Deutsche Börse/NYSE Börsen verlängern Frist für Fusion

Ursprünglich sollte die Fusion bis Jahresende unter Dach und Fach sein, aber dass daraus nichts wird, ist schon lange klar. Jetzt haben die Deutsche Börse und die NYSE Euronext die Frist für ihren geplanten Zusammenschluss offiziell bis zum Ende des ersten Quartals 2012 verlängert.
Börse in Frankfurt: Die Fusion mit der NYSE steht nach wie vor auf der Kippe

Börse in Frankfurt: Die Fusion mit der NYSE steht nach wie vor auf der Kippe

Foto: dapd

Frankfurt am Main - Die Deutsche Börse und die NYSE Euronext haben die Frist für ihren geplanten Zusammenschluss offiziell bis zum Ende des ersten Quartals 2012 verlängert. Die US-Börsenaufsicht SEC sei darüber vor Weihnachten informiert worden, sagte ein Sprecher der Deutschen Börse am Mittwoch in Frankfurt und betonte, dass es sich um eine "formale Bekanntmachung" handele. Der 31. März 2012 ist - wie mehrfach berichtet - den Fusionsvereinbarungen vom Februar 2011 zufolge der letztmögliche Zeitpunkt, an dem sämtliche Genehmigungen der mehr als 40 in den Prüfungsprozess involvierten Wettbewerbs-, Aufsichts- und Regulierungsbehörden vorliegen müssen. Sollte dies nicht der Fall sein, verliert das Fusionsangebot seine Gültigkeit.

Ursprünglich sollte die Fusion bis Jahresende unter Dach und Fach sein. Allerdings hatten vor allem Wettbewerbsbedenken der EU-Kommission mehrfach Nachbesserungen bei den Zugeständnissen der beiden Börsen zur Folge. Dadurch verlängerte sich die Prüfungsfrist der EU zuletzt bis zum 9. Februar des neuen Jahres.

Nach den Worten von EU-Wettbewerbskommissar Joaquin Almunia soll "Ende Januar, Anfang Februar" das Urteil über den Zusammenschluss gefällt werden. Das hessische Wirtschaftsministerium als Aufsichtsbehörde für den Börsenplatz Frankfurt äußerte sich zudem ebenfalls inzwischen mehrfach kritisch. Der zuständige Wirtschaftsminister Dieter Posch (FDP) sorgt sich zunehmend um die Weiterentwicklung der Deutschen Börse am Standort Frankfurt.

Die Fusion steht zunehmend auf Messers Schneide. Ein Scheitern des Vorhabens wird längst in Erwägung gezogen und von Analysten zunehmend in ihre Bewertungsmodelle einkalkuliert. Der größte Stein des Anstoßes bleibt das sogenannte Derivate- oder Termingeschäft der beiden Börsen. Die EU-Wettbewerbshüter stören sich vor allem daran, dass der neue Konzern 90 Prozent dieses börslichen Geschäfts in Europa beherrschen würde. Derivate sind von anderen Werten wie Aktien, Rohstoffen oder Währungen abgeleitete Produkte oder vereinfacht gesagt, Wetten auf die Entwicklung von etwa Aktien, Rohstoffen oder Währungen.

Die zwei Börsen hingegen führen als Argument für sich an, dass ihr Marktanteil - rechnet man den außerbörslichen Derivatehandel in Europa dazu (also etwa den Derivatehandel zwischen Finanzinstituten untereinander) - gerade einmal rund 15 Prozent beträgt.

Das US-Justizministerium hingegen hat den Zusammenschluss vor wenigen Tagen unter der Auflage gebilligt, dass die Deutsche Börse ihre über die US-Börsentochter ISE gehaltene Beteiligung von 31,5 Prozent an Direct Edge abgeben müsse. Sonst, so fürchten die US-Wettbewerbshüter, könnte die neue Megabörse zu mächtig werden, denn Direct Edge ist laut des US-Justizministeriums die viertgrößte Börse in den USA.

cr/dpa-afx