Dienstag, 12. November 2019

Konzernumbau Lufthansa kopiert die Billigkonkurrenz

Lufthansa: Die Baustellen des Konzerns
dpa

Für die Lufthansa war das Jahr 2011 finanziell ein Reinfall. In Sachen Konzernumbau hat sich allerdings einiges getan. Die größten Änderungen, die Konzernchef Christopher Franz vorgibt, stehen indes noch an. Für den Umbau zum Billiganbieter kämpft er mit harten Bandagen.

Hamburg - Dass die Bilanz der Lufthansa für 2011 schwach ausfallen würde, ist keine Überraschung. Schließlich musste Europas größter Luftfahrtkonzern schon im vergangenen Herbst seine Ziele kassieren. Das einst angestrebte Ziel, den 2010er-Konzerngewinn von 1,1 Milliarden Euro im Jahr 2011 noch einmal zu steigern, war schon damals kein Thema mehr. Anfang März folgte nun die Ankündigung, dass die Airline das Jahr 2011 gar mit einem Verlust von 13 Millionen Euro abschließt. Die Bilanz, die der Konzern an diesem Donnerstag vorgelegt hat, gibt nun letzte Gewissheit darüber, dass Ölpreisanstieg und Schuldenkrise den Luftfahrtkonzern schwerer getroffen haben als erhofft.

Diejenigen, die es gut meinen mit dem Lufthansa-Management, verweisen zwar darauf, dass das Unternehmen zumindest im Vergleich zu wichtigen Konkurrenten wie Air Berlin Börsen-Chart zeigen oder Air France/KLM Börsen-Chart zeigen vergleichsweise gut dasteht. Schließlich hat der Konzern im vergangenen Jahr so viele Fluggäste befördert wie nie zuvor - gut 106 Millionen Passagiere, das sind 7,5 Prozent mehr als im Vorjahr. Air Berlin, Deutschlands Nummer zwei, brachte es im vergangenen Jahr auf 35,3 Millionen Passagiere - ein Plus von vergleichsweise mageren 1,2 Prozent.

Und mit Blick auf die Finanzzahlen steht die Lufthansa Börsen-Chart zeigen nicht nur im Vergleich zur dauerdefizitären deutschen Nummer zwei gut da, sondern auch gegenüber der Nummer zwei Europas - schließlich schrieb Air France/KLM im vergangenen Jahr mit 809 Millionen Euro einen weitaus höheren Verlust als die Deutschen.

Dass Lufthansa-Chef Franz eine solche Sicht der Dinge nicht teilt, ist indes bekannt. Schließlich war er es, der im Sommer 2009 das Sparprogramm "Climb 2011", damals noch als Vorstand unter Konzernchef Wolfgang Mayrhuber, anstieß. Schon 2009 kritisierte Franz die Lufthansa als zu behäbig und teuer. Das Ziel: Eine Milliarde sollte der Konzern einsparen.

8 Prozent Rendite schaffen bislang nur Billigflieger

Mit Kostentreibern innerhalb des Konzerns verfuhr Franz, seiner Linie als Konzernchef treu, zuletzt ebenfalls rigoros. Drei Jahre nach Gründung machte er die Lufthansa Italia dicht. Die chronisch defizitäre britische Fluglinie BMI verkaufte er jüngst an die British Airways-Mutter IAG. Und bei der österreichischen AUA wurde dieser Tage nicht nur Verkaufsvorstand Andreas Bierwirth entlassen, sondern laut Süddeutscher Zeitung auch gleich ein Neustart der Airline unter dem Label der Regionaltochter Tyrolean angedacht, um den Widerstand der Gewerkschaften gegen das jüngste Sparprogramm bei den Österreichern zu brechen.

Eine weitere Stufe im von Franz vorangetriebenen Konzernumbau erläuterte der Konzernchef erstmals Anfang Februar vor rund tausend Führungskräften in Frankfurt. "Score", verkündete Franz, solle der "Climb"-Nachfolger heißen. Das Ziel diesmal: mindestens 1,5 Milliarden Euro Einsparungen pro Jahr bis 2014. Erste konkrete Maßnahmen des Sparplans veröffentlichte der Konzern vor wenigen Tagen in der Mitarbeiterzeitung "Lufthanseat". So müssen Ausgaben für Berater pauschal um die Hälfte, Kosten für Dienstreisen um ein Fünftel gekürzt werden.

Dabei wird es Franz allerdings kaum belassen. Schließlich strebt er langfristig eine operative Marge von 8 Prozent an - in den vergangenen Jahren lag sie im Schnitt bei 3 Prozent. So profitabel wie sich der Lufthansa-Chef seine Airline wünscht, waren bislang allenfalls Billigflieger wie Ryanair Börsen-Chart zeigen oder Easyjet Börsen-Chart zeigen. Deren Kosten liegen nicht zuletzt aufgrund einheitlicher Flugzeugflotten und der Nutzung abgelegener Flughäfen um bis zu 40 Prozent unter denen der traditionellen Carrier.

So ist es kein Zufall, dass die Lufthansa inzwischen jene Methoden erprobt, mit denen die Rivalen auf den europäischen Kurzstrecken seit Jahren die Margen bröckeln lassen. Testfeld für die neue Billigstrategie ist der neue Großflughafen Berlin Brandenburg. Dort plant die Lufthansa ab Sommer dieses Jahres mit Oneway-Tickets ab 49 Euro in direkten Wettbewerb mit dem Platzhirschen Air Berlin und den Billigfliegern zu treten. Vor allem Touristen sollen so gelockt werden.

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