Donnerstag, 19. September 2019

Fusion vor dem Aus Deutsche Börse zieht rote Linie

Auch alleine stark: Zentrale der Deutschen Börse in Eschborn

Der Traum von der Superbörse aus Frankfurt und New York scheint in Brüssel zu enden. Nur mit weiteren Zugeständnissen könnten die Fusionspartner die Kartellwächter besänftigen. Eher aber werden die Börsenbetreiber ihr Glück allein versuchen.

Hamburg - Für Reto Francioni wäre es ein herber Gesichtsverlust. Der Chef der Deutschen Börse hat alles auf eine Fusion mit dem New Yorker Wettbewerber NYSE Euronext gesetzt. Mit dessen Chef Duncan Niederauer musste er nun an diesem Mittwoch ausloten, wie das Projekt noch zu retten ist. Zuvor war aus mehreren Quellen durchgesickert, dass die von EU-Wettbewerbskommissar Joaquín Almunia eingesetzte Expertengruppe sich in ihrem Bericht gegen den Deal ausspricht - das macht ein endgültiges Nein aus Brüssel im Februar sehr wahrscheinlich.

"Die Kommission hat selten gegen die Empfehlung gestimmt", erklärt UBS-Analyst Arnaud Giblat. Daher sinke die Wahrscheinlichkeit, dass die seit einem Jahr geplante Fusion zustande kommt, auf 20 Prozent. Vor einem Monat hatte er die noch auf zwei Drittel beziffert.

Die Deutsche Börse will die Nachricht nicht kommentieren. Vor einer offiziellen Entscheidung der EU-Kommission sei alles Spekulation. Almunias Bedenken, zusammen würden die beiden Konzerne fast den ganzen europäischen Derivatemarkt kontrollieren, sind aber bekannt. "Wir haben umfangreiche konkrete Zugeständnisse gemacht, die genau darauf eingehen", ist aus dem Public-Relations-Team der Börse zu hören. Tatsächlich hatten die Unternehmen im November angeboten, Teile ihres Derivategeschäfts abzugeben, und das Angebot im Dezember erweitert. Noch weiter wollen sie aber nicht gehen. Das sei eine "rote Linie", heißt es aus Frankfurt.

Laut Commerzbank-Analyst Roland Pfänder käme wohl nur ein kompletter Verkauf einer der Derivateplattformen, Eurex von der Deutschen Börse oder der zu NYSE Euronext gehörenden Liffe in London, infrage, um die Wettbewerbshüter zu beruhigen. "Dann ergäben sich aber nicht mehr die Synergien für die Aktionäre und die Gewinne für Handelsteilnehmer in Form niedriger Gebühren", sagt Pfänder - der kommerzielle Sinn der Fusion wäre großteils hinfällig.

Da die Fusionspartner nichts Substanzielles mehr anzubieten haben, setzen sie auf politisches Lobbying. "Wir freuen uns darauf, die Argumente für diese überzeugende Transaktion im Rahmen der ganzen Kommission durchzusetzen", teilt NYSE Euronext mit. Die Fusion würde einen großen, liquiden und regulierten Markt in Europa schaffen und sorge so für "Stabilität, Integrität und Transparenz des europäischen Finanzmarkts". Man sehe sich im Wettbewerb zum unregulierten Over-the-Counter-Geschäft mit Derivaten, das Banken und andere Akteure unter sich betreiben.

Seite 1 von 2

© manager magazin 2012
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung