Kommerziell spitze Bundesliga knapp hinter Premier League

Volle Stadien, geringe Verschuldung, steigende Umsätze: Die deutsche Fußball-Bundesliga zählt nach Expertenmeinung schon jetzt zu den profitabelsten in Europa und sie legt wirtschaftlich schneller zu als alle anderen. Einzig die britische Premier- League ist wirtschaftlich stärker.
Senor Raul: Ex-Schalke-Spieler Raúl González Blanco war in der vergangenen Spielzeit einer der berühmtesten und beliebtesten Spieler der Bundesliga

Senor Raul: Ex-Schalke-Spieler Raúl González Blanco war in der vergangenen Spielzeit einer der berühmtesten und beliebtesten Spieler der Bundesliga

Foto: DPA

Düsseldorf - Der Gewinn der Europameisterschaft durch die deutsche Nationalmannschaft wäre wirtschaftlich eine ideale Vorlage für die Fußball-Bundesliga. "Das wäre toll im Hinblick auf die internationale TV-Vermarktung. Vor allem in der Hoffnung, dass auch viele Spieler aus dem EM-Team in der Bundesliga zu sehen sind", sagte Stefan Ludwig, Leiter der Sport Business Gruppe von Deloitte Deutschland. Denn besonders im Bereich der Auslandsvermarktung sieht er für das Produkt Bundesliga noch Nachholbedarf im Vergleich zu anderen europäischen Spitzenligen wie der englischen Premier League und der italienischen Serie A.

Doch auch ohne Titel steht die deutsche Elite-Klasse Ludwigs Ansicht nach derzeit wirtschaftlich bestens da. Das belegt die Studie "Annual Review of Football Finance", die Deloitte am Donnerstag vorstellte. Zum 21. Mal untersuchte das Prüfungs- und Beratungsunternehmen die Finanzdaten im europäischen Spitzenfußball. Grundlage waren die Zahlen aus der Saison 2010/11.

"Der zusätzliche Champions-League-Platz ab der Saison 2012/13 und die Steigerung der Erlöse aus der nationalen Medienvermarktung ab 2013/14 um 50 Prozent wird das beeindruckende Wachstum der Bundesliga weiter begünstigen", glaubt Ludwig. Auch die starke Wirtschaft in Deutschland im Vergleich zu den europäischen Nachbarländern trägt mit zu den guten Aussichten bei. "Das ist ein ganz, ganz großer Vorteil", meinte der Experte. Schon jetzt ist die Bundesliga in den Bereichen Zuschauerzahlen, Profitabilität und kommerzielle Erlöse (Sponsoring, Hospitality, Merchandising etc.) spitze.

In Sachen Umsatz bleibt allerdings die Premier League unangefochten Europas Champion - unter anderem auch wegen der deutlich höheren Erlöse aus der Vermarktung im Ausland. Laut Deloitte stiegen die Gesamteinnahmen der 18 Bundesliga-Clubs um fünf Prozent auf 1,746 Milliarden Euro. Die Premier League kam auf umgerechnet 2,515 Milliarden Euro. Die spanische Primera Division (1,718 Milliarden Euro) hielt dank Real Madrid und dem FC Barcelona noch mit. Die Serie A (1,553) und die französische Ligue 1 (1,04) folgten in dem Ranking der Big-Five-Ligen auf den Plätzen vier und fünf.

Die Bundesliga und die Premier League waren auch erneut die einzigen, die 2010/11 operativ Gewinne erzielten. Zum dritten Mal hintereinander holte die deutsche Vorzeige-Liga den Titel als profitabelste Spielklasse. Das Betriebsergebnis wurde gleich um 33 Millionen (24 Prozent) auf 171 Millionen Euro verbessert. In England erwirtschafteten die 20 Clubs des Oberhauses 75 Millionen Euro.

Mit über 800 Millionen Euro schaffte die Bundesliga auch die höchsten kommerziellen Erlöse, rund 216 Millionen Euro mehr als die Premier League. In der gerade abgeschlossenen Saison 2011/12 kamen im Schnitt mehr als 45 000 Besucher zu den Bundesligaspielen - so viel wie in keiner anderen Fußball-Liga weltweit.

Doch Ludwig hat auch ein Gefahr für die Entwicklung der Bundesliga ausgemacht: das Fan-Verhalten innerhalb und außerhalb der Stadien. "Man darf das nicht unterschätzen. Eine kleine Gruppe könnte aufgrund der medialen Wirkung einen großen Einfluss auf die Liga haben", sagte er. "Wenn so etwas dauerhaft und regelmäßig vorkommt, werden viele Leute - beispielsweise Familien - oder auch Sponsoren fern bleiben."

kst/dpa
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