Sonntag, 20. Oktober 2019

Munich Re Unter schwierigsten Bedingungen

Nächster Großschaden im Anmarsch: Überflutungen in Thailands Hauptstadt Bangkok

Naturkatastrophen, hohe Abschreibungen: Die Münchener Rück hat in diesem Jahr wenig Glück gehabt. Der Rückversicherer pflegt aber sein Image als Fels in der Brandung. Amerikanische Rechnungslegung sei ja eine hübsche Sache, doch was zähle, sei die langfristige Balance im Geschäft. 

München - Die Munich Re Börsen-Chart zeigen positioniert sich als Anker in unsicheren Zeiten. Wer eine verlässliche Anlage sucht mit einem hohen Dividendenversprechen, soll beim Münchner Rückversicherer gut aufgehoben sein, so die Linie der Kommunikation. Schwankungen bei den Quartalsergebnissen, Volatilitäten bei Währungen und Derivaten, unangenehme Abschreibungen auf Kapitalanlagen - alles nicht so wichtig, wenn nur die ökonomische Steuerung stimmt und die Kapitalausstattung gesichert ist.

Dennoch sind es harte Zeiten für den Konzern. Das mittelfristig gesetzte Kapitalrenditeziel ist außer Reichweite, die Schaden-Kosten-Quote bei geradezu unanständigen 113 Prozent, die Vorjahresdividende nur aus den Rücklagen zu bezahlen, die Anlagemöglichkeiten sind begrenzt bis traurig: Unternehmensanleihen, Pfandbriefe, Staatsanleihen aus sicheren Ländern. Und schon droht die Flut in Thailand sich zum nächsten Großschaden aufzuschwingen, nach Japan, Neuseeland und so weiter.

Finanzchef Jörg Schneider versuchte bei der Vorlage der Neun-Monatszahlen auch gar nicht erst den Eindruck zu erwecken, als könne ihn das Umfeld nicht erschüttern. "Es sind die schwierigsten Rahmenbedingungen meiner Amtszeit", sagte er, und er ist immerhin schon zehn Jahre auf dieser Position.

Unter 3,5 Prozent Rendite

Damit meint er nicht nur die 3,6 Milliarden Euro Belastung aus Naturkatastrophen, die sein Konzern im bisherigen Jahresverlauf verkraften musste. Oder die Abschreibungen auf Kapitalanlagen von 3,75 Milliarden Euro, die allerdings nicht alle der Staatsschuldenkrise geschuldet seien, wie er betont. Er spricht auch vom Tagesgeschäft mit einem "extrem herausfordernden Asset Management".

Immerhin hat die Munich Re bisher im Jahresschnitt noch den stolzen Wert von 4,1 Prozent an laufenden Kapitalerträgen erzielt, doch bereinigt um Abschreibungen und sonstige Aufwendungen waren es nur 3,3 Prozent. Auch für 2011 insgesamt prognostiziert Schneider unter 3,5 Prozent.

Auf eine schnelle und signifikante Erholung bei den Zinsen setzt die Munich Re nicht, erklärt Torsten Jeworrek, Chef der Rückversicherungssparte. Dieses Faktum müsse auch in die Preisgestaltung der Versicherungsverträge eingebaut werden, damit sie insgesamt gesehen nicht "unter Wasser" kämen: "Zur Not müssen wir auch Geschäft aufgeben". Diesen Satz hat man bei diesem Unternehmen schon oft gehört.

Laufzeiten und Währungen auf der Anlageseite orientierten sich immer streng an den Verpflichtungen gegenüber den Versicherungskunden, doziert Schneider ein um das andere Mal: "Entscheidend ist, dass wir die richtige Position einnehmen, unabhängig von kurzfristigen Effekten auf das Ergebnis". Die langfristige Balance sei wichtiger als ein Quartalsgewinn oder - verlust. Es gelte, das Vermögen der Aktionäre zu schützen.

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