Dewey & LeBoeuf Gier nach Boni treibt Großkanzlei in Ruin

Es ist die bisher größte Pleite einer US-Kanzlei: Dewey & Leboeuf hat Insolvenz angemeldet. Mega-Boni, Schulden und hohe Mietkosten haben dem Rechtskonzern mit einst 1300 Anwälten das Genick gebrochen. Leidtragende sind nun die Mandanten.
Zu großes Rad gedreht: Die New Yorker Kanzlei Dewey & Leboeuf hat Insolvenz angemeldet

Zu großes Rad gedreht: Die New Yorker Kanzlei Dewey & Leboeuf hat Insolvenz angemeldet

Foto: ? Shannon Stapleton / Reuters/ REUTERS

Hamburg - Am Ende blieb den Chefs von Dewey & Leboeuf nur noch der Gang zum Insolvenzgericht von Manhattan. Am Montagabend beantragten die Abgesandten laut übereinstimmenden US-Medienberichten ein Verfahren nach Chapter 11 - der ehemals schillernden Großkanzlei war es nicht mehr möglich, ihre Rechnungen zu bezahlen.

Der Schritt kam nicht mehr überraschend. Seit Monaten forderte das Unternehmen seine Mitarbeiter auf, sich andere Arbeitsplätze zu suchen. In Deutschland sollen ganze Anwaltteams laut einem Bericht des "Handelsblattes" bei der Konkurrenz von Simmons & Simmons oder McDermott Will & Emery untergekommen sein.

Dewey zahlt den Preis für eine gewagte Expansionsstrategie. Das Unternehmen hatte stark auf Fremdmittel gesetzt, Anwälte teuer von außen eingekauft und zum Teil horrende Mieten für seine Büros gezahlt.

"Wir sind stolz auf den jahrelangen Einsatz und die Professionalität, die Dewey & Leboeuf über viele Jahre gekennzeichnet haben", sagte der geschäftsführende Partner Stephen J. Horvath. "Den selben Ansatz wollen wir nun bei der undankbaren Aufgabe verfolgen, unser Geschäft zu beenden."

Hauen und Stechen um Boni und Gehälter

Zuletzt hatten US-Medien von heftigen Streitereien um die Vergütung von Partnern in der Kanzlei berichtet. Deweys Topvertreter verdienten offenbar ein Vielfaches des Salärs einfacher Partner. Bis Ende Mai haben laut "Wall Street Journal zwei Drittel" der etwa 320 Partner das Weite gesucht - darunter auch Spitzenverdiener, denen die Vergütung gekürzt werden sollte. Die meisten Büros wurden bereits geschlossen, die verbliebene Truppe versuchte ausstehende Rechnungen einzutreiben.

Branchenkenner erwarten nun juristische Auseinandersetzungen über die Höhe der Gehälter und Boni der bestverdienenden Partner. Potenzielle Kläger sind sowohl Gläubiger als auch geringer bezahlte Partner.

Am stärksten unter der Pleite werden nun wohl die Mandanten leiden. Zwar ist es nicht ungewöhnlich, dass sie während eines laufenden Verfahrens die Kanzlei wechseln. Die Insolvenz und der massive Exodus von Dewey-Partnern erschweren vielen nun jedoch den Überblick und könnten wertvolle Zeit kosten.

Zu den wichtigsten Dewey-Mandanten gehören auch zahlreiche israelische Opfer von Hamas-Anschlägen. Mithilfe der Kanzlei hatten sie versucht, eine jordanische Bank zur Verantwortung zu ziehen. Sie steht im Verdacht, Terrororganisationen zu finanzieren. Zudem suchten Footballspieler den Rat der Kanzlei im Kampf gegen die Liga NFL. Dieser warfen sie vor, Gehaltsobergrenzen vereinbart zu haben.

Die Großkanzlei Dewey & LeBoeuf war 2007 aus den zwei alt eingesessenen New Yorker Anwaltszusammenschlüssen Dewey Ballantine LLP and LeBoeuf, Lamb, Greene & MacRae LLP hervorgegangen.

nis/rtr
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