Gribkowsky-Prozess Zeuge Cordes bestätigt Formel-1-Pläne

Metro-Chef Eckhard Cordes ist als Zeuge im Prozess gegen den früheren BayernLB-Vorstand Gerhard Gribkowsky aufgetreten. Cordes hatte als ehemaliger Mercedes-Manager Wissen zur Rennsportserie Formel 1 beizutragen.
Formel-1-Sieger Michael Schumacher 2004 in Spa: Die Hersteller planten damals den Abschied von der Rennserie

Formel-1-Sieger Michael Schumacher 2004 in Spa: Die Hersteller planten damals den Abschied von der Rennserie

Foto: dpa/dpaweb

München - Der Prozess um Schmiergeldzahlungen beim Formel 1-Verkauf gegen den ehemaligen BayernLB-Vorstand Gerhard Gribkowsky ist am Montag mit der Vernehmung ehemaliger Automanager fortgesetzt worden. Der frühere Leiter der Mercedes Car Group und heutige Chef des Handelskonzerns Metro , Eckhard Cordes, bestätigte den Richtern, dass es im Jahr 2004 Überlegungen der Autohersteller für eine Konkurrenzveranstaltung zur Formel 1 gab.

Cordes sprach von "sehr konkreten" Plänen, die "natürlich Einfluss auf die Werthaltigkeit" der traditionellen Formel 1 gehabt hätten. "Es ist richtig, dass das nicht nur eine Idee am Schreibtisch war", sagte er als Zeuge vor dem Landgericht München. Seine Beziehung zu Gribkowsky bezeichnete er als "angenehmes, persönliches Verhältnis".

Hintergrund der Pläne sei gewesen, dass es immer wieder Diskussionen mit Formel 1-Chef Bernie Ecclestone gegeben habe. "Die Hersteller waren unzufrieden mit der Einnahmenverteilung." Nach Cordes sollte der frühere BMW-Vorstand Burkhard Göschel als Zeuge zu dem Thema befragt werden.

Auch der frühere DaimlerChrysler-Vorstand Jürgen Hubbert hatte als Zeuge in dem Prozess bereits von dem Konkurrenzprojekt Grand Prix World Championship berichtet, das den Teams der Autohersteller mehr Rechte einräumen sollte als die Formel 1. Im Februar 2005 hatten Hubbert zufolge alle Teams mit Ausnahme von Ferrari ihren Wechsel unterschrieben. Für die BayernLB hätte das Projekt vermutlich einen massiven Wertverlust ihrer Anteile an der Formel 1 bedeutet.

Gribkowsky verkaufte sie jedoch im Jahr 2006 zu einem Preis von 840 Millionen Dollar an den britischen Investor CVC und erzielte damit wesentlich mehr Geld als erhofft. Er steht wegen Untreue und Bestechlichkeit vor Gericht, weil er bei dem Geschäft 44 Millionen Dollar Bestechungsgeld von Ecclestone kassiert haben soll.

ak/dpa-afx/dapd