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Übernahmeversuche: Die Fusionsmühen der Deutschen Börse

Foto: Peter Macdiarmid/ Getty Images

Fusion Deutsche Börse / NYSE geplatzt Deutschland profitiert vom Brüsseler Veto

Die Fusion der deutschen Börse mit der NYSE Euronext ist geplatzt. Damit ist der Ausverkauf des deutschen Finanzplatzes erst einmal gestoppt. Das Scheitern des Zusammenschlusses wirft einmal mehr die Frage auf, ob eine Börse überhaupt an die Börse gehört.

Das Eingeständnis kam kurz nach halb zwölf. Mit dürren Worten verkündete Reto Francioni das Aus für die Fusion der Deutschen Börse mit der New York Stock Exchange. Die Brüsseler Wettbewerbshüter wollte das Monopol, das auf dem regulierten Derivatemarkt entstanden wäre, nicht akzeptieren und verboten den Zusammenschluss.

Damit ist der Ausverkauf des deutschen Finanzplatzes erst einmal gestoppt. Der Aktienmarkt wird auch in Zukunft von Frankfurt und nicht von New York aus gesteuert und die Weiterentwicklung der elektronischen Handelssysteme findet in Deutschland und nicht in Paris statt.

Auch wenn der Börsenchef das anders sehen mag: Der Aktienmarkt ist ein Stück nationaler Infrastruktur, der nicht einfach wie eine x-beliebige Schraubenfabrik mal hier und mal dahin verschoben werden kann. Es gehört zu den Kernaufgaben der Deutschen Börse , den Kapitalmarktzugang der deutschen Industrie- und Dienstleistungsunternehmen zu sichern. Und nur aus diesem Grund hat die Deutsche Börse überhaupt ihre Betriebslizenz.

Deshalb stellt sich nach dem Scheitern der Fusion erneut die Kernfrage, die schon beim IPO der Börse nicht richtig beantwortet worden ist: Gehört eine Börse überhaupt an die Börse? Die Antwort war damals ein uneingeschränktes und grenzenloses Ja. Und das war, wie sich in den Jahren darauf herausgestellt hat, keineswegs die richtige Ansage.

Gewinne für die Aktionäre und nicht für die Infrastruktur

Gezeigt hat sich das zum ersten Mal, nachdem Francionis Vorgänger Werner G. Seifert mit dem Versuch scheiterte, die Londoner Börse zu übernehmen. Das Ergebnis war, dass eine Gruppe von Hedgefonds die Macht übernahm. In der Folge wurden die hohen Gewinne, die der regulierte Börsenbetrieb abwirft und die eigentlich nur gerechtfertigt sind, wenn damit der Ausbau der Infrastruktur vorangetrieben wird, in die Taschen der Aktionäre geleitet.

Noch viel stärker aber trat dieser Konflikt zutage als Francioni versuchte, mit der Konkurrenz in New York zusammen zu gehen. Der Fusionsvertrag war so ausgestaltet, dass die Amerikaner zwangsläufig die Kontrolle über das gemeinsame Unternehmen übernommen hätten. Die Konstruktion war so gewählt, dass die vom Börsengesetz geforderte Fortentwicklung des Aktien- und Derivatemarktes nicht mehr gewährleistet gewesen wäre. Deshalb wäre der Merger spätestens an dem für die Kapitalmarktaufsicht zuständigen hessischen Wirtschaftsminister Dieter Posch gescheitert.

Starke Verpflichtung gegenüber Mittelstand und Konzernen

Nach den Erfahrungen der vergangenen zehn Jahre muss die Antwort auf die Kapitalmarktfähigkeit der Börse deutlich differenzierter ausfallen. Ja, die Börse braucht, um die Finanzierung ihrer komplexen und teuren Handelssysteme sicher zu stellen, den Zugang zu den Kapitalmärkten. Aber: Sie ist eben auch kein normales Unternehmen, das allein den Interessen seiner Eigentümer verpflichtet ist. Die Börse hat eine mindestens ebenso starke Verpflichtung gegenüber Mittelstand und Konzernen. Und diesen Interessen muss künftig stärker Rechnung getragen werden.

Die Konsequenz der Brüsseler Entscheidung ist deshalb erst einmal eine positive. Der Börsenchef muss sich in den kommenden Jahren vor allem um seine Kernaufgabe kümmern. Und das ist nun einmal der Ausbau der Wettbewerbsfähigkeit seines Unternehmens. In dieser Hinsicht hat der Schweizer bislang nicht allzu viel zu Wege gebracht. Jetzt, da er nicht mehr vom Aufbau eines transatlantischen Imperiums abgelenkt ist, kann er sich endlich um die Aufgabe kümmern, für die er am Ende auch bezahlt wird.

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