Hugo Boss Gelernt, mit der Verunsicherung zu leben

Hugo Boss will den hohen Bekanntheitsgrad der Marke durch eine ehrgeizige Wachstumsstrategie in Amerika und Fernost mit Umsatz unterlegen. Sorgen über die Konjunktur macht sich Vorstandschef Claus-Dietrich Lahrs offenbar überhaupt nicht. Auch nicht über den Aktionärskreis. 
Von Cornelia Knust
Boss-Chef Lahrs: "Ich denke Permira wird sich das mit Freude ansehen"

Boss-Chef Lahrs: "Ich denke Permira wird sich das mit Freude ansehen"

Foto: DPA

München - Der Herrenmodehersteller Hugo Boss aus Metzingen lässt sich von den jüngsten Rezessionsprognosen für das europäische Ausland nicht beeindrucken. Vorstandschef Claus-Dietrich Lahrs sieht keinen Anlass, besonders vorsichtig mit den Erwartungen für 2012 zu sein.

Zwar hat das Unternehmen (zwei Milliarden Euro Umsatz) noch keine Prognose für das nächste Jahr ausgegeben, doch im Club Wirtschaftspresse München gab sich Lahrs optimistisch. Die konjunkturelle Verlangsamung sei in seinem Geschäft bei weitem nicht so spürbar, wie das in den Medien dargestellt werde. Selbst der US-Markt laufe "deutlich besser als man liest".

In Europa koppele sich Boss  selbst in schwierigen Märkten wie Spanien von der allgemeinen Entwicklung ab und verdränge als Marke mit weltweitem Renommee die lokalen Anbieter.

"Die Menschen haben begonnen, mit der Verunsicherung zu leben", sagte Lahrs. "Sie haben sich an eine gewisse Vorsicht im Umgang mit der gesamtwirtschaftlichen Situation gewöhnt". Diese Vorsicht hält sie offenbar nicht davon ab, teure Anzüge zu kaufen oder andere gehobene Konsumgüter.

Wette auf politische Stabilität

In seinen Erwartungen vertraut der Vorstandschef auch auf eine politische Stabilität: "Die Einheitlichkeit des Währungsraums bleibt erhalten", sagte Lahrs. Den eigentlichen Aufschwung will Boss bis 2015 aber in Asien und Amerika nehmen, wo der Konzern mit eigenen Einzelhandelsgeschäften kräftig expandieren möchte.

Von den drei Milliarden Euro Umsatz, die er im Jahr 2015 erzielen will, sollen nur noch 50 Prozent auf Europa entfallen, mehr als 20 Prozent auf Asien, der Rest vor allem auf Amerika. Hohe Investitionen fließen in den Ausbau dieses Retail-Geschäftes, im kommenden Jahr aber auch in ein neues Lager im Großraum Metzingen.

Lahrs, der lange für französische Luxusgüterkonzerne gearbeitet hat und Boss seit 2008 führt, räumte ein, dass die neue Strategie, rund die Hälfte des Geschäfts in eigenen Läden zu machen, ein höheres Risiko birgt. Sie ermögliche aber auch ein Mehr an Bruttomarge und ein bessere Kenntnis über das Verhalten des Kunden und seine Wünsche.

In den neuen Märkten sei eine Expansion mangels bestehender Infrastruktur überhaupt nur über eigene Geschäfte möglich. In Deutschland, wo die Fachhandelsdichte sehr hoch sei, werde Boss nur sehr behutsam eigene Geschäfte eröffnen; bislang gebe es zwölf.

Keine Ausstiegspläne bei Permira

Den Finanzinvestor Permira, der die Mehrheit an Boss hält, scheint das höhere Risiko dieser Unternehmenspolitik nicht zu stören. Lahrs sagte, ein Finanzinvestor habe kein Problem, solange die Wachstumsstrategie nicht auf Kosten der Rendite stattfinde und solange das höhere Risikoprofil des Unternehmens durch ein höheres Risikobewusstsein des Managements begleitet werde.

Dass Permira jüngst einige Prozentpunkte des Engagements über die Börse verkauft hat, sieht Lahrs nicht als den Beginn eines Ausstiegs des Investors. Der hatte sich 2007 an Boss beteiligt, was Lahrs' Vorgänger Bruno Sälzer schon 2008 veranlasste, nach München zu Escada zu wechseln. Zu Unterschieden im Führungsstil zwischen Sälzer und ihm äußerte Lahrs sich sehr zurückhaltend. "Jeder ist anders", sagte er nur und setzte lediglich kleine Spitzen in Richtung Vorgänger.

Er selbst sei angetreten, die Wachstumsstrategie nicht nur anzukündigen, sondern auch umzusetzen. Im Unternehmen herrsche jetzt ein höheres Verantwortungsbewusstsein für die Prozesse und eine "andere Ernsthaftigkeit". Es werde zügiger gearbeitet. Zwischen richtunggebender Autorität aus der Zentrale und dem Aufnehmen der Informationen aus den Stützpunkten draußen herrsche jetzt eine "gute Mischung". Die Begeisterung für die Mode und die gute Stimmung hätten dennoch nicht gelitten.

Lahrs rechnet offenbar damit, dass Permira bei der Stange bleibt, bis die Ziele für 2015 abgearbeitet sind und das Unternehmen die damit verbundene Wertsteigerung zeigt: "Ich denke Permira wird sich das mit Freude ansehen".

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