Aufschwungergebnis Weniger Firmenpleiten im zweiten Jahr in Folge

Deutschlands Wirtschaft hält sich trotz Euro-Krise noch wacker. Entsprechend ist die Zahl der Firmenpleiten im laufenden Jahren nach Angaben von Creditreform erneut gesunken. Die Privatinsolvenzen aber könnten bald kräftig zunehmen - wegen einer möglichen Gesetzeserleichterung.
Demonstration bei Manroland: Größe Unternehmenspleite in Deutschland im Jahr 2011

Demonstration bei Manroland: Größe Unternehmenspleite in Deutschland im Jahr 2011

Foto: dapd

Neuss - Die Wirtschaftsauskunftei Creditreform hat den Trend bestätigt: Aufgrund der aktuell noch vergleichsweise robusten Wirtschaftsentwicklung hierzulande, machen mittlerweile weniger Unternehmen als noch vor einigen Jahren Pleite. Die Zahl der Unternehmensinsolvenzen in Deutschland ging in 2011 somit im zweiten Jahr in Folge zurück - diesmal um kräftige 6 Prozent auf 30.200.

Zum Vergleich: Im Krisenjahr 2009 hatte die Zahl noch 10 Prozent höher gelegen. Die stärksten Rückgange bei den Pleitezahlen gab es 2011 in der Industrie und im Handwerk, am schwächsten sank die Zahl bei den Dienstleistern. Der Trend wird auf deutschland hochgerechnet nach Expertenangaben auch nicht durch die zuletzt bekannt gewordenen spektakulären Pleiten von Manroland und den beiden Solarunternehmen Solon (Kurswerte anzeigen) und Solar Millennium (Kurswerte anzeigen)gebrochen.

Dagegen könnte die Zahl der Privatinsolvenzen hierzulande im kommenden Jahr deutlich zulegen. Und das, obwohl die Arbeitslosigkeit in der Bundesrepublik nach Expertenmeinung auch im kommenden Jahr weiter sinken werde, wie heute auch l Bundesarbeitsministerin Ursula von der Leyen (CDU) betonte. Die womöglich hochschnellende Zahl der Privatinsolvenzen hat dann auch weniger mit der wirtschaftlichen Entwicklung hierzulande zu tun, als mit einer möglichen Gesetzesänderung, glaubt Creditreform.

Sollte die Bundesregierung im Insolvenzrecht die sogenannte Wohlverhaltensperiode wie aktuell diskutiert von sechs auf drei Jahre verkürzen, "wäre das sicher der Startschuss für viele Privatinsolvenzverfahren", sagte Creditreform-Sprecher Michael Bretz. Nach seinen Angaben zögerten momentan viele Verbraucher ihre Privatinsolvenz in der Hoffnung auf eine baldige Gesetzesänderung hinaus: Komme die Reform 2012 wie erwartet, könne die Gesamtzahl der Verfahren im Laufe des Jahres um bis zu 15 000 steigen. "das wäre dann der höchste Stand seit Einführung der Regelung 1999", sagte Betz.

Sollte die Reform nicht kommen, werde die Zahl der Privatinsolvenzen wohl auf dem Stand des abgelaufenen Jahres (rund 103.000) stagnieren oder nur leicht steigen, erwartet Creditreform. Die Zahl der Privatinsolvenzler speist sich aus der Gruppe der überschuldeten Bundesbürger, die derzeit rund 6,4 Millionen Erwachsene umfasst, knapp 100.000 weniger als im Vorjahr.

kst/dpa
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