sie dagegen für unwahrscheinlich. "Ohne Änderungen ist der Deal gestorben", betonte ein weiterer Analyst. Denkbar seien nun Verzögerungen von bis zu einem Jahr.

Gigant mit einem Jahresumsatz von fast 210 Milliarden Dollar

Glencore unternahm am Mittwoch bereits die ersten Schritte, um das Großvorhaben doch noch über die Ziellinie zu führen. Möglicherweise werde die Managervergütung für das Xstrata-Geschäft geändert, kündigte der Konzern in einer Mitteilung an - jedoch ohne auf die Preisforderungen einzugehen. Entsprechende Vorschläge vom Xstrata-Vorstand würden geprüft. Die großzügigen Zahlungen an Manager waren ein Teil der Fusionsabmachungen und hatten bei Aktionären für Verärgerung gesorgt.

Die Fusion zwischen dem weltgrößten Rohstoffhändler Glencore und dem viertgrößten Bergbaukonzern der Welt wäre der größte Zusammenschluss in der Branche seit 2007, als der australische Bergbauriese Rio Tinto  den Aluminiumkonzern Alcan  für 38 Milliarden Dollar übernahm und damit zugleich eine neue Rekordmarke setzte. Die Konzerne versprechen sich von der Fusion milliardenschwere Einsparungen und einen Vorsprung, um die massive Rohstoffnachfrage aus China und anderen Schwellenländern bedienen zu können.

Durch den "Zusammenschluss unter Gleichen" soll eine Gesellschaft mit einem Jahresumsatz von fast 210 Milliarden Dollar entstehen. Gemeinsam würden Glencore und der britisch-schweizerische Konzern Xstrata die gesamte Kette der Wertschöpfung von der Förderung über den Transport bis zum Verkauf von Bodenschätzen unter einem Dach vereinen und damit über eine entsprechende Marktmacht verfügen.

kst/dpa/rtr
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