Bilanzskandal Staatsfonds GIC lässt Olympus fallen

Für den japanischen Kamerahersteller wird die Lage immer brenzliger. Nachdem der Konzern zugab, seine Bilanzen gefälscht zu haben, zieht nun auch der Großinvestor GIC aus Singapur die Reißleine. Die Tokioter Börse droht mit dem Entzug der Lizenz.
Dicke Luft bei Olympus: Die Aktie fiel auf ein 16-Jahres-Tief

Dicke Luft bei Olympus: Die Aktie fiel auf ein 16-Jahres-Tief

Foto: Toru Hanai/ REUTERS

Singapur - Der Großinvestor aus Singapur hat wegen des Bilanzskandals bei Olympus fast alle seine Aktien des Kameraherstellers verkauft. Grund sei das mutmaßliche Fehlverhalten bei Olympus, erklärte der Fonds am Samstag.

Im Frühjahr besaß GIC noch 2,17 Prozent der Olympus -Aktien. Der Kameraproduzent räumte am Dienstag ein, über Jahrzehnte Verluste aus Wertpapier-Geschäften verheimlicht und falsch verbucht zu haben. Dabei könnte es um fast 1,5 Milliarden Dollar gehen. Experten stellen sogar die Zukunft des Konzerns infrage. Die Tokioter Börse droht mit dem Entzug der Lizenz.

Der Konzern gestand, seit den 90er Jahren angehäufte Investmentverluste mit Hilfe von Übernahmen verschleiert zu haben. Ein Manager muss sofort gehen, die Aktie stürzte zeitweise auf den tiefsten Stand seit 16 Jahren ab. Seit Ausbruch der Affäre verlor sie mehr als zwei Drittel ihres Werts.

Die milliardenschweren Zukäufe standen im Mittelpunkt, seit der geschasste britische Firmenchef Michael Woodford sie Mitte Oktober öffentlich kritisiert hatte. Woodford sagte, er sei gefeuert worden, nachdem er Fragen zu den Deals stellte und sie untersuchen ließ. Das Unternehmen hatte die Übernahmen erst vehement verteidigt, dann unter dem Druck von Aktionären aber doch eine unabhängige Kommission mit der Prüfung beauftragt.

Unter anderem die außergewöhnlich hohen Zahlungen an einen Finanzberater beim Kauf des britischen Medizintechnikspezialisten Gyrus vor einigen Jahren seien Teil der Bilanzfälschung gewesen, teilte Olympus Chart zeigen jetzt mit. Damals flossen dem Berater vor allem über den Rückkauf eines Aktienanteils insgesamt 687 Millionen Dollar zu - rund ein Drittel des Gyrus-Übernahmepreises von 1,92 Milliarden Dollar.

Bisher versuchte Olympus, eine plausible Erklärung für den Geldregen an den heute nicht mehr auffindbaren Berater zu liefern: Man habe sich erst nachträglich entschlossen, Gyrus zu 100 Prozent zu übernehmen und habe deshalb den als Teil des Honorars gewährten Anteil zurückkaufen müssen. Da die Beraterfirma einen Sitz in den USA hatte, ermittelte inzwischen laut Medienberichten sogar das FBI.

Firmenpatriarch gibt Vorsitz des Verwaltungsrats ab

Auch bei den von Woodford angeprangerte Zukäufen dreier kleinerer japanischer Spezialanbieter medizinischer Ausrüstung für insgesamt 73,4 Milliarden Yen (680 Millionen Euro) seien Verluste versteckt worden, räumte Olympus jetzt ein. Das Unternehmen entschuldigte sich bei Anlegern und Partnern, Vizepräsident Hisashi Mori muss gehen.

Brisante Fragen dürfte es jetzt auch zur Rolle des Firmenpatriarchen Tsuyoshi Kikukawa geben. Er war von Woodford zum Rücktritt aufgefordert worden und ließ stattdessen den Briten vor die Tür setzen. "Sie haben mir gesagt, ich soll mir einen Bus zum Flughafen nehmen", beschwerte sich Woodford in einem Interview.

Unter Anlegerdruck gab Kikukawa inzwischen bereits den Vorsitz des Verwaltungsrates ab. Der neue Firmenchef Shuichi Takayama betonte am Dienstag, Woodford werde nicht zurückkehren. Er habe erst am Montagabend von Kikukawa und Mori von der Bilanzfälschung erfahren, sagte Takayama in Tokio laut einem Bericht der Nachrichtenagentur Kyodo. Er behalte sich vor, Anzeige zu erstatten.

Olympus ist bei Verbrauchern vor allem als Kamerahersteller bekannt, die Medizintechnik macht inzwischen aber den Großteil des Geschäfts aus.

mh/Reuters/dpa
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