Mittwoch, 27. Mai 2020

Euro-Zone Im Mittelstand geht die Angst um

Drachme-Gedenktafel: Die griechische Währung könnte für die Hellenen wieder Wirklichkeit werden

3. Teil: Was deutsche Firmen tun - wie Kreditversicherer reagieren

So fahren deutsche Unternehmen nach Beobachtung des ZEW und des DIW ihre Investitionen insbesondere in Griechenland zurück. Große deutsche Konzerne hätten ihre Investitionen in Hellas sogar weitgehend eingestellt, berichtet DIW-Mann Brenke - Investitionen, die Griechenland im Grunde dringend bräuchte. "Jedem Unternehmen ist klar, was in Griechenland passiert. Neue Geschäftsaktivitäten stehen 'on hold'. Man wartet ab", sagt BGA-Präsident Anton Börner.

"Die Unternehmen weichen zudem soweit möglich auf andere Märkte aus", ergänzt Mittelstandspräsident Ohoven. Nach Beobachtungen der Commerzbank schieben viele mittelständische Unternehmen Investitionen auf und investieren, wenn überhaupt, außerhalb der Euro-Zone.

Da sich die krisenhafte Entwicklung seit längerem abzeichne, hätten viele Mittelständler für den Fall des Euro-Austritts auch entsprechende Rücklagen gebildet, um Forderungsausfälle kompensieren zu können. Einen Teil ihrer Forderungen würden sie auch abschreiben müssen, sagt Ohoven.

Vermutlich ist das schon jetzt der Fall, denn um die Zahlungsmoral griechischer und spanischer Geschäftspartner sei es schlecht bestellt, sagt der BVMW-Präsident. Kleine und mittelständische Unternehmen in Deutschland müssten im Schnitt 92 Tage auf ihr Geld aus Griechenland warten, bei einem großzügig vereinbarten Zahlungsziel von 77 Tagen wohlgemerkt. Mit 87 Tagen bei einem vereinbarten Zahlungsziel von 74 Tagen lassen spanische Schuldner ihre deutschen Geschäftspartner fast genauso lange zappeln - wenn sie überhaupt zahlen.

Investitionen auf Eis gelegt - Lieferungen eingestellt

Von deutschen Pharmafirmen wird mittlerweile berichtet, dass sie aufgrund offener horrender Rechnungen nicht mehr an griechische Krankenhäuser direkt liefern oder die Lieferung auf überlebenswichtige Medikamente beschränken.

Der Kreditversicherer Euler Hermes hat aus dem Dilemma seine Konsequenzen gezogen und sichert seit dem 30. Mai weltweit keine Exporte mehr nach Griechenland ab. "Exporte nach Griechenland sind aufgrund der jüngsten wirtschaftlichen und politischen Unsicherheiten deutlich risikoreicher geworden", begründet ein Sprecher diesen Schritt. Bereits erfolgte Export-Lieferungen blieben aber weiter gedeckt.

Jedes Unternehmen, das nach Griechenland Waren liefert, sollte "auf jeden Fall" einen Weg finden, seine Exporte dorthin abzusichern, fordert der Sprecher deutsche Unternehmen eindringlich auf. Aktuell geht Euler Hermes noch von einem Verbleib der Griechen in der Euro-Zone aus, bereite sich gleichwohl auf den "Grexit" vor.

Der konkurrierende Kreditversicherer Atradius hat noch nicht ganz den Stab über Exportgeschäfte nach Hellas gebrochen. "Wir sichern weiter Exporte an ausgewählte bestehende griechische Kunden seiner Versicherungsnehmer ab", erklärt eine Sprecherin. Eine aktuelle, repräsentative Umfrage des Kreditversicherers indes scheint die schlechte Zahlungsmoral in Griechenland zu bestätigen. Überfällige inländische Rechnungen würden durchschnittlich sogar 90 Tage zu spät beglichen, berichtet die Sprecherin. Im Vergleich zum westeuropäischen Durchschnitt sei der Anteil uneinbringlicher Forderungen mit 7,4 Prozent im griechischen Inland auch mehr als doppelt so hoch wie im westeuropäischen Durchschnitt.

Grexit - Mittelstandpräsident befürchtet Kreditklemme

Mögen die unmittelbaren Folgen eines "Grexit" angesichts seiner vergleichsweise geringen Bedeutung für deutsche Unternehmen unter dem Strich auch überschaubar bleiben. Die Ansteckungsgefahr eines griechischen Euro-Austritts anderer Euro-Staaten bleibt hoch und damit auch die indirekten Auswirkungen auf deutsche Unternehmen.

Mittelstandspräsident Ohoven denkt dabei weniger an die "üblichen Verdächtigen" wie Spanien und Italien. "Beim Exit würde das griechische Virus auf Südosteuropa übergreifen und sich dann über die europäischen Großbanken ausbreiten", warnt der Experte. So hätten griechische Banken beispielsweise in Bulgarien einen Marktanteil von 30 Prozent, in Rumänien und Serbien seien es jeweils rund 10 Prozent.

Beim Euro-Austritt drohten diese Institute in den Sog sehr wahrscheinlicher griechischer Bankenpleiten hineingezogen zu werden. Die Kreditfinanzierung deutscher Unternehmen werde darunter empfindlich leiden. "Noch haben rund 80 Prozent unserer Klein- und Mittelbetriebe da keine Probleme, aber das dürfte sich mit dem Austritt Griechenlands ändern", ist Ohoven überzeugt.

Seite 3 von 3

© manager magazin 2012
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung