Dienstag, 20. August 2019

Coty-Eigentümer Familie Reimann hat Deutschland verlassen

Wanderung in die Schweiz: Reimann-Familienmitglieder haben der Bundesrepublik den Rücken gekehrt

Die Industriellenfamilie Reimann, der unter anderem die Firmen Coty und Bally gehören, hat aus steuerlichen Gründen Deutschland verlassen. Die Eigentümer und deren Angehörige zogen nach Österreich, Italien und in die Schweiz. Auch die Familienholding wurde ins Ausland verlegt.

Hamburg - Die Industriellenfamilie Reimann, der unter anderem die Firmen Coty und Bally gehören, hat aus steuerlichen Gründen Deutschland verlassen. Wie das manager magazin in seiner jüngsten Ausgabe (Erscheinungstermin: 25. Mai) berichtet, zogen die vier Eigentümer und deren Angehörige bereits 2006 nach Österreich, Italien und in die Schweiz. Das bestätigte eine Vertrauensperson aus dem Umfeld der Familie. Gleichzeitig wurde die Familienholding Joh. A. Benckiser (JAB) von Ludwigshafen ins Ausland verlegt, zunächst nach Wien und kürzlich nach Luxemburg.

Der Umzug der Familiengesellschafter Renate Reimann-Haas (60), Wolfgang Reimann (59) sowie Matthias (47) und Stefan (48) Reimann-Andersen hängt zusammen mit der Erbschafts- beziehungsweise Schenkungssteuer. Sie wäre in Deutschland angefallen, weil die vier Gesellschafter Mitte der 2000er Jahre einen Teil ihres Besitzes auf ihre insgesamt zehn Kinder übertragen haben. Bei der Schenkung handelte es sich um die Kosmetikfirma Coty, die Parfümmarken wie Chloé, Cerruti oder David Beckham vertreibt.

Die Reimanns zählen mit einem Vermögen von rund zehn Milliarden Euro zu den reichsten Deutschen. Allein 2011 schüttete die JAB-Holding 171 Millionen Euro an die Sippe aus. Die Führung der JAB lag viele Jahre lang allein bei dem familienfremden Manager Peter Harf. Kürzlich wurde ein neues Führungsgremium geschaffen. Dem sogenannten Investment Committee gehören neben Harf auch Coty-Chairman Bart Becht an, sowie Olivier Goudet, bis vor Kurzem Finanzvorstand des Süßwarenherstellers Mars.

Im Mai scheiterte der Versuch der Reimanns, den Kosmetikkonzern Avon zu übernehmen und ihn mit Coty zu verschmelzen. Stattdessen will die Familie nun Coty an die Börse bringen. Mit dem Erlös aus dem Börsengang will die Sippe weitere Unternehmen im Konsumgütersektor und insbesondere in der Schönheitsbranche kaufen.

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