Donnerstag, 17. Oktober 2019

Konzernbilanzen Die Steuersparer im Dax

"Walking Man" vor der Zentrale der Munich Re: Die Münchener Rück ist derzeit der größte Steuersparer im Dax - der Nettogewinn fiel mehr als viermal so hoch aus wie der vor Steuern.

Knapp 24 Prozent Ertragsteuern zahlen deutsche Unternehmen effektiv. manager magazin online hat die Bilanzen der Dax-Konzerne verglichen. Während neun von ihnen Milliarden an den Fiskus überwiesen, freuten sich andere über Gutschriften - darunter auch manche profitablen Firmen.

Hamburg - Infineon sitzt auf einem großen Schatz. Zwar verfügt der Halbleiterhersteller über die geringsten Barreserven aller Dax-Konzerne. Doch in langen Jahren der roten Zahlen haben die Münchener einen Wert angehäuft, den sie jetzt nutzen können: steuerliche Verlustvorträge von mehr als sieben Milliarden Euro. Das in Vorjahren verlorene Geld wird mit aktuellen Gewinnen verrechnet und mindert so die Steuerlast.

Als "zahlungswirksamen Steuersatz" in Deutschland nennt das Unternehmen etwa 12 Prozent statt der nominell als Körperschaftsteuer, Solidaritätszuschlag und Gewerbesteuer anfallenden 29 Prozent, weil "nur 40 Prozent der inländischen Einkünfte der Besteuerung unterliegen". Dies werde auch "so lange auf diesem Niveau bleiben, bis die steuerlichen Verlustvorträge aufgebraucht sind".

Und das kann dauern, denn so viel zu verrechnender Gewinn ist lange nicht in Sicht. Die deutschen Verlustvorträge kennen, anders als etwa in China oder den USA, kein Verfallsdatum. Als aktive latente Steuern, also wahrscheinlich nutzbare Verlustvorträge, bilanziert Infineon Börsen-Chart zeigen nur 262 Millionen Euro, immerhin fast ein Siebtel der langfristigen Vermögenswerte. Unterm Strich verbuchte Infineon für das vergangene Geschäftsjahr sogar einen "tatsächlichen Ertrag aus Steuern vom Einkommen und vom Ertrag" von 30 Millionen Euro, dank einiger Subventionen und Wertberichtigungen auf latente Steuern.

Die effektiven Unternehmensteuern sind die große Unbekannte

Infineon ist kein Einzelfall. Auch hochprofitable Konzerne wie Volkswagen Börsen-Chart zeigen weisen enorme latente Steuern aus (in diesem Fall auf der Aktivseite der Bilanz brutto fast 17 Milliarden Euro). Diese obskure Kategorie, die laut einer Studie der Beratungsgesellschaft PricewaterhouseCoopers regelmäßig den Bilanzprüfern am meisten Kopfzerbrechen bereitet und laut Betriebswirten der Universität Münster in manchen Firmen sogar das bilanzielle Eigenkapital übersteigt, ist ein zentraler Hebel der Ergebnissteuerung.

Während die politische Diskussion, beispielsweise um eine deutsch-französische oder später europäische Harmonisierung, um die nominellen Steuersätze kreist, sind die effektiven Unternehmensteuern die große Unbekannte.

manager magazin online hat die nun vorliegenden Bilanzen der Dax-Konzerne untersucht. Demnach haben die 30 Aktiengesellschaften zusammengenommen im vergangenen Geschäftsjahr (das in drei Fällen bereits im September endete) den Finanzämtern weltweit 22,3 Milliarden Euro gutgeschrieben, knapp 24 Prozent ihrer Vorsteuergewinne.

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