Solarbranche Auch Solar Millennium ist insolvent

Wenige Tage nach dem Berliner Solarzellenhersteller Solon hat auch der Solarkraftwerkshersteller Solar Millennium seine Zahlungsunfähigkeit bekanntgegeben. Fehlende Investoren in Spanien sowie Verzögerungen beim Verkauf des US-Geschäft hatten zuvor die Lage verschärft. Die Aktie stürzt ab.
Solaranlage von Solar Millenium: Für das Kraftwerk in Spanien gibt es noch keinen Investor

Solaranlage von Solar Millenium: Für das Kraftwerk in Spanien gibt es noch keinen Investor

Foto: A9999 Solar Millenium/ dpa

Erlangen - Das Unternehmen habe am Mittwoch Insolvenzantrag beim Amtsgericht Fürth gestellt, teilte Solar Millennium mit. Begründet wird der Schritt damit, dass zwei Großprojekte bisher nicht abgeschlossen werden konnten und dies zu Zahlungsschwierigkeiten führte. Wenige Tage zuvor hatte bereits das Berliner Solarunternehmen Solon Insolvenzantrag gestellt.

Zum einen habe es Verzögerungen beim Verkauf des US-Geschäfts an die Solarhybrid AG aus dem Sauerland gegeben. Zwar seien wesentliche Verträge unterschrieben worden, allerdings sei nach einer ersten Zahlung kein weiteres Geld mehr geflossen. "Der Verkauf ist bisher nicht abgeschlossen worden", erklärte Solar-Millennium-Sprecher Hans Obermeier. Das habe "gravierende Auswirkungen" auf die Zahlungsfähigkeit der Solar Millennium (Kurswerte anzeigen). Die Aktie des Unternehmens brach am Mittwoch zeitweise um mehr als 50 Prozent ein.

Hinzu komme, dass für das Projekt Ibersol bisher kein Investor gefunden worden sei. Das Solarthermie-Kraftwerk hätte bis Ende 2013 in Spanien errichtet werden sollen.

"Beide Projekte sind damit aber nicht hinfällig", sagte Obermeier. Inwiefern sie unter einem Insolvenzverwalter abgeschlossen werden können, konnte der Sprecher nicht sagen. Wer vorläufiger Insolvenzverwalter von Solar Millennium wird, soll noch am Mittwoch bekannt werden.

Utz Claassens Millionenrechnung

Das Erlanger Unternehmen war in den vergangenen Monaten mehrmals in die Schlagzeilen geraten, unter anderem, weil Ex-Vorstandschef Utz Claassen für seine nur 74 Tage dauernde Amtszeit Schadenersatz in Millionenhöhe vom Unternehmen fordert, Solar Millennium umgekehrt dessen Antrittsprämie in Höhe von rund neun Millionen Euro zurück haben will. Ein entsprechendes Zivilverfahren ist noch nicht abgeschlossen.

Mitte September hatte dann Firmengründer Hannes Kuhn sein Mandat als Aufsichtsrat niedergelegt, Anfang Oktober folgte der Vorstandsvorsitzende Christoph Wolff. Von der Insolvenz sind laut Unternehmenssprecher Obermeier rund 60 Mitarbeiter betroffen.

Auf dem US-Markt lagen einst ganz große Hoffnungen der Erlanger. Doch im August mussten sie bereits einen unerwarteten Technologiewechsel für das Prestigeprojekt in der kalifornischen Wüste ankündigen. Statt mit der selbstentwickelten Parabolrinnentechnik sollte das Sonnenkraftwerk nun in konventioneller Photovoltaiktechnik errichtet werden.

Im Oktober kündigte das Management dann an, sich komplett aus den USA zurückziehen und die dortigen Projekte an das Unternehmen Solarhybrid aus dem sauerländischen Brilon verkaufen zu wollen.

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