Freitag, 23. August 2019

Budget aufgestockt Bahn investiert 49,5 Milliarden in Deutschland

Bahn-Chef Grube: Will noch mehr Geld in Züge und Schiene investieren

Es ist ein hochfliegender Plan. Bahn-Chef Rüdiger Grube will in den nächsten fünf Jahren 49,5 Milliarden Euro in den Eisenbahnverkehr in Deutschland investieren - und zudem die Managerriege der Bahn kräftig durchschütteln. Deren Gehälter sollen künftig zum Teil von der Kundenzufriedenheit abhängen.

Berlin - Die Deutsche Bahn will ihre Investitionen in Lokomotiven, Waggons und Schienenwege in den nächsten Jahren noch einmal erhöhen. Die Bruttoinvestitionen würden für die nächsten fünf Jahre um 3,5 Milliarden Euro erhöht, sagte Bahnchef Rüdiger Grube am Mittwochabend in Berlin. "Insgesamt nehmen wir von heute bis 2016 bei der Deutschen Bahn 49,5 Milliarden Euro in die Hand." Davon sollten zwei Drittel in die Infrastruktur und ein Drittel für Fahrzeuge und Qualitätsverbesserungen ausgegeben werden.

Konzernunterlagen zufolge plant die Bahn 2012 zudem trotz Schuldenkrise mit einem Rekordgewinn und will bis Ende 2013 fast 10.000 Stellen mehr haben. Die Investitionen bei der Bahn setzen sich zum einen aus Bundesmitteln sowie aus selbst erwirtschaftetem Geld zusammen. Die Schienenwege werden im Wesentlichen vom Bund finanziert, der dafür jährlich ungefähr 3,5 Milliarden Euro zur Verfügung stellt. Die zusätzlichen Investitionen bis 2016 sollen nun aber rein aus Mitteln der Bahn selbst fließen.

Eine große Rolle spielen dabei neue Fahrzeuge für den Regionalverkehr. Erste Exemplare des neuen Fernzugs ICx werden erst ab Ende 2016 erwartet. Wegen Qualitätsproblemen bei den Herstellern hatten sich hier Auslieferungen verzögert.

Die Bahn-Chef Grube will den Bahn-Vorstand zudem kräftig auf Kundenzufriedenheit trimmen. Grube sagte, die Höhe der Bonuszahlungen der Manager sei ab sofort unter anderem von der Kunden- und Mitarbeiterzufriedenheit abhängig. Diese werden regelmäßig in Befragungen ermittelt.

Boni machen größten Einkommensteil der Bahn-Vorstände aus

"Zum ersten Mal sind jetzt, und zwar für jeden Konzernvorstand, die Kundenzufriedenheit und die Mitarbeiterzufriedenheit in den Vergütungssystemen verankert worden", kündigte Bahn-Chef Rüdiger Grube am Mittwochabend in Berlin an. Die Bezahlung orientiere sich dabei an "messbaren, nachvollziehbaren Werten". "Das heißt: Jeder Konzernvorstand spürt ab sofort die Kunden- und Mitarbeiterzufriedenheit im Portemonnaie", sagte Grube.

Das könnte vielleicht zum Problem für die Vorstände werden. Eine Erhebung des Unternehmens selbst hat erst kürzlich ein verheerendes Bild der Stimmung in der Bahn-Belegschaft offenbart. Danach schieben fast 70 Prozent der Bahn-Mitarbeiter nur noch Frust im Job.

Die Bahn misst die Kundenzufriedenheit seit Jahren mit umfangreichen Umfragen unter Fahrgästen. Für die Mitarbeiter muss eine offene Erhebung erst noch gestartet werden. Denkbar ist, dass die Entwicklung der Stimmung über einen bestimmten Zeitraum als Grundlage für die Berechnung der Boni herangezogen wird. Ist die Stimmung besser, steigen sie; sinkt sie, sinken auch die Zahlungen an die Vorstände. Die Boni machen den größten Teil der Einkommen der Bahn-Vorstände aus, das Festgehalt stand 2010 für weniger als ein Drittel.

Alle Führungskräfte habe er darüber hinaus zu einem "Service-Tag" verpflichtet, sagte Grube. Mindestens einmal im Jahr sollen sie vor Ort mit den Mitarbeitern an der Basis zusammen arbeiten. "Ich persönlich verbringe künftig rund 50 Prozent meiner Zeit mit unseren Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern in den Regionen - ob im Zug, im Reisezentrum oder bei der Fahrzeuginstandhaltung", versprach Grube.

kst/apd/rtr

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