Mittwoch, 23. Oktober 2019

Schuldenkrise Euro-Bonds schaffen Spielräume für Wachstum

Europa versackt immer tiefer im Schuldensumpf

Zwei Jahre lang hat sich Europa aufs Sparen konzentriert. Doch allein damit ist es nicht getan, wie inzwischen auch Bundeskanzlerin Merkel erkannt hat. Bislang steckt Europa in einem Teufelskreis, aus dem es so leicht kein Entrinnen gibt.

Hamburg - Immerhin, sie reden über Wachstum: die Kanzlerin, der EZB-Chef, der französische Präsidentschaftskandidat Francois Hollande, um nur einige zu nennen. Zwei Jahre lang hat sich Europa aufs Sparen konzentriert. Weil das offensichtlicht nicht genügt, soll nun eine expandierende Wirtschaft die Schuldenmalaise kurieren und die sich verschlimmernden sozialen Probleme lösen.

Entschuldung durch Wachstum: Das ist die Hoffnung - aber sie wird enttäuscht werden. Denn ungebrochen stecken viele Euro-Nationen in einem Teufelskreis. Sie sind extrem hoch verschuldet, weshalb für Investitionen kein Raum bleibt. Wer nicht in der Lage ist zu investieren, kann nicht wachsen. Wer nicht wachsen kann, gerät immer tiefer in die Schuldenkrise. Wenn Gesellschaften in Agonie versinken, sind Offenheit, Freiheit und Demokratie gefährdet. Düstere Aussichten.

Empirische Untersuchungen legen den Schluss nahe, dass die Gesamtverschuldung (Staat, Bürger und Unternehmen) einer Volkswirtschaft nicht höher als 180 Prozent des Bruttoinlandsprodukts (BIP) sein darf. Schuldenquoten oberhalb dieses Schwellenwertes dämpfen das Wachstum, sehr hohe würgen es ab - eine Abwärtsspirale, aus der es kein Entrinnen gibt, außer durch Staatspleiten oder Inflation.

Die Fakten sind ernüchternd. Im Euro-Land liegt die durchschnittliche Gesamtverschuldung bei 260 Prozent. In Deutschland ist sie mit gut 200 Prozent nahe an der wachstumsneutralen Schwelle, in Ländern wie Spanien, Portugal, Irland und Belgien jedoch betragen die Verbindlichkeiten rund 300 Prozent und mehr.

Sparanstrengungen reißen Euro-Länder immer tiefer in die Rezession

Die Diagnose ist eindeutig: Die hohe Verschuldung bremst die wirtschaftliche Entwicklung, so dass Europa immer tiefer im Schuldensumpf versackt. Aktuell spitzt sich die Lage abermals zu. Die Sparanstrengungen führen die Euro-Zone tiefer in die Rezession. Spanien und Italien werden dieses Jahr eine Schrumpfung ihrer Wirtschaftsleistungen um annähernd 2 Prozent erleiden, schätzt der Internationale Währungsfonds (IWF). Die Arbeitslosigkeit, vor allem unter jungen Erwachsenen, erreicht destabilisierend hohe Niveaus.

Politische Rückwirkungen sind längst sichtbar. Vormals euro-enthusiastische Nationen wenden sich antieuropäischen Strömungen zu. In Frankreich, wo die zweite Runde der Präsidentschaftswahlen bevorsteht, und in den Niederlanden, wo gerade die Regierung gescheitert ist, übernehmen populistische Töne die nationale Melodiestimme. Griechenland droht nach der Wahl am kommenden Wochenende unregierbar zu werden.

Gibt es keinen Ausweg? Doch. Im vorigen Heft hat manager magazin einen Rettungsplan für den Euro veröffentlicht. Mit einem Expertenteam von der Unternehmensberatung Boston Consulting Group (BCG) zeigten wir einen Pfad auf, wie sich die Schuldenkrise im Euro-Raum lösen ließe. Zugegeben, es ist ein steiniger Weg mit atemberaubenden Steigungen, aber ein gangbarer.

Der Lösungsweg besteht in einem gemeinsamen Schuldenabbauplan der 17 Euro-Staaten. Eine Idee, die ursprünglich von den Fünf Weisen stammt. Das BCG-Team um Daniel Stelter entwickelte sie weiter, insbesondere indem sie auch private Schulden in die Überlegungen einbezogen. Ziel ist es, die Gesamtverschuldung der Euro-Volkswirtschaften auf 180 Prozent des BIPs zu senken.

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