Die Wirtschaftsglosse Namen wie volksPhone oder volksPad böten sich an

Die Piratenpartei steht offen zu ihrem kriminellen Hintergrund und bekommt viel Zuspruch. CDU, SPD oder Grüne sowie Unternehmen wie Facebook und Apple sollten sich die Strategie am Ende des Tages zum Vorbild nehmen. 
iPhone-Verkaufsstart in China: Ein volksPhone für die Volksrepublik

iPhone-Verkaufsstart in China: Ein volksPhone für die Volksrepublik

Foto: REUTERS

Eines der Erfolgsrezepte der Piraten, da ist sich die Fachwelt weitgehend einig, ist ja deren entwaffnende Offenheit. Wo die Jungpolitiker auch auftreten, fast immer lässt sich ihre Botschaft auf drei Punkte reduzieren: Ja, wir sind Politneulinge. Ja, wir haben von den meisten Themen keine Ahnung. Und vor allem: Ja, wir sind auch kriminell.

Und das stimmt tatsächlich. Als "Piraten" bezeichnete vor einigen Jahren erstmals die Industrie jene Leute, die im Internet urheberrechtlich geschützte Filme oder Musik kopieren.

Der Begriff traf offenbar ins Schwarze, und zwar so genau, dass die Gemeinten ihn sich gleich selbst zu Eigen machten. Fortan nannten sich die illegalen Kopierer Piraten. Sie entwickelten einen Webservice, der den rechtswidrigen Austausch von Musik und Filmen unterstützt, und tauften ihn "Piratenbucht" ("The Pirate Bay"). Und sie gründeten in verschiedenen Ländern politische Arme, die Piratenparteien.

Die Idee ist nicht neu. Ein Wort mit negativer Konnotation wird von der betroffenen Gruppe aufgegriffen, um die Bedeutung ins Positive zu wenden. In diesem Fall heißt das: Die Piraten sind Straftäter und stehen auch dazu. Viele machen wie zum Beispiel der Berliner Piraten-Abgeordnete Christopher Lauer kürzlich im SPIEGEL-Streitgespräch mit dem Musiker Jan Delay keinen Hehl daraus, nach wie vor eifrig unerlaubt Inhalte im Netz zu kopieren.

Das bringt ihnen offenbar viel Zuspruch: 8,9 Prozent in Berlin, 8,2 Prozent in Schleswig-Holstein und zuletzt 7,8 Prozent in Nordrhein-Westfalen - soweit bekannt, erreicht nicht einmal die Cosa Nostra in Sizilien solche Sympathiewerte.

Da liegt die Frage nahe, warum sich nicht auch andere Parteien klarer zu erkennen geben. CDU/CSU und SPD zum Beispiel. Mal ehrlich, welcher Erstwähler mit normalem Bildungsstand kann mit solchen Kürzeln etwas anfangen? In der Klientel geht es doch nur noch um Akronyme wie ROFL oder PSP. Warum also tun sich die beiden Volksparteien nicht endlich auch formal zusammen, unter einem Namen, der präzise ausdrückt, was drin steckt. "Die Machtgeilen", zum Beispiel.

Ähnliches gilt für die anderen: Sind nicht die Grünen in Wirklichkeit längst "Die vom System korrumpierten"? Drängt sich die Umbenennung der FDP nicht geradezu auf, am besten in "Die Unklaren" oder "Die Überflüssigen"? Und wie wäre es, liebe Linke, wenn Ihr endlich offen dazu steht, dass Ihr "Die Märchenerzähler" seid?

Damit aber nicht genug: Auch viele Unternehmen könnten ihren Gewinn womöglich steigern, wenn sie ihre Kunden nicht länger für dumm verkaufen würden. Facebook beispielsweise, das heute spektakulär an die Börse geht, könnte man in Deutschland gut unter dem Label "Hilfe zur Zeitverschwendung" vermarkten.

Und Apple sollte vielleicht endlich diesen elitären Habitus ablegen und eingestehen, dass die Geräte inzwischen Mainstream sind. Produktnamen wie "volksPod", "volksPhone" oder "volksPad" böten sich an. Derzeit stieße das zwar noch an markenrechtliche Hindernisse (Volkswagen! Volksrepublik!!). Die ließen sich aber beseitigen, wenn erst die Piratenpartei an der Macht ist.

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