Montag, 6. April 2020

Luftfahrt Eine Branche wird gespalten

Festhalten, es wird holprig: Die Airlines stellen sich auf ein schwieriges Jahr 2012 ein

Die Luftfahrtbranche ist traditionell margenschwach, viele Unternehmen verdienen zu wenig Geld. Das liegt nicht nur am Kerosinpreis und starker Regulierung, sondern häufig an mangelnder Innovation. 2012 drohen die  Gewinne weiter einzubrechen - und die Branche ist mehr denn je gespalten.

Hamburg - Hartmut Mehdorn gab sich begeistert, als er im vergangenen Dezember den Einstieg der arabischen Fluggesellschaft Etidad bei Air Berlin verkündete: Die strategische Partnerschaft würde dem Unternehmen "einzigartige Möglichkeiten für die Zukunft" bieten. Für rund 73 Millionen Euro stockte Etihad ihren Anteil auf fast 30 Prozent auf.

Zudem soll Air Berlin Börsen-Chart zeigen frisches Kapital erhalten, nämlich bis zu 255 Millionen Dollar mit einer Laufzeit bis Ende Dezember 2016. Air Berlin erhofft durch gemeinsame Flüge mit Etihad Einsparungen von bis zu 40 Millionen Euro pro Jahr.

Tatsächlich kann Air Berlin die Schützenhilfe gut gebrauchen: Seit vier Jahren schreibt die Airline Verluste. Doch damit ist Air Berlin nicht allein. Die meisten Airlines haben Probleme und verdienen zu wenig Geld: "Die europäischen Linienfluggesellschaften haben schwer zu kämpfen", sagt Tanja Wielgoß, Partner bei der Unternehmensberatung AT Kearney.

Das ist aber keine neue Entwicklung: "Die Branche ist traditionell schon margenschwach, viele Unternehmen machen Verluste", sagt Analyst Eric Heymann von DB Research. Wie etwa Air Berlin, Air France und andere. Unternehmen wie die Lufthansa Börsen-Chart zeigen behaupten sich, Billigflieger wie Ryanair Börsen-Chart zeigen oder Easyjet Börsen-Chart zeigen sind weiter erfolgreich: die Branche ist mehr denn je gespalten.

Passagierzahlen sind 2011 gestiegen

Einige Unternehmen haben die Verluste zuletzt nicht mehr verkraftet: Anfang Februar meldete die ungarische Airline Malev Insolvenz an. Zuletzt soll der Schuldenberg bei über 200 Millionen Euro gelegen haben. Nur wenige Tage zuvor hatte die viertgrößte spanische Airline Spanair die Zahlungsunfähigkeit erklärt. Allein im Jahr 2011 hatte die Airline einen Verlust von 115 Millionen Euro eingefahren.

Schon im vergangenen November hatte American Airways Insolvenz angemeldet. Bis dahin hatte die Airline im Geschäftsjahr 2011 einen Verlust von 884 Millionen Euro angehäuft. Besonders drückten die scharfe Konkurrenz und die hohen Kerosin-Kosten auf das Ergebnis. Zugleich wechselte die Airline den Chef aus. Gleich zu seinem Amtsantritt Ende November sagte Thomas Horton: "Das ist ein schwieriges Geschäft."

Eines scheint sicher: An fehlender Nachfrage liegt es nicht. "Das Problem sind nicht die reinen Wachstumszahlen. Tatsächlich hat sich die Nachfrage gut erholt", sagt Heymann von DB Research.

Erst kürzlich meldete der Branchenverband IATA, dass die Passagier-Zahlen 2011 gegenüber 2010 insgesamt um 5,9 Prozent gestiegen sind. Die europäischen Fluglinien konnten sogar das zweitstärkste Wachstum hinter den südamerikanischen Airlines verzeichnen. Im vergangenen Jahr stieg die Nachfrage in Europa um 9,5 Prozent. Gleichzeitig erhöhten die europäischen Airlines ihr Platzangebot um 10,2 Prozent.

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