Sonntag, 15. September 2019

Flugzeugauslieferungen Airbus schlägt Boeing

A380 von Airbis: Kleine Risse an der Tragfläche

Boeing muss sich ein weiteres Mal seinem Erzrivalen Airbus geschlagen geben. Der US-Flugzeugbauer hat im vergangenen Jahr deutlich weniger Maschinen ausgeliefert als die EADS-Tochter. Für Airbus läuft allerdings auch nicht alles rund: In mehreren A380-Tragflächen wurden kleine Risse entdeckt.

Chicago/Paris/Hamburg - Der Titel des weltgrößten Flugzeugbauers geht zum das neunten Mal in Folge an Airbus. Der US-Erzrivale Boeing konnte die Zahl seiner Auslieferungen im vergangenen Jahr zwar auf 477 Maschinen steigern, wie der Konzern verkündete. Doch Airbus kommt nach Angaben aus Branchenkreisen auf mehr als 530 Jets.

Es seien bei Airbus "einige Exemplare" mehr ausgeliefert worden als ursprünglich geplant, berichten mehrere Nachrichtenagenturen übereinstimmend. Boeing dagegen erfüllte seine eigene, zuletzt noch gesenkte Planung von rund 480 Maschinen nur knapp. Im Jahr zuvor hatten 462 Maschinen die Werkshallen der Amerikaner verlassen. Airbus wird am 17. Januar genaue Zahlen verkünden.

Der Rückstand von Boeing Börsen-Chart zeigen ist letztlich aber nur ein Schönheitsfehler. "Das vergangene Jahr war eines der spannendsten und wichtigsten in der Geschichte von Boeing", erklärte Verkehrsflugzeug-Chef Jim Albaugh. Zahlreiche Großaufträge trieben die Bestellungen auf unter dem Strich 805 Stück hoch. Airbus heimste in den ersten elf Monaten dieses Jahres 1378 Bestellungen ein, davon 1307 für die verschiedenen Maschinentypen der A320.

Airbus räumt mit A320 Neo ab

Angesichts einer überalterten Flotte, schärferer Umweltauflagen, höherer Kerosinpreise und steigender Passagierzahlen in den Schwellenländern hatten die Fluggesellschaften im vergangenen Jahr massenhaft Bestellungen aufgegeben. Airbus hatte dabei mit seinem modernisierten Kurz- und Mittelstreckenjet A320 Neo mächtig abgeräumt. Boeing entschied sich daraufhin, sein eigenes Modell ebenfalls zu renovieren und als 737 Max auf den Markt zu bringen.

Nach jahrelangen Verzögerungen konnte Boeing im vergangenen Jahr auch die ersten drei Langstreckenmaschinen vom Typ 787 Dreamliner ausliefern und 13 neue Bestellungen für den Hoffnungsträger einsammeln. Binnen zwei Jahren will Boeing die Produktion nun von 2,5 auf zehn Maschinen im Monat hochschrauben. Airbus' Gegenentwurf A350 ist noch in der Entwicklung.

Dafür konnte Airbus den Kreisen zufolge mit seinem Großraumflugzeug A380 punkten: Insgesamt 26 dieser Langstreckenmaschinen wurden im vergangenen Jahr ausgeliefert, womit das Unternehmensziel von 25 Maschinen übertroffen wurde.

Risse in A380-Tragflächen

Allerdings gerät die EADS-Tochter Börsen-Chart zeigen mit ihrem Riesenflieger auch immer wieder in die negativen Schlagzeilen: So wurden an mehreren A380 Risse in Tragflächenteilen entdeckt. Die kleinen Fehler beschränkten sich allerdings auf bestimmte Elemente, die die Flugsicherheit nicht beeinträchtigten, wie ein Airbus-Sprecher versicherte. Die Flugzeuge könnten bei den alle vier Jahre vorgesehenen Wartungsprüfungen repariert werden. Die Ursache der Risse sei material- und prozessbedingt.

Die australische Tageszeitung "The Sydney Morning Herald" hatte im Internet über die an insgesamt fünf A380-Flugzeugen entdeckten Risse berichtet. Sie sollen weniger als ein Zentimeter lang und mit dem bloßen Auge kaum zu sehen sein. Betroffen sind nach bisherigen Angaben die Fluggesellschaften Qantas und Singapore Airlines sowie drei Testflugzeuge.

Der erste Riss war an der A380 aufgefallen, die im November 2010 einen schweren Triebwerkschaden hatte. Zunächst war deswegen von einem Zusammenhang ausgegangen worden. Bei Qantas-Flug QF32 war kurz nach dem Start in Singapur in einem Triebwerk Öl ausgelaufen und in Brand geraten. Teile stürzten zu Boden. Die Piloten schafften eine Notlandung, die 469 Menschen an Bord kamen mit dem Schrecken davon.

cr/mg/dpa-afx/dpa/afp

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