Deutsche Börse/NYSE Fusionspartner machen Zugeständnisse

Um ihre Fusion zur weltgrößten Börse zu retten, bieten Deutsche Börse und NYSE Euronext der EU-Kommission weitreichende Zugeständnisse an. Sie bieten einen Verzicht auf Geschäftsteile im Derivatehandel an. Das soll die Kartellwächter besänftigen.
New Yorker Aktienhändler: Langer Weg zur Börsenfusion

New Yorker Aktienhändler: Langer Weg zur Börsenfusion

Foto: SPENCER PLATT/ AFP

Frankfurt am Main - Die Deutsche Börse teilte am Freitag mit, dass sie einen Vorschlag über Abhilfemaßnahmen bei der Generaldirektion Wettbewerb der Europäischen Kommission eingereicht haben. Durch die Maßnahmen sollen bestehende Überschneidung bei Derivaten auf europäische Einzelaktien beseitigt und damit der Wettbewerb im Bereich der europäischen Zins- und Aktienindex-Derivate sichergestellt werden.

Im Segment Derivate auf europäische Einzelaktien wollen sich die beiden Fusionspartner von den sich überschneidenden Teilen ihres jeweiligen Geschäfts trennen. NYSE Euronext  würde ihr gesamtes europäisches Geschäft mit Derivaten auf Einzelaktien einschließlich Bclear abgeben - mit Ausnahme des Options-Geschäfts in ihren Heimatmärkten. Dort würde die Deutsche Börse  ihre entsprechenden Aktivitäten abgeben.

Bei den europäischen Zins- und Aktienindex-Derivaten bieten Deutsche Börse und NYSE Euronext an, Drittparteien einen Zugang zu Eurex Clearing für innovative Produkte im Derivatebereich zu gewähren.

Öffnung könnte den Umsatz sogar steigern

Die Zustimmung der Europäischen Kommission gilt als größte Hürde auf dem Weg zu der neun Milliarden Dollar (rund 6,7 Millionen Euro) schweren transatlantischen Börsenfusion. Vor einigen Wochen hatte EU-Wettbewerbskommissar Joaquín Almunia seine Sorge geäußert, dass die daraus hervorgehende Superbörse den Derivatemarkt in Europa monopolisieren könnte. Brüssel wird den Zusammenschluss nach Angaben aus EU-Kreisen deshalb wohl nur unter Auflagen genehmigen.

Die Entscheidung der EU-Kommission dürfte sich jetzt ins neue Jahr verschieben. Die Prüfungsfrist verlängert sich durch die neuen Vorschläge den Angaben zufolge bis 23. Januar 2012. Eigentlich wollten Deutsche Börse und NYSE Euronext ihren Zusammenschluss spätestens Ende 2011 unter Dach und Fach haben.

Zu Handelsbeginn verlor die Aktie der Deutschen Börse gut 2 Prozent und war damit schwächster Wert im Dax, grenzte ihre Verluste später aber wieder ein. Ein Händler kommentierte die Schritte jedoch skeptisch: "Die Frage ist, ob die Zugeständnisse weitreichend genug sind. Die EU hat schwere Bedenken gerade gegen ein gemeinsames Derivategeschäft der beiden Börsenbetreiber."

Analyst Christan Muschick von Silvia Quandt Research sieht mit den Zugeständnissen in der Tat die Hauptbedenken der Wettbewerbshüter adressiert. Auf die Gewinn- und Verlustrechnung hätten die angebotenen Maßnahmen kaum Einfluss, und sie sollten auch die Wettbewerbssituation nur geringfügig schwächen - wenn überhaupt. Die Öffnung der Eurex-Plattform könne sogar zu mehr Umsatz führen.

ak/rtr/dpa-afx
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