Donnerstag, 18. Juli 2019

Medienkonzern Burda-Mann läuft zu Bertelsmann über

Bertelsmann-Zentrale in Gütersloh: Neuer Digital-Manager kommt von Burda
dapd/ Bertelsmann
Bertelsmann-Zentrale in Gütersloh: Neuer Digital-Manager kommt von Burda

Der Medienkonzern Bertelsmann hat vom Münchener Konkurrenten Burda einen Topmanager abgeworben. Digital-Manager Marcel Reichart wird in Gütersloh künftig direkt an Neuvorstand Thomas Hesse berichten. Außerdem hat Bertelsmann-Chef Thomas Rabe kurzfristig einen Investitionsstopp verhängt.

Hamburg - Der neue Bertelsmann-Impresario Thomas Rabe (46), ein forscher Vertreter seines Berufsstandes, hat konzernweit einen Investitionsstop verhängt - nicht aus Geldmangel, Daffke oder Lustlosigkeit, sondern weil er sich mit seinen Getreuen erst einmal über die künftige Unternehmensstrategie klar werden will.

Wo käme man denn hin, bemerkt einer seiner Vertrauten in süffisantem Tonfall, wenn, nur als Beispiel, die Freunde von der Tochterfirma Gruner+Jahr ("Stern", "Geo") jetzt eine Marktforschungsfirma in England übernähmen, im August aber, wenn die Strategie festgelegt sei, erfahren müssten, dass Bertelsmann aus der Marktforschung aussteige? Nur wenig missbilligt Thomas Rabe mehr als eine Anlagepolitik ohne Ziel und Zusammenhang.

Ausgenommen vom Investitionsstop sind allerdings Einsätze in die Verstärkung des Fachpersonals, zumindest was die Gütersloher Führungsschicht betrifft: Jungvorstand Thomas Hesse (45), seit Februar für den neugeschaffenen Bereich "Unternehmensentwicklung und Neugeschäft" zuständig, hat jetzt seinen ersten Spitzentransfer abgewickelt und Marcel Reichart (39) vom Münchner Konkurrenten Burda Media abgeworben. Reichart hatte dort die Geschäfte der Beteiligungstochter DLD Ventures geführt und war zuletzt zuständig für die von ihm miterfundenen Internet-Konferenzen Digital Life Design (DLD) sowohl wie für die Sparte Burda Digital.

"Bertelsmann muss digitaler werden"

Reichart ist Wirtschaftswissenschaftler, ein Mann mit Doktorgrad, er gehörte zu Burdas Avantgarde, und doch hatte er am Ende nicht mehr das Gefühl, in München voranzukommen, den ihm angemessen erscheinenden Platz auszufüllen und entsprechende Freiheiten zu genießen. Wie schmerzhaft der Verlust Reicharts, dem der Verleger Hubert Burda (72) durchaus wohlgesonnen war, für die Bayern ist und wie nutzbringend seine Verpflichtung für Thomas Hesse sein wird, lässt sich nicht ermessen. Erwiesen ist lediglich, dass bis zum heutigen Tag noch jedermann zu ersetzen war.

Über Reicharts künftiges Aufgabengebiet und das Datum seines ersten Arbeitstags in Gütersloh wird die Bertelsmann-Pressestelle in den kommenden Tagen sicherlich Genaueres zu berichten wissen. Reichart, so viel ist sicher, wird unmittelbar Hesse ("Bertelsmann muss digitaler werden") unterstellt und gleich unterhalb des Vorstands angesiedelt sein.

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