Finanzdynastie Rothschild beugt Übernahmeattacken vor

Diese Finanzdynastie ist so legendär wie ihr Reichtum: Die Rothschilds zählen zu Europas ältesten Bankern, aktuell sind sie am Schlecker-Deal beteiligt. Dabei sorgen sie sich um ihre eigene Souveränität. Plötzlich wappnen sich die Rothschilds gegen feindliche Übernahmen.
Finanzviertel in Paris: Rothschild wappnet Holding Paris Orleans gegen Übernahmen

Finanzviertel in Paris: Rothschild wappnet Holding Paris Orleans gegen Übernahmen

Foto: DPA

Paris - Die Finanzdynastie Rothschild will die Kontrolle über das Jahrhunderte alte Bankhaus ausbauen und damit dessen Unabhängigkeit sichern. Zudem wird die Gruppe nach Institutsangaben ihr Eigenkapital erheblich stärken, um sich für die schärferen Vorschriften (Basel III) zu rüsten.

Die in Paris ansässige börsennotierte Holding Paris Orleans soll zur neuen Dachgesellschaft für die französischen und britischen Banksparten umgebaut werden, mit David de Rothschild an der Spitze. Die bisherige Aktiengesellschaft bekommt eine neue Rechtsform, die feindliche Übernahmen de facto unmöglich macht. Die Börsennotiz bleibt. Auch andere französische Familienkonzerne wie Michelin oder Hermes haben sich für eine solche Rechtsform entschieden.

Die Wurzeln der Rothschild-Familie reichen bis ins 18. Jahrhundert zurück - und zwar nach Frankfurt am Main. Damals stieg Mayer Amschel Rothschild ins Finanzgeschäft ein. Die Rothschilds entwickelten sich später zu den führenden Bankiers in Europa. Heute spielt die Gruppe mit ihren 3000 Mitarbeitern in mehr als 40 Ländern eine wichtige Rolle als Berater bei Fusionen und Börsengängen. Zudem ist sie in der Vermögensverwaltung und im Beteiligungsgeschäft aktiv, vergibt aber keine Kredite.Auch Weinkennern ist der Name ein Begriff: Der Familie gehören bis zum heutigen Tag Weingüter von Weltruf.

Die neue Gesellschaft soll nun alle Bankgeschäfte unter einem Dach vereinigen, wie die zu knapp 60 Prozent von den Rothschilds kontrollierte Holding Paris Orleans mitteilte. Hierzu sollen die Kleinaktionäre der Töchter, etwa der ansässigen Investmentbanksparte N.M. Rothschild & Sons, ausgekauft werden.

Rothschild an Schlecker-Deal beteiligt

Zudem muss nach französischem Recht den Minderheitsgesellschaftern von Paris Orleans ein Übernahmeangebot unterbreitet werden - hier bietet die Gruppe einen Aufschlag von 4,2 Prozent auf den Schlusskurs von Mittwoch. Das betrifft auch den Münchener Versicherungsriesen Allianz , der an der Holding beteiligt ist. Nach Angaben von Paris Orleans will der Konzern aber seinen Anteil behalten.

Rothschild-Banker hatte hierzulande zuletzt für Aufsehen gesorgt, weil sie bei zwei der drei größten Übernahmegeschäfte in Deutschland in den vergangenen Monaten beteiligt waren. Sie berieten ThyssenKrupp beim Verkauf der Edelstahlsparte Inoxum an den finnischen Konkurrenten Outokumpu sowie Bosch beim Kauf des US-Werkstattausrüsters SPX. In das Interesse der Öffentlichkeit aber rücken sie gerade durch ein anderes Geschäft.

Die Rothschild-Leute sind offenbar in die Sanierung der Pleitedrogeriekette Schlecker einbezogen, und sie haben dazu einen außergewöhnlichen Auftrag erhalten. Das jedenfalls signalisieren Finanzkreise hinter vorgehaltener Hand. Die Rothschild-Bank hat Schlecker-Insolvenzverwalter offenbar in Aussicht gestellt habe, eine Finanzierung für Schlecker zu erstellen - und nicht ausschließlich nach einem Käufer zu suchen. Deshalb wird der Schlecker-Fall offenbar federführend von den Spezialisten für Finanzierungsberatung (Debt Advisory) geleitet - und nicht von den Übernahmeberatern.

Heute verdichteten sich die Anzeichen, dass bei Schlecker allerdings Finanzinvestoren zum Zuge kommen werden, die den Schlecker-Erben kaum Beteiligung an dem Unternehmen lassen wollen. Das aber wäre der Sinn der Finanztransaktion gewesen, die Rothschild anscheinend zumindest ursprünglich als möglich betrachtet hatte.

Trotz des aufsehenerregenden Engagements bei Schlecker ist die Bank Rothschild im internationalen Investmentbanking ein Nischenanbieter. Anders als viele global agierenden Bankenriesen bieten sie in ihrem Investmentbanking vor allem das Beratungsgeschäft von Unternehmen bei Fusionen, Übernahmen und anderen Strategiefragen oder der Platzierung von Aktien oder Anleihen an.

So haben Rothschild-Berater auch dafür gesorgt, dass die Ruhrgebietsikone Schwing, einer der weltweit bedeutendsten Betonpumenhersteller aus Herne, bald in chinesische Hände fallen könnte - und das nur wenige Wochen, nachdem ein chinesisches Unternehmenden deutschen Betonpumpenmarktführer Putzmeister gekauft hatte. Schwing selbst hatte wohl nach einem Investor gesucht und dafür Rothschild ansprechen lassen. Im Einsatz sind Schwing-Maschinen unter anderem beim Bau des neuen Gebäudes der Europäischen Zentralbank (EZB) in Frankfurt und des One World Trade Centers in New York.

Die Rothschilds scheinen derzeit ohnehin eine Schwäche für das Geschäft mit China zu entwickeln. Ihre Weingüter in Frankreich leben mehr und mehr davon. Das Spitzenweingut Château Lafite Rothschild verkauft bereits jeden zehnten Wein dorthin. Allerdings haben die Chinesen mittlerweile nicht nur ein Auge auf französische Weine geworfen, sondern auch auf die berühmten Weingüter in Deutschlands westlichem Nachbarland: Das China-Unternehmen Cofco hat kürzlich das Château de Viaud im Anbaugebiet Lalande-de-Pomerol erstanden - für zehn Millionen Euro. Der Aufschrei in Frankreich war laut zu hören.

kst/rtr/dpa/mmo
Die Wiedergabe wurde unterbrochen.