Montag, 20. Mai 2019

"Costa Concordia"-Unglück Kreuzfahrtbranche fürchtet um ihren Ruf

Havarierte "Costa Concordia" vor der Insel Giglio: Ende des Booms?

2. Teil: "Jeden Tag kann etwas passieren"

DRV-Sprecher Schäfer sieht trotz der Havarie der "Costa Concordia" keine negativen Auswirkungen auf die Branche. Kreuzfahrtschiffe gehörten zu den sichersten Verkehrsmitteln. Und: "So schlimm dieses Unglück ist, es zeigt einmal mehr, dass wir uns in einer Welt bewegen, wo jeden Tag etwas passieren kann."

Seit Jahren ragen die Wachstumskurven der Kreuzfahrtbranche steil nach oben, mit satten Zuwächsen von rund 20 Prozent. Galten Kreuzfahrten angesichts der teuren Preise lange Zeit als Nische, ist die Branche längst auf dem Weg zum Massenmarkt. Das Angebot hat sich in den vergangenen Jahren erheblich differenziert. Neben Luxusschiffen können Urlauber auch vergleichsweise preiswerte Reisen auf "Clubschiffen" buchen, immer mehr junge Leute stechen in See.

1,2 Millionen Passagiere in Deutschland buchten laut DRV 2010 eine Kreuzfahrt auf hoher See, die Zahlen für 2011 sollen im März vorgelegt werden. Das Geschäft hat sich zu einem Milliardenmarkt entwickelt, die Veranstalter von Hochseekreuzfahrten, Aida und Hapag-Lloyd, kamen 2010 auf einen Umsatz von mehr als zwei Milliarden Euro. Und die Branche erwartet noch goldenere Zeiten. "Der Markt ist noch sehr unterentwickelt in Deutschland", sagt Schäfer und verweist darauf, dass zum Beispiel in Großbritannien oder den USA viel mehr Menschen in Relation zur Gesamtbevölkerung eine Kreuzfahrt unternähmen.

Die führenden US-Reedereien derweil sind angesichts des lahmenden Wachstums auf dem Heimatmarkt auf Expansionskurs in Europa, der Kampf auch um den deutschen Markt wird härter. In den USA sitzt auch der weltweite Branchenprimus Carnival. Ende der 90er Jahre kauften die Amerikaner die traditionsreiche italienische Reederei Costa Crociere - deren Schiff "Costa Concordia" nun kenterte.

Am Messestand von Costa auf der Reisemesse CMT ist am Sonntag niemand zu sehen. Auf einer Tafel steht: "Unsere Gedanken sind bei den Opfern und ihren Angehörigen, denen wir unser tiefes Beileid und Mitgefühl aussprechen. Zurzeit setzen wir all unsere Kräfte dafür ein, die Rettungsaktion abzuschließen."

Andreas Hoenig und Anna Schürmann, dpa

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