Griechenland Talanx lehnt Schuldenschnitt ab

Die Talanx will sich am Schuldenschnitt für Griechenland nicht beteiligen. Mit der Versicherungsgruppe stellt sich erstmals ein Großinvestor aus Deutschland gegen den Kompromiss, demzufolge private Gläubiger auf die Hälfte ihrer Forderungen verzichten sollen. Viel zu verlieren hat die Talanx aber nicht.
"Ich würde also auf Geld verzichten, das anderen gehört": Herbert Haas, Vorstandschef der Talanx-Versicherungsgruppe, lehnt eine Beteiligung seines Konzerns am Schuldenshcnitt für Griechenland ab

"Ich würde also auf Geld verzichten, das anderen gehört": Herbert Haas, Vorstandschef der Talanx-Versicherungsgruppe, lehnt eine Beteiligung seines Konzerns am Schuldenshcnitt für Griechenland ab

Foto: Julian Stratenschulte/ picture alliance / dpa

Hannover/Berlin - Der freiwillige Schuldenschnitt der Finanzbranche für Griechenland soll ohne die drittgrößte deutsche Versicherungsgruppe Talanx zustande kommen. In einem Interview der Tageszeitung "Die Welt" (Samstag) schloss Vorstandschef Herbert Haas die Teilnahme seines Konzerns an einem Erlass der Verbindlichkeiten für das hoch verschuldete Land aus.

"An der jetzt geplanten Gläubigerbeteiligung werden wir uns nicht beteiligen. Warum sollte ich freiwillig auf etwas verzichten?", sagte der Talanx-Chef.

Nach Informationen des Blattes stellt sich damit erstmals ein großer institutioneller Investor aus Deutschland ausdrücklich gegen den Kompromiss, den die EU-Staaten mit dem internationalen Bankenverband IIF ausgehandelt haben. Dabei war vereinbart worden, dass private Gläubiger auf die Hälfte ihrer Forderungen gegenüber Griechenland verzichten. Dies könnte Folgen für die Talanx-Aktionäre und für die Versicherten haben, erklärte Haas zur Begründung.

Ein Ausfall der Forderungen bedeute weniger Zinsen für die Policen. "Ich würde also auf Geld verzichten, das anderen gehört", sagte Haas. Es wundere ihn, "wie bereitwillig" sich manche Konkurrenten aus der Branche am Schuldenschnitt beteiligen wollten.

Die Talanx-Gruppe ist allerdings kaum noch in griechischen Staatsanleihen investiert. "Nach Abschreibungen stehen die Papiere noch mit sechs Millionen Euro in den Büchern", sagt Konzernsprecher Thomas von Mallinckrodt auf Anfrage von manager magazin Online. Ende September dieses Jahres waren es noch rund 15 Millionen Euro.

Der Talanx-Chef forderte erneut eine entschlossenere Politik der Euro-Länder in der Staatsschuldenkrise. Nötig sei eine stärkere Transfer- und Fiskalunion innerhalb des Euro-Währungssystems. Das Mandat der Europäischen Zentralbank müsse zudem breiter angelegt werden und sich nicht nur auf die Inflationsbekämpfung konzentrieren.

Der Talanx-Konzern ist mit Prämieneinnahmen von knapp 23 Milliarden Euro für 2010 die drittgrößte deutsche Versicherungsgruppe. Der Talanx-Konzern arbeitet als Mehrmarkenanbieter in der Versicherungs- und Finanzdienstleistungsbranche. An der Spitze steht die Talanx AG, die selbst jedoch nicht im Versicherungsgeschäft tätig ist. Alleiniger Aktionär der Talanx AG ist der HDI, ein Versicherungsverein auf Gegenseitigkeit.

Die Konzerngesellschaften arbeiten unter verschiedenen Marken. Dazu zählen unter anderem HDI und HDI-Gerling mit Versicherungen für Privat- und Firmenkunden sowie Industriekunden oder die Hannover Rück, der weltweit drittgrößte Rückversicherer.

rei/dpa
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